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Schauspiel Hannover

15% Nachlass für Abonnenten Schauspiel Hannover

Der Tipp für Kurzentschlossene: Das Schauspiel Hannover gewährt Abonnenten 15% Nachlass auf den Ticketgrundpreis für begrenzte Kartenkontingente ausgewählter Veranstaltungen. Das Angebot gilt ausschließlich an den Kassen des Staatstheaters!

  • Opernhaus , Opernplatz 1
    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr
  • Schauspielhaus , Prinzenstr. 9
    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr
  • Schauspiel Hannover. Telefonische Kartenbestellung:
    (05 11) 99 99 - 11 11

    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr 

Bei folgenden Veranstaltungen können Sie im Monat April mit AboPlus sparen:

 

SCHAUSPIELHAUS

Hotel Sa voy, 01.04.2017, 19.30 Uhr

»Europäischer als alle anderen Gasthöfe des Ostens scheint mir das Hotel Savoy mit seinen sieben Etagen, seinem goldenen Wappen und einem livrierten Portier. Es verspricht Seife, Wasser, englisches Klosett, Lift, Stubenmädchen in weißen Hauben, freundlich blinkende Nachtgeschirre, wie köstliche Überraschungen in braun-getäfelten Kästchen; elektrische Lampen, aus rosa und grünen Schirmen blühend wie aus Kelchen; schrillende Klingeln, die einem Daumendruck gehorchen; und Betten, daunengepolsterte, schwellend und freudig bereit, den Körper aufzunehmen.«

Amerika, 05.04.2017, 19.30 Uhr

Der sechzehnjährige Karl Roßmann schwängert ein Dienstmädchen und wird von seinen Eltern kompromisslos nach Amerika verfrachtet. Mit einem Anzug, einem Koffer und einem Stück Veroneser Salami im Gepäck überquert er den Atlantik, um sein Glück im Exil zu suchen. Die Freiheitsstatue begrüßt die Einwanderer neuerdings mit erhobenem Schwert statt mit Fackel, die Vereinigten Staaten liegen fremd und unübersichtlich in ihrem Rücken. Im ständigen Konflikt zwischen Selbstbestimmung und Selbstbeherrschung, zwischen Freiheit und Disziplin, erlebt der Junge Karl Roßmann schon bald die direkte Umkehrung des Amerikanischen Traums: Vom reichen Onkel kurzfristig adoptiert und spontan auch wieder fortgeschickt, wird er vom Landstreicher zum Liftboy und endet schließlich als privater Sklave einer übergewichtigen Opernsängerin. Jede Bemühung, in der Fremde Fuß zu fassen, scheitert am Fremdsein an sich, jeder noch so kleine Fehltritt wird zum konkreten Anlass des sozialen Abstiegs. Erst als das »Naturtheater von Oklahoma« mit Arbeit für jedermann wirbt, überwindet Karl seine Isolationsgefühle und jagt auch diesem letzten Glücksversprechen hinterher. Franz Kafka, selbst nie in den Vereinigten Staaten gewesen, konstruiert sein Amerika anhand von Fotos, Reiseberichten, Zeitungsartikeln und Stummfilmen – bis ihn die schiere Größe seiner Erzählung selbst überfordert: »Er läuft mir auseinander, ich kann ihn nicht mehr umfassen«, schreibt Kafka zu seinem ersten, unvollendeten Roman Amerika.

Lehman Brothers, 11.04.2017, 19.30 Uhr

1844: Heyum Lehmann, Sohn eines Viehhändlers aus dem bayerischen Rimpar, schifft sich nach New York ein, um der Armut zu entfliehen und seinem Leben eine Chance zu geben. Angekommen im Hafen der Sehnsuchtsstadt, ändert er seinen Namen in Henry Lehman. Sein erster Tausch. Zwei Brüder folgen ihm nach. Es ist der Beginn einer atemberaubenden Erfolgsgeschichte, die den amerikanischen Traum in Reinform verkörpert: Aus einem kleinen Gemischtwarenladen in Alabama, den die mittellosen Ankömmlinge auf Kredit eröffnen, entwickelt sich innerhalb dreier Generationen eine der mächtigsten Investmentbanken der Welt. Der Einfluss der "Lehman Brothers" langt in nahezu alle Bereiche des Lebens: Börse, Politik, Militär, Wohnen, Konsum, Unterhaltung. Sie setzen immer auf die richtige Karte, münzen jede Katastrophe in wirtschaftlichen Gewinn um. Das Wachstum scheint unaufhaltsam, das Unternehmen too big to fail. Dann aber, im Herbst 2008, verglühen Irrsinn und Übermut in einer epochalen Krise. Die Investmentbank Lehman Brothers bricht zusammen – und löst eine verheerende Kettenreaktion aus. Das globale Finanzsystem kollabiert, die Welt erleidet einen Vermögensverlust von mindestens 15 Billionen Dollar. Noch immer streiten Regierungen und Experten über die richtigen Lehren aus der Krise. Der Autor Stefano Massini recherchierte drei Jahre lang und schrieb eine Familiensaga, die sich als Autopsie des Kapitalismus lesen lässt

1917, 19.04.2017, 19.30 Uhr

01.01. Der Wanderprediger Rasputin, Berater des Zaren, wird tot aus der Newa geborgen +++ 15.03. Zar Nikolaus II. dankt ab, 300 Jahre Romanow-Herrschaft in Russland beendet +++ 16.04. Lenin nach einer Reise im plombierten Eisenbahnwagen quer durch Deutschland wieder in Russland +++ 14.09. Die provisorische Regierung unter Alex ander Kerenski erklärt Russland zur Republik +++

25.10. Der Panzerkreuzer Aurora gibt das Signal für die Erstürmung des Winterpalais, Aufstand und Machtübernahme durch die Bolschewiki +++ 08.11. Lenins Dekret über Grund und Boden zugunsten der russischen Landarbeiter veröffentlicht +++

Hamlet , 20.04.2017, 19.00 Uhr

Etwas ist faul im Staate Dänemark. Prinz Hamlet spürt es in aller Ohnmacht. An seinem Studienort Wittenberg ereilt ihn die Nachricht vom überraschenden Tod seines Vaters. Heimgekehrt nach Helsingör für das Begräbnis, findet er sich auf dem Hochzeitsfest der Mutter mit seinem Onkel wieder. Dieser beerbt durch diese Heirat den Bruder als Herrscher. Hamlet ist bestürzt. Gerüchte und Vermutungen am Hof tun ihr weiteres. Nächtens erscheint ihm der Geist seines Vaters,  der ihm mitteilt, dass er ermordet worden sei und ihn auf Rache einschwört. Getrieben von der Wahrheitssuche, als Fremder in der eigenen Familie, Verschwörungen überall witternd, spielt der junge Prinz den Verrückten und nimmt auf seinem Weg das Risiko in Kauf, Unschuldige zu opfern, um an die Täter zu kommen. Als Vorlage für dieses Drama diente Shakespeare ein nordischer Sagenstoff aus der Historia Danica von Saxo Grammaticus (Ende des 12. Jahrhunderts). Aus ihm entwickelte er über das Genre der klassischen Rachetragödie hinaus ein vielschichtiges Stück über Politik und Gewalt, über Macht und Moral, aber ebenso auch über eine unglückliche Liebe, eine komplizierte Mutter-Sohn-Beziehung und den Kampf der Generationen. Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson, geboren 1978 und aufgewachsen in einer Theaterfamilie, absolvierte seine Regie-Ausbildung an der Kunstakademie Reykjavik und an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin. Er wird zum ersten Mal am Schauspiel Hannover Regie führen und mit dieser Arbeit auch jener berühmten Inszenierung von Nicolas Stemann gedenken, die er an diesem Haus vor 15 Jahren sah.

Macht und Widerstand, 23.04.2017, 19.30 Uhr

Bulgarien. Zwei Biografien. Die des Anarchisten Konstantin – zehn Jahre saß er für die Sprengung eines Stalindenkmals in Haft: Lager, Karzer, Zwangsarbeit, Psychiatrie, Kälte- und Hungerfolter, Wanzen, Schläge. Und die seines Folterers Metodi, dem »Michelangelo des Verhörs«, Produkt und Profiteur eines Regimes, das auf das Ressentiment der Zukurzgekommenen setzte und der Brutalität freien Lauf ließ. Doch das ist Jahre her. 1989 wechselt die Regierung, es bricht eine neue Zeit an – zumindest äußerlich. Die Protagonisten der Macht bleiben die gleichen. Sie haben sich ohne größeren Reibungsverlust neu eingerichtet. Erinnerungen sind trügerisch. Und unerwünscht. Konstantin versucht, in den Akten der Staatssicherheit Zeugnisse für das Erlebte zu finden. Er sucht die Wahrheit, zornig und kompromisslos. Seine Unerbittlichkeit wird ihm selbst von Leidensgefährten zum Vorwurf gemacht. Warum zurückschauen? Tatsächlich stößt Konstantin nur auf wenig aussagekräftige Dokumente. Die Sicherheitsbehörden haben gründliche Arbeit geleistet, ihre Arme reichen bis in die Gegenwart. Seine Erfahrungen werden negiert, finden keinen Widerhall. Und so bleiben Opfer und Folterer, Konstantin und Metodi, aneinander gekettet, ihre Biografien auf Lebenszeit miteinander verflochten, makaber aufeinander angewiesen durch die Zeugenschaft, die allein sie sich gegenseitig ablegen können.

Der Autor und Kosmopolit Ilija Trojanow recherchierte fast zwanzig Jahre, führte Gespräche mit Zeitzeugen, bezog Originaldokumente mit ein. Ein eminent politisches Buch, das ein zeitgeschichtliches Panorama von exemplarischer Gültigkeit entfaltet.

Tartuffe, 29.04.2017, 19.30 Uhr

Orgon ist ein braver Spießbürger. An den meisten Sachen stößt er sich kaum, denn Orgon ist liberal. Als er eines Tages in der Kirche dem verarmten Tartuffe begegnet, spürt er sofort, dass dieser Mann etwas besitzt, was nicht mit Geld aufzuwiegen ist: Glaube, Inbrunst und Strenge. Mit großer Begeisterung holt Orgon sich Tartuffe ins Haus, um von dessen Frömmigkeit und Moralität zu profitieren. Wie einen Heilsbringer himmeln Orgon und seine Mutter den Unbekannten an. Der Rest der Familie kann darüber nur den Kopf schütteln, denn es ist allzu offensichtlich, dass Tartuffe ein Heuchler und Betrüger ist, der Wasser predigt und fremden Wein säuft. Als Orgon seine Tochter Mariane mit Tartuffe vermählen will, schlagen die Wellen hoch. Alle Versuche, Orgon von der Verschlagenheit Tartuffes zu überzeugen, treiben ihn nur weiter in dessen Arme. Molières radikale und für damalige Zeiten revolutionäre Kritik am religiösen Heuchlertum löste einen Theaterskandal ohnegleichen aus.  Heute scheint die bissige Komödie aktueller denn je zu sein. Wo man auf einen Erlöser hofft, der den rechten Weg proklamiert, läuft man Gefahr, auf Abwege zu geraten und einem Scharlatan auf den Leim zu gehen.

CUMBERLANDSCHE Bühne

Madame Bovary - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie -, 05.04.2017, 20.00 Uhr

Sie: die berühmteste Ehebrecherin der Literaturgeschichte – Emma Bovary. Gustave Flaubert schrieb dieses Sittenbild aus der Provinz ausgehend von einer Zeitungsnotiz. Eine junge Frau aus dem normannischen Ry hatte sich vergiftet. Ihr Leben reichte nicht an ihre Träume heran. Die Monotonie des Alltags zermürbte sie. Auch Madame Bovary litt an der »romantischen Krankheit«. Klavierstunden in der Stadt wurden ihr Vorwand für unsittliche Rendezvous.

Er: der virtuose Gratwanderer zwischen grobem Feinsinn und grandiosem Unfug – Clemens Sienknecht. Er produziert eine weitere Folge der Serie Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur und begibt sich mit Hilfe seiner Kollegen auf die musikalische Suche nach der Lösung des Konflikts zwischen der Poesie des Herzens und der Prosa der
Verhältnisse.

Alles ist erleuchtet, 07.04.2017, 20.00 Uhr

Der junge Amerikaner Jonathan reist auf den Spuren seiner Familiengeschichte in die Ukraine. Zusammengepfercht in einem winzigen Auto reisen mit ihm sein Dolmetscher Alexander Perchov, ein großmäuliger Wort­akrobat, der Fahrer des Wagens, Alexanders grantiger Großvater, der behauptet, blind zu sein und dessen neurotische Hündin Sammy Davis Jr. Jr..

Eine kuriose Reise voller Übersetzungsschwierigkeiten, Missverständnisse und Pannen führt die kleine Reisegruppe schließlich an den Ort, an dem Jonathans Großvater einst vor den Nazis gerettet worden sein soll. Doch anstelle eines Städtchens ist dort nichts. Das jüdische Schtetl Trachimbrod wurde ausgelöscht. Was bleibt, ist Leere. Was macht man also mit einer verschwundenen Vergangenheit? Man erfindet sie neu. Und so erzählt Jonathan die Geschichte von Trachimbrod und seiner Herkunft greller, fantastischer und bunter, als es die Wirklichkeit je vermocht hätte. Und Alexander, berauscht von der Kraft des Erzählens, schwingt sich zum Chronisten ihrer Reise auf und tritt als Schalk dem Grauen entgegen, weil »humorvoll die einzige wahrheitliche Art ist, eine traurige Geschichte zu erzählen«. Beide Erzählungen aber führen unweigerlich zurück zu den furchtbaren Geschehnissen der Auslöschung: Kann man die Vergangenheit überschreiben? Und wie »nomadenhaft« darf man mit der Wahrheit verfahren?

Die Nacht von Lissabon, 25.04.2017, 20.00 Uhr

»Jedes Schiff, das in diesen Monaten des Jahres 1942 Europa verließ, war eine Arche. Der Berg Ararat war Amerika, und die Flut stieg täglich. Die Küste Portugals war die letzte Zuflucht geworden für die Flüchtlinge, denen Gerechtigkeit, Freiheit und Toleranz mehr bedeuteten als Heimat und Existenz. Wer von hier das gelobte Land Amerika nicht erreichen konnte, war verloren. Der Mensch war in dieser Zeit nichts mehr, ein gültiger Pass alles.«

Im Hafen von Lissabon starrt ein Mann sehnsüchtig auf ein Schiff, das für ihn und seine Frau die Rettung sein könnte – wenn er die nötigen Pässe und Gelder besäße. Da bietet ihm ein Unbekannter zwei Schiffspassagen und die nötigen Papiere an, unter einer Bedingung: Er muss zuhören, wenn der Unbekannte die Geschichte seines Lebens erzählt.

Also hört er zu. Die Papiere, die der Unbekannte, der sich Schwarz nennt, anbietet, hat auch er von einem Emigranten »geerbt«. Er war schon 1939 aus einem Konzentrationslager nach Frankreich geflohen. Seine Frau Helen, seine Identität und sein Leben hatte er in Nazideutschland zurücklassen müssen. Doch auch ihn holte der »Emigrantenkoller« ein. Er wagte den mörderischen Weg zurück nach Deutschland, traf Helen in Osnabrück wieder. Doch die Realität des Krieges, Angst und Ungewissheit hatten beide verändert, sie waren einander fremd geworden. Helens Bruder, ein hoher Nazi-Offizier, war auf der Suche nach ihm, er musste erneut fliehen. Aber Helen ließ ihn kein zweites Mal gehen. Die gemeinsame Flucht entwickelte sich zu einer Reise, auf der die beiden Exilanten zu sich selbst und ihre Liebe fanden.

In Lissabon angelangt, begeht die krebskranke Helen Selbstmord. Für Josef Schwarz ergibt es keinen Sinn mehr zu fliehen. Er beschließt, zur Fremdenlegion zu gehen. Am Ende der Nacht verschenkt Schwarz die Papiere, die ihn und seine Frau retten sollten, an den Mann, der ihm eine Nacht lang zuhörte…

Perplex, 29.04.2017, 20.00 Uhr

Carolin und Philippe kommen aus dem Urlaub zurück. Irgendetwas ist beunruhigend anders. Woher kommt die neue Topfpflanze? Warum funktioniert das Licht nicht mehr? Was macht der Müll unter dem Sofa? Schließlich behauptet das befreundete Paar, das eigentlich während ihrer Abwesenheit nur die Blumen gießen sollte, dies sei ihre Wohnung und setzt Carolin und Philippe kurzerhand vor die Tür.
Damit beginnt ein absurder, albtraumhafter Reigen voller überraschender und komischer Wendungen, in dem die kleine bürgerliche Welt der vier Protagonisten mehr und mehr aus den Fugen gerät. Von Szene zu Szene vollziehen sich surreale Verschiebungen, Beziehungen lösen sich auf und setzen sich neu zusammen. Man spannt einander die Partner aus, trägt Elchskostüme, fällt übereinander her und entdeckt Darwins Evolutionstheorie neu - ohne Rücksicht auf Verluste. Währenddessen wird munter weitergeredet und Normalität behauptet, schlagfertig und pointiert, über jede noch so große private Katastrophe hinweg. Ein fulminantes und sehr komisches Stück über die Auflösung letzter sozialer Sicherheiten.

CUMBERLANDSCHE Galerie

Atlas der abgelegenen Inseln, 04.04.2017, 20.00 Uhr

Judith Schalanskys Atlas der abgelegenen Inseln erzählt 50 Geschichten von 50 unerreichbaren Orten, von gestrandeten Sklaven, verirrten Entdeckern und hoffnungslosen Romantikern. Thom Luz, Spezialist für feinstoffliche Musiktheaterabende und Sympathisant gescheiterter Existenzen, verwandelt diese poetischen Miniaturen über die Ferne in der Cumberlandschen Galerie, die einst das Heimatmuseum beherbergte, in ein Hörstück. Die Produktion wurde eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2015, im Oktober erschien das vom SFR/WDR produzierte Hörspiel der Inszenierung auf CD, welches mit dem europäischen Medienpreis PRIX EUROPA ausgezeichnet wurde.

Willkommen im ewigen Leben, 23.04.2017, 20.00 Uhr

Abends in der Stammkneipe: Ein Mann tritt ein, bestellt ein Bier am Tresen. Vielleicht ein bisschen müde, vielleicht ein bisschen frustriert beginnt er so zu reden, wie man das am Tresen tut – er erzählt vom Tag auf der Arbeit, den nervigen Vorgesetzten, dem trostlosen Alltag. Langsam zieht er die Zuhörer hinein in die Dunkelheit des dritten Jahrtausends. Michel Houellebecq polarisiert. Der Franzose ist Zivilisationskritiker, Zyniker, verbitterter Romantiker und vor allem einer der schärfsten Denker unserer Zeit. Texte aus seinen ersten vier Romanen bilden die Grundlage für den Kneipenmonolog des Ensemblemitglieds Günther Harder.                                                                                                                                                                                                                                               

BALLHOF EINS

Controlling Crowds, 23.04.2017, 19.30 Uhr

So much writing on the wall, can you read it all? / Can you see through the haze, when the writing’s small? / Can you read what it means, does it make any sense? / ’cause it’s all dollar bills and pounds and pence / Telling you what to do and what pills to take / when your head’s in your hands and your belly aches / where to go in the world when you need a change / Don’t you worry ’bout the bill, that can be arranged ...«
aus dem Song Dangervisit der Band Archive)
 
Der Kühlschrank weiß, was fehlt, und bestellt es selber nach, Smartphone-Apps empfehlen Partnerinnen und Partner in der näheren Umgebung, zum Kuscheln oder Ähnlichem. Produkte wollen gekauft und bewertet werden, Freundschaften sind angefragt. Drei Sterne hier, dort einen Daumen hoch. Wie war ich? Wie bin ich? Doch was macht das kritische Bewusstsein, wo bleibt das Aufbegehren gegen die Fremdbestimmung? Die Revolte bleibt aus, die Kaufkraft steigt. Schade eigentlich. Damit man das Denken nicht gänzlich bleiben lässt, entwickelt das Künstlerkollektiv Performance Group mit Jugendlichen aus Hannover und der Region einen radikalen Fragenkatalog aus Musik, Tanz und Schauspiel. Ein Spektakel aus Präsentation und Interaktion, präziser Choreografie und frecher Anarchie. Nieder mit den Glücksversprechungen der rationalen Gewissheit!

23 - Nichts ist so wie es scheint, 28.04.2017, 19.30 Uhr

Die Bundesrepublik Deutschland in den 1980er Jahren: Der 19-jährige Schüler Karl Koch ist ein Hacker der ersten Stunde. Mit einem Commodore-PC und einem Akustikkoppler gelingt es ihm gemeinsam mit einem Freund, das damals gerade entstehende Datennetz auszutricksen. Inspiriert von der Romanfigur Hagbard Celine aus der Illuminatus-Trilogie, macht Koch sich auf die Suche nach den Hintergründen politischer und wirtschaftlicher Macht, lässt sich vom sowjetischen Geheimdienst einspannen, auch von Journalisten, hackt sich vor laufender Kamera ins Atomkraftwerk Jülich, gerät ins Visier des deutschen Staatsschutzes, entdeckt die Omnipräsenz der Zahl 23 und befeuert damit seine Verschwörungsfantasie. Dem zunehmenden Druck entflieht er in die Kokainsucht. Paranoide Schübe suchen ihn heim – nicht alle sind unberechtigt. Wiederholt liefert er sich in die Psychiatrie ein, kooperiert mit dem BND, erhält eine neue Identität – schließlich wird seine verkohlte Leiche in einem Waldstück nahe Wolfsburg aufgefunden.

BALLHOF Zwei

Bis hierher lief's noch ganz gut, 09.04.2017, 19.30 Uhr

Eine junge Frau mit libanesischem Hintergrund, die das Herkunftsland ihrer Eltern noch nie besucht hat, fängt plötzlich an, die Schulkorridore mit Hisbollah-Flaggen zu bekritzeln. Der 18-jährige Halbiraner, der sich lange mit Drogen betäubte, besucht nun die Koranschule und trainiert Kampfsport, weil »man das auf der Straße gebrauchen kann«. Eine Sozialarbeiterin bringt es auf den Punkt: »Was ein Staat von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe hält, zeigt sich immer darin, wie er diese finanziert.« Für das Junge Schauspiel Hannover entwickelt Ulrike Günther ein Theaterstück, das sich speziell mit der Situation von Jugendlichen in sozialen Brennpunkten Hannovers auseinandersetzt. Dafür hat sie Interviews mit Sozialarbeitern, Lehrern, Jugendlichen und Polizisten geführt. Das Material untersucht, wie Armut, Chancenlosigkeit und das Gefühl des Ausgeschlossenseins dazu führen können, dass Jugendliche in ihrer verzweifelten Identitätssuche beginnen, sich zu radikalisieren. Durch die Übersetzung der konkreten lokalen Verhältnisse in einen Theaterabend lassen sich Phänomene aufzeigen, die über Hannover hinausweisen und eine gesamtdeutsche Situation charakterisieren.

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