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Ein Nachtisch auf der Speisekarte des iPads
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Hans-Peter Wiechers' neues Arbeitsgerät Ein Nachtisch auf der Speisekarte des iPads

Ein Zeitungsmann erobert sein iPad. Hans-Peter Wiechers (hpw), früher Redakteur der HAZ, heute Autor bei Madsacks „Digitalen Welten“, erzählt von der Begegnung mit seinem neuen Handwerkszeug.

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Gesichter und Geschichten

Quelle: Gesichter und Geschichten

Hannover. Das iPad ist ein ziemlich durchtriebener Verführer. Man sieht ihm das nicht gleich an. Es gibt sich harmlos, sieht aus wie ein aus den Fugen geratenes Smartphone. Kennt man ja längst diese Dinger. Aber dann greift man das Tablett, sieht das erste Bild und ist verzückt. So hat man Fotos noch nie gesehen, so scharf, so brillant. Man streicht sanft über die glatte Oberfläche und ein kleiner Zauber nimmt seinen Lauf. Die Bilder gehorchen dem Spiel der Finger. Man darf sich durch kleine Fotogeschichten streicheln, schiebt einen Text ins Bild, pocht auf ein Symbol und die Menschen auf den Bildern bewegen sich und fangen an zu sprechen; irgendwo ist da sogar noch eine kleine Musik.

Dabei ist einem das iPad ganz nah. Nicht wie der Fernsehbildschirm hinten in der Ecke, den man mit einer Fernbedienung kommandiert. Der bleibt auf Distanz. Oder der Computer auf dem Schreibtisch, der irgendwie ja auch ein Arbeitsplatz ist. Irgendwann muss einfach Feierabend sein!

Anders das iPad. Man packt es unter den den Arm und verzieht sich in seinen Lieblingssessel, wo man sonst genüsslich seine Zeitung liest.

Noch etwas ist anders. Das iPad lockt nicht nur mit den neuen Möglichkeiten des Lesens, Zuschauens und Zuhörens, es verführt auch den Autor, seine Geschichten auf neue Weise zu erzählen. Ich rede jetzt nicht von den großen Reportagen zu den Problemen, die die Welt bewegen. Ich spreche von einem kleinen Zwischengang, vielleicht auch von einem Nachtisch auf der üppigen Speisekarte, die das iPad bereit hält. Kleine Geschichten über ungewöhnliche Menschen, die einem gleich vor der Tür in Hannover begegnen können.

Als Handwerkszeug reicht dem Erzähler einer dieser modernen Fotoapparate, die auch Töne und bewegte Bilder aufnehmen. Der iPad-Autor kommt bescheiden mit kleiner Tasche durch die Tür. Nicht zu vergleichen mit einem Fernsehteam, das mit einigem Personal und großem Licht die Welt hinter der Tür erst einmal durcheinanderbringt, die es doch eigentlich abbilden will.

Der iPad-Autor sitzt auf dem Besucherstuhl, fragt wenig, hört viel zu und drückt dann und wann auf den Auslöser seiner Kamera. Der Porträtierte bleibt ganz entspannt und ist so wie er eben ist. Authentisch ist dafür das Modewort.

In der ersten Sonntag-Ausgabe haben wir mit einem alten Schuster gesprochen. Eigentlich wollten wir bei ihm nur ein paar Schuhe besohlen lassen. Dann ist eine kleine Geschichte daraus geworden. Knappe drei Minuten lang. Es muss ja nicht gleich ein Spielfilm sein. Als nächstes Thema haben wir uns „Möpse und ihre Menschen“ vorgenommen. Und es steht zu befürchten, das dieser Beitrag ein wenig länger wird. Über Leute die auf den Hund gekommen sind, kann man lange erzählen.

Hans-Peter Wiechers

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