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Schauspiel Hannover

15% Nachlass für Abonnenten Schauspiel Hannover

Der Tipp für Kurzentschlossene: Das Schauspiel Hannover gewährt Abonnenten 15% Nachlass auf den Ticketgrundpreis für begrenzte Kartenkontingente ausgewählter Veranstaltungen. Das Angebot gilt ausschließlich an den Kassen des Staatstheaters!

  • Opernhaus , Opernplatz 1
    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr
  • Schauspielhaus , Prinzenstr. 9
    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr
  • Schauspiel Hannover. Telefonische Kartenbestellung:
    (05 11) 99 99 - 11 11

    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr 

Bei folgenden Veranstaltungen können Sie im Monat Dezember sparen:

 

SCHAUSPIELHAUS

Richtfest, 08.12.2016, 19.30 Uhr

«Woll'n auwo wohn'n.»

So lautete ein Transparent-Slogan in einem Hausbesetzer-Comic der frühen 80er Jahre. Inzwischen besetzen Menschen, die «wo» und vor allem «anders» und mit anderen zusammen wohnen wollen, keine Häuser mehr, sie gründen Baugemeinschaften. Zumindest in einem bestimmten Alter, in einem bestimmten Milieu. Eine Baugemeinschaft ist für manche ein Versprechen, für manche eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Die einen träumen von einem solidarischen Leben, gemeinsamer Kinderbetreuung, Beistand im Alter, die anderen vielleicht nur von einer kostengünstigen Möglichkeit, ihr Traumhaus zu bauen. In jedem Fall muss man sich einigen. Und alle Entscheidungen gemeinsam treffen. Basisdemokratisch. Nach ausgiebiger Diskussion. Und plötzlich ist es auf dem Hausbesitzerplenum doch wieder wie auf dem Hausbesetzerplenum. Nur mit einem Buchstaben und einigen Hunderttausend Euro Unterschied. Lutz Hübner, dessen Stücke früher schon mit großem Erfolg im Schauspiel Hannover gespielt wurden, hat eine turbulente Komödie über Menschen zwischen Utopie und Pragmatismus geschrieben. Dass sich in seinem Stück die Bauherren untereinander bestenfalls flüchtig kannten, bevor sie sich zum gemeinsamen Bauen entschlossen, ist dabei fast das kleinere Problem. Denn wenn man zusammen ein Haus baut, kann man sich schon mal kennenlernen…

Bulgarien. Zwei Biografien. Die des Anarchisten Konstantin – zehn Jahre saß er für die Sprengung eines Stalindenkmals in Haft: Lager, Karzer, Zwangsarbeit, Psychiatrie, Kälte- und Hungerfolter, Wanzen, Schläge. Und die seines Folterers Metodi, dem »Michelangelo des Verhörs«, Produkt und Profiteur eines Regimes, das auf das Ressentiment der Zukurzgekommenen setzte und der Brutalität freien Lauf ließ. Doch das ist Jahre her. 1989 wechselt die Regierung, es bricht eine neue Zeit an – zumindest äußerlich. Die Protagonisten der Macht bleiben die gleichen. Sie haben sich ohne größeren Reibungsverlust neu eingerichtet. Erinnerungen sind trügerisch. Und unerwünscht. Konstantin versucht, in den Akten der Staatssicherheit Zeugnisse für das Erlebte zu finden. Er sucht die Wahrheit, zornig und kompromisslos. Seine Unerbittlichkeit wird ihm selbst von Leidensgefährten zum Vorwurf gemacht. Warum zurückschauen? Tatsächlich stößt Konstantin nur auf wenig aussagekräftige Dokumente. Die Sicherheitsbehörden haben gründliche Arbeit geleistet, ihre Arme reichen bis in die Gegenwart. Seine Erfahrungen werden negiert, finden keinen Widerhall. Und so bleiben Opfer und Folterer, Konstantin und Metodi, aneinander gekettet, ihre Biografien auf Lebenszeit miteinander verflochten, makaber aufeinander angewiesen durch die Zeugenschaft, die allein sie sich gegenseitig ablegen können.

Macht und Widerstand, 17.12.2016, 19.30 Uhr

Bulgarien. Zwei Biografien. Die des Anarchisten Konstantin – zehn Jahre saß er für die Sprengung eines Stalindenkmals in Haft: Lager, Karzer, Zwangsarbeit, Psychiatrie, Kälte- und Hungerfolter, Wanzen, Schläge. Und die seines Folterers Metodi, dem »Michelangelo des Verhörs«, Produkt und Profiteur eines Regimes, das auf das Ressentiment der Zukurzgekommenen setzte und der Brutalität freien Lauf ließ. Doch das ist Jahre her. 1989 wechselt die Regierung, es bricht eine neue Zeit an – zumindest äußerlich. Die Protagonisten der Macht bleiben die gleichen. Sie haben sich ohne größeren Reibungsverlust neu eingerichtet. Erinnerungen sind trügerisch. Und unerwünscht. Konstantin versucht, in den Akten der Staatssicherheit Zeugnisse für das Erlebte zu finden. Er sucht die Wahrheit, zornig und kompromisslos. Seine Unerbittlichkeit wird ihm selbst von Leidensgefährten zum Vorwurf gemacht. Warum zurückschauen? Tatsächlich stößt Konstantin nur auf wenig aussagekräftige Dokumente. Die Sicherheitsbehörden haben gründliche Arbeit geleistet, ihre Arme reichen bis in die Gegenwart. Seine Erfahrungen werden negiert, finden keinen Widerhall. Und so bleiben Opfer und Folterer, Konstantin und Metodi, aneinander gekettet, ihre Biografien auf Lebenszeit miteinander verflochten, makaber aufeinander angewiesen durch die Zeugenschaft, die allein sie sich gegenseitig ablegen können.

Der Autor und Kosmopolit Ilija Trojanow recherchierte fast zwanzig Jahre, führte Gespräche mit Zeitzeugen, bezog Originaldokumente mit ein. Ein eminent politisches Buch, das ein zeitgeschichtliches Panorama von exemplarischer Gültigkeit entfaltet.

Hotel Savoy , 20.12.2016, 19.30 Uhr

»Europäischer als alle anderen Gasthöfe des Ostens scheint mir das Hotel Savoy mit seinen sieben Etagen, seinem goldenen Wappen und einem livrierten Portier. Es verspricht Seife, Wasser, englisches Klosett, Lift, Stubenmädchen in weißen Hauben, freundlich blinkende Nachtgeschirre, wie köstliche Überraschungen in braun-getäfelten Kästchen; elektrische Lampen, aus rosa und grünen Schirmen blühend wie aus Kelchen; schrillende Klingeln, die einem Daumendruck gehorchen; und Betten, daunengepolsterte, schwellend und freudig bereit, den Körper aufzunehmen.«

Das erste Mal nach fünf Jahren hat Gabriel Dan wieder das Gefühl, an den Toren Europas zu stehen. Zwei Jahre verbrachte er im Ersten Weltkrieg an der Ostfront, anschließend drei Jahre in russischer Kriegsgefangen-schaft. Abgerissen und ohne Gepäck strandet er im Hotel Savoy, wo er auf Soldaten, Bankrotteure, Devisenschieber, Millionäre und Varietétänzerinnen trifft. In den oberen Etagen wohnen die Armen, in den unteren die Reichen. Vor ihnen müssen sich nachts junge Mädchen, die nichts mehr zu veräußern haben, in der Hotelbar ausziehen. Das Hotel ist ein Abbild einer aus den Fugen geratenen Zeit, ein Transitraum zwischen Ost und West, in dem sich viele nur auf der Durchreise wähnen und doch zum Bleiben verdammt sind. Alle hoffen auf bessere Zeiten, als der amerikanische Milliardär Bloomfield eintrifft. In der Stadt braut sich unter-dessen ein Arbeiteraufstand zusammen. Revolution. Soldaten schießen, das Hotel brennt und Gabriel bleibt nur, seinen Weg gen Westen fortzusetzen.

Rocco und seine Brüder , 22.12.2016, 19.30 Uhr

»Well, what can a poor boy do / except to sing for a rock ’n’ roll band.« The Rolling Stones

Entweder Musik oder Sport. Simone boxt sich nach oben. Der Zweitgeborene der Familie Parondi versucht, die einzige sich ihm bietende Möglichkeit zu nutzen, um schnell und effektiv der Armut zu entfliehen und aufzu- steigen: den Boxsport. Gemeinsam mit seiner Mutter und den drei jüngeren Brüdern ist er nach dem Tod des Vaters aus dem Elend Süditaliens ins reiche Mailand geflohen. Dort lebt Vincenzo, der älteste Bruder, der für die Familie das Nötigste organisiert: eine Wohnung und gelegentlich Arbeit. Aber Simone will mehr: Erfolg und Anerkennung – und zwar sofort. Er boxt sich von Sieg zu Sieg. Bis er aus der Bahn  geworfen wird: durch die Liebe zu der Prostituierten Nadia, den Druck, sich immer aufs Neue beweisen zu müssen, die Verführungen seines neuen Lebens und die Erwartungen, die die Familie in ihn setzt. Rocco ist  fest entschlossen, ihn auf den richtigen Weg zurückzuführen und bereit, dafür jedes Opfer zu bringen. Nichts wäre gewonnen im neuen Leben, wenn man einen Bruder auf dem Weg verlöre.

Heidi , 28.12.2016, 15.00 Uhr

Ja, Heidis Welt sind die Berge. Denn dort oben ist sie zuhaus. Ihr Freund, der Geißenpeter, passt auf die Ziegen auf. Und ihr schlechtgelaunter, pfeiferauchender Großvater, der kauzige Alm-Öhi, muffelt griesgrämig in seinen grauen Zottelbart. Das ist ungefähr das, was den meisten von uns zu Heidi einfällt. Aber warum bewegt die Geschichte vom Waisenmädchen Heidi, das aus den Bergen fort und in die Großstadt Frankfurt ziehen muss, so viele Menschen auf der ganzen Welt? Nicht zufällig gehören die beiden Originalbücher von Johanna Spyri zu den internationalen Dauerbrennern der Kinderliteratur. Heidi erzählt eine zeitlose, universelle Geschichte über Freundschaft zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, eine Geschichte über Einsamkeit und Liebe, über das Verständnis zwischen den Generationen, über die Faszination eines Lebens in der Natur und über das Heimweh, das einen befällt, wenn man an einem Ort leben muss, an dem man sich fremd fühlt – aber auch darüber, wie man trotzdem in der Fremde zurechtkommen kann. Vor allem aber ist Heidi die Geschichte eines starken, optimistischen Mädchens, das sich seinem Schicksal nicht ergibt.

Was ihr wollt, 29.12.2016, 19.30 Uhr

Alles beginnt mit einem Schiffbruch. Auf Illyrien finden sich die Gestrandeten dieser Welt. Ihre Bewohner sind Trauernde, Enttäuschte, ihre Sehnsüchte blieben bislang unerfüllt. Mit Ankunft der jungen Viola, die sich zum Schutz in der Fremde in ihren ertrunken geglaubten Zwillingsbruder verwandelt, flammt das Glücksverlangen aller wieder auf. Sie verliert ihr Herz an den liebeskranken Herzog Orsino, der in ihr jedoch nur den Mann sieht. In seinem Dienst muss sie Liebesschwüre der Gräfin Olivia überbringen, diese will von ihm nichts wissen und verfällt dem betörend schönen Jungen mit den weiblichen Zügen. Verwirrende Spiegeleffekte lassen an der eigenen Identität zweifeln. Doch mit zunehmender Angstlust stürzen sich die Liebenden in das Spiel, das sie nicht verstehen. Oder doch? Ihre Gefühle durchleben sie exzessiv - bis zur schmerzlichen Erkenntnis, die schließlich Schein von Sein trennt. Und dann sind da noch Sir Toby, Haushofmeister Malvolio, Sir Andrew, Olivias Dienstmädchen Maria und der Narr Feste, die ihre Langeweile durch Grausamkeiten zu vertreiben versuchen, durch Späße, die nicht folgenlos bleiben.

CUMBERLANDSCHE Bühne

Kuttner erklärt die Welt, 03.12.2016, 20.00 Uhr

Ein Videoschnipselabend - was ist das? Seit November 1996 veranstaltet Jürgen Kuttner Monat für Monat an der Berliner Volksbühne seine Videoschnipselabende. Im Januar 2007 war er bei Folge 71 angelangt. Rechnet man die ungezählten Best-of-Abende und Gastspiele in München, Basel, Schwedt, Hamburg, Leipzig, Dresden und anderswo dazu, haben inzwischen gut 50.000 Zuschauer Kuttners Welterklärungsversuchen beigewohnt.

Jeder Videoschnipselabend ist anders. Denn jeder Abend hat ein eigenes Motto, eine eigene These. Dabei kann es einerseits um so Grundsätzliches gehen wie Liebe, Sex, Krieg, Kinder, Fußball oder Autos, andererseits aber auch um so diffizile Probleme wie das Demokratisierungspotenzial des deutschen Schlagers, die Politiktauglichkeit mittelamerikanischer Rauschkakteen, die ästhetischen Irrungen Mick Jaggers, das Aggressionspotenzial des Handyklingelns eines deutschen Außenministers oder die Frage, mit welchen Präsidenten man KPdSU-Generalsekretären eine Freude machen konnte.

Jeder Videoschnipselabend hat zwei Elemente. Denn er besteht a) aus den Videos und b) aus Kuttner, dem Mann also, der sie vorab fürs Publikum aussucht, zerschnipselt und schließlich auf der Bühne präsentiert. An jedem Abend kommen ungefähr acht bis zehn Filmausschnitte zur Aufführung. In der Regel sind diese Einspiele zwei bis vier Minuten lang. Rekrutierten sich die Ausschnitte anfänglich noch paritätisch aus alten Sendungen des DDR- und BRD-Fernsehens, operiert Kuttner inzwischen global. Ausschnitte des chinesischen, indischen oder russischen Fernsehens werden in seinen Veranstaltungen ebenso selbstverständlich eingebaut wie Szenen aus schweizerischen TV-Sendungen oder Hollywood-B-Produktionen. Über 500 absurde Momente internationaler Film- und Fernsehkultur flimmerten so bislang über die Riesenleinwand der Volksbühne. Doch so lehrreich, bizarr oder unterhaltsam diese Schnipsel auch sind, ihre wahre Wirkung entfalten sie erst in der Kommentierung durch Kuttner. 

Jeder Videoschnipselabend ist unberechenbar. Denn das Thema kann sich bis zur letzten Minute ändern, es kann, bis der letzte Zuschauer Platz genommen hat, den aktuellen politischen Ereignissen oder plötzlichen Gemütsschwankungen Kuttners angepasst werden.

Alles ist erleuchtet, 11.12.2016, 20.00 Uhr

Der junge Amerikaner Jonathan reist auf den Spuren seiner Familiengeschichte in die Ukraine. Zusammengepfercht in einem winzigen Auto reisen mit ihm sein Dolmetscher Alexander Perchov, ein großmäuliger Wort­akrobat, der Fahrer des Wagens, Alexanders grantiger Großvater, der behauptet, blind zu sein und dessen neurotische Hündin Sammy Davis Jr. Jr..

Eine kuriose Reise voller Übersetzungsschwierigkeiten, Missverständnisse und Pannen führt die kleine Reisegruppe schließlich an den Ort, an dem Jonathans Großvater einst vor den Nazis gerettet worden sein soll. Doch anstelle eines Städtchens ist dort nichts. Das jüdische Schtetl Trachimbrod wurde ausgelöscht. Was bleibt, ist Leere. Was macht man also mit einer verschwundenen Vergangenheit? Man erfindet sie neu. Und so erzählt Jonathan die Geschichte von Trachimbrod und seiner Herkunft greller, fantastischer und bunter, als es die Wirklichkeit je vermocht hätte. Und Alexander, berauscht von der Kraft des Erzählens, schwingt sich zum Chronisten ihrer Reise auf und tritt als Schalk dem Grauen entgegen, weil »humorvoll die einzige wahrheitliche Art ist, eine traurige Geschichte zu erzählen«. Beide Erzählungen aber führen unweigerlich zurück zu den furchtbaren Geschehnissen der Auslöschung: Kann man die Vergangenheit überschreiben? Und wie »nomadenhaft« darf man mit der Wahrheit verfahren?

Die Aristokraten, 16.12.2016, 20.00 Uhr

In einer vom Krieg zerstörten Stadt flüchten sich eine junge Frau und ein junger Mann in eine verlassene Penthousewohnung. Die Umstände haben auch die beiden zu Feinden gemacht. Vor langer Zeit ist Sascha von Schuras Familie aufgenommen worden. Und Schura hat sich durch den Kriegsschauplatz gekämpft, um sie zu finden. Nun erscheint er, dreckig und mit einem Fisch als einzigem Besitz, bei Sascha, die Champagner im Kühlschrank stehen hat. Draußen will Schura jemanden getötet haben, mit dem beide eine gewaltsame Vergangenheit verbindet. Doch begraben ist der Tote noch lange nicht. Erst recht nicht für Sascha. Es beginnt ein Kampf gegen den Verlust von Zivilisation: Teilt man sein Essen, begräbt man die Toten? Weitermachen oder von vorn anfangen? Es scheint ein Spiel ohne Ausweg zu sein, und die beiden spielen es mit vollem Einsatz. Sasha Marianna Salzmann hat mit Die Aristokraten eine Studie über den dünnen Firnis der Zivilisation in einer entmenschten Gesellschaft geschrieben.

Perplex, 28.12.2016, 20.00 Uhr

Carolin und Philippe kommen aus dem Urlaub zurück. Irgendetwas ist beunruhigend anders. Woher kommt die neue Topfpflanze? Warum funktioniert das Licht nicht mehr? Was macht der Müll unter dem Sofa? Schließlich behauptet das befreundete Paars, das eigentlich während ihrer Abwesenheit nur die Blumen gießen sollte, dies sei ihre Wohnung und setzt Carolin und Philippe kurzerhand vor die Tür.
Damit beginnt ein absurder, albtraumhafter Reigen voller überraschender und komischer Wendungen, in dem die kleine bürgerliche Welt der vier Protagonisten mehr und mehr aus den Fugen gerät. Von Szene zu Szene vollziehen sich surreale Verschiebungen, Beziehungen lösen sich auf und setzen sich neu zusammen. Man spannt einander die Partner aus, trägt Elchskostüme, fällt übereinander her und entdeckt Darwins Evolutionstheorie neu - ohne Rücksicht auf Verluste. Währenddessen wird munter weitergeredet und Normalität behauptet, schlagfertig und pointiert, über jede noch so große private Katastrophe hinweg. Ein fulminantes und sehr komisches Stück über die Auflösung letzter sozialer Sicherheiten.

Madame Bovary - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie, 30.12.2016, 20.00 Uhr

Sie: die berühmteste Ehebrecherin der Literaturgeschichte – Emma Bovary. Gustave Flaubert schrieb dieses Sittenbild aus der Provinz ausgehend von einer Zeitungsnotiz. Eine junge Frau aus dem normannischen Ry hatte sich vergiftet. Ihr Leben reichte nicht an ihre Träume heran. Die Monotonie des Alltags zermürbte sie. Auch Madame Bovary litt an der »romantischen Krankheit«. Klavierstunden in der Stadt wurden ihr Vorwand für unsittliche Rendezvous.

Er: der virtuose Gratwanderer zwischen grobem Feinsinn und grandiosem Unfug – Clemens Sienknecht. Er produziert eine weitere Folge der Serie Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur und begibt sich mit Hilfe seiner Kollegen auf die musikalische Suche nach der Lösung des Konflikts zwischen der Poesie des Herzens und der Prosa der
Verhältnisse.

CUMBERLANDSCHE Galerie

Willkommen im ewigen Leben, 18.12.2016, 20.00 Uhr

Abends in der Stammkneipe: Ein Mann tritt ein, bestellt ein Bier am Tresen. Vielleicht ein bisschen müde, vielleicht ein bisschen frustriert beginnt er so zu reden, wie man das am Tresen tut – er erzählt vom Tag auf der Arbeit, den nervigen Vorgesetzten, dem trostlosen Alltag. Langsam zieht er die Zuhörer hinein in die Dunkelheit des dritten Jahrtausends. Michel Houellebecq polarisiert. Der Franzose ist Zivilisationskritiker, Zyniker, verbitterter Romantiker und vor allem einer der schärfsten Denker unserer Zeit. Texte aus seinen ersten vier Romanen bilden die Grundlage für den Kneipenmonolog des Ensemblemitglieds Günther Harder.
                                                                                                                                                                                                                                                 

BALLHOF EINS

Die Reichsgründer oder das Schmürz, 01.12.2016, 19.30 Uhr

Die Angst wird in unserer Gesellschaft zunehmend zum handlungsbestimmenden Moment. Im Leben des Einzelnen wie in der Politik. Angst vor dem persönlichen sozialen Abstieg, Angst vor dem Verlust erkämpfter Werte, Angst vor der Zukunft, auch vor der eigenen Vergangenheit. Vor allem aber Angst vor dem Neuen, Fremden und Ungewohnten. Je größer und schwerer zu fassen die Veränderungen sind, umso diffuser wird die Angst davor und umso irrationaler werden die aus ihr entstehenden  Reaktionen: Aggression, Schuldzuweisung, kopflose Flucht. Boris Vian findet in seinem 1959 posthum uraufgeführten, aber überraschend  aktuellen Stück ein beklemmendes Bild für diesen Mechanismus: Eine Familie ist panisch, hysterisch. Sie flieht vor einem undefinierbaren, ohrenbetäubenden Lärm von einer Etage des Hauses in die nächste. Immer weiter und höher – hinein in immer bedrückendere, miserablere Verhältnisse. Zurück bleiben Wohlstand, Sicherheit und Empathie. Von Stockwerk zu Stockwerk ziehen Vater, Mutter, Dienstmagd und die Tochter Zénobie. Immer mit dabei: das Schmürz, ein rätselhaftes Wesen, das den Vieren als Sündenbock, Zeuge und Feind zugleich dient. Zénobies Frage nach dem, wovor alle auf der Flucht sind, verhallt ungehört. Niemand weiß es wirklich. Vielleicht will es auch niemand wissen. Und so verliert die Familie erst ihren Besitz und dann sich selbst. Schließlich rettet sich der Vater in eine elende Dachkammer. Endstation. Weder Uniform noch Pistole bieten ihm noch Schutz. Er ist allein – allein mit dem Schmürz.

Andorra,  08.12.2016 , 19.30 Uhr

Andorra ist ein kleines Land. Die Menschen sind stolz auf ihrer Hände Arbeit, blicken mit sich im Reinen auf die Vergangenheit und zuversichtlich in die Zukunft. Man weiß, was einen guten Andorraner ausmacht und kennt sich deshalb umso besser mit den Schwächen der Zugezogenen aus. Die Andorraner wissen, dass der Jude Andri besser mit Geld als mit Holz umgehen kann – genetisch bedingt. Körperliche und geistige Eigenheiten sieht man ihm großzügig nach. In der örtlichen Fußballmannschaft kann man natürlich nicht viel mit ihm anfangen – genetisch bedingt. Aber macht ja nichts, wir schaffen das! Am Ende der Erfolgsgeschichte ist Andri tot, Andorra weiß und keiner Schuld. Und so sehr man auch versucht, die Ereignisse zu rekapitulieren, es bleibt unaufgeklärt, wer den ersten Stein geworfen hat und warum. Was so ein richtiger Andorraner ist, der muss auch mal vergessen können. Andorra ist schließlich nur ein kleines Land.

BALLHOF ZWEI

Und auch so bitterkalt, 02.12.2016, 19.30 Uhr

»Ich möchte euch von einem Gefühl erzählen. Von einem Gefühl, das einem früher oder später abhanden kommt, wenn man nicht aufpasst. Das ist das Gefühl, im Moment zu sein.« Malina hat jemanden, die dieses Gefühl in ihr hervorruft und das ist ihre große Schwester Lucinda. Wenn sie mit Lucinda zusammen ist, fühlt sie sich unbesiegbar. Auf »ihrer« morschen Brücke balancieren sie am Abgrund; gemeinsam fliehen sie sich in Fantasiewelten, verstecken sie sich nachts mit ihren Wunschlisten vor ihren Eltern im Garten, um auf Sternschnuppen zu warten. Dass ihre Schwester alles andere als unbesiegbar ist, muss Malina dann aber am eigenen Leib erfahren: vor ihren Augen verschwindet Lucinda zusehends. Sie isst nicht mehr. Malina bleibt in der harten Realität zurück. Sie muss lernen, ihre Sternschnuppen-Wunschliste alleine zu formulieren. »Ich will, dass du hier bist.« Lucinda ist still.

Bis hierher lief's noch ganz gut, 09.12.2016, 19.30 Uhr

Eine junge Frau mit libanesischem Hintergrund, die das Herkunftsland ihrer Eltern noch nie besucht hat, fängt plötzlich an, die Schulkorridore mit Hisbollah-Flaggen zu bekritzeln. Der 18-jährige Halbiraner, der sich lange mit Drogen betäubte, besucht nun die Koranschule und trainiert Kampfsport, weil »man das auf der Straße gebrauchen kann«. Eine Sozialarbeiterin bringt es auf den Punkt: »Was ein Staat von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe hält, zeigt sich immer darin, wie er diese finanziert.« Für das Junge Schauspiel Hannover entwickelt Ulrike Günther ein Theaterstück, das sich speziell mit der Situation von Jugendlichen in sozialen Brennpunkten Hannovers auseinandersetzt. Dafür hat sie Interviews mit Sozialarbeitern, Lehrern, Jugendlichen und Polizisten geführt. Das Material untersucht, wie Armut, Chancenlosigkeit und das Gefühl des Ausgeschlossenseins dazu führen können, dass Jugendliche in ihrer verzweifelten Identitätssuche beginnen, sich zu radikalisieren. Durch die Übersetzung der konkreten lokalen Verhältnisse in einen Theaterabend lassen sich Phänomene aufzeigen, die über Hannover hinausweisen und eine gesamtdeutsche Situation charakterisieren.

Früchte des Nichts, 16.12.2016, 19.30 Uhr

Deutschland 1948. Der Krieg ist vorbei. Die Eltern halten sich an den Trümmern fest, ihre Kinder am Nihilismus Friedrich Nietzsches. Noch vor kurzem haben allein Gewehrkugeln über ihre Zukunft entschieden, jeder Schritt konnte der letzte sein. Jetzt liegen viele Möglichkeiten vor ihnen, doch was ist der Sinn ihres unverhofften Weiterlebens – Drogen, Geld, Mode oder einfach nichts? Von einer spontanen Italienreise versprechen sich vier Abiturienten eine geistige Luftveränderung. Die Expedition scheitert, als einer von ihnen den Chauffeur erschießt. Jeder Versuch, der Tat einen Sinn zu geben, misslingt – es bleibt ein Schuss »aus dem Nichts«. Doch warum sollte plötzlich etwas falsch sein, was vor wenigen Jahren noch rechtens war? Früchte des Nichts zeichnet das Lebensgefühl einer traumatisierten und orientierungslosen Generation nach, die vom Pragmatismus ihrer Eltern überrollt wird.

Monster, 17.12.2016, 19.30 Uhr

Duck ist 16 und die Sorte unscheinbarer Mädchen, die hoffen, eines Tages an der Supermarktkasse von einem berühmten Filmregisseur entdeckt zu werden. Sie sorgt für ihren Vater, einen an Multipler Sklerose erkrankten, kiffenden Ex-Biker, der Computerspiele, Horrorfilme und Fertigpizza liebt und seit dem tödlichen Unfall seiner Frau mit seiner Tochter in einer winzigen Wohnung haust. Ducks Vater weiß, dass sie langsam wirklich Hilfe nötig haben, denn ihm droht die Erblindung. Duck geht mit überbordender Fantasie gegen die soziale Härte ihres Alltags vor: Sie präsentiert ihre Welt mal als Märchen, mal als Talkshow, Musical oder Katastrophenfilm. Als sich eines Tages die Sozialfürsorge anmeldet, um Sie in Obhut zu nehmen, entwickelt das Mädchen einen aberwitzigen Plan, der alle Beteiligten in ein Gewirr aus haar- sträubenden Lügen, wilden Zufällen und hochkomischen Verwechslungen stürzt.

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