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Interview mit Journalistik-Professor Stefan Heijnk Nachgefragt beim Profi

Uwe Kreuzer, Redakteur bei Madsacks "Digitalen Welten", spricht mit dem Online-Experten Prof. Heijnk über das neue Magazin "sonntag".

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Ein Nachtisch auf der Speisekarte des iPads

Prof. Stefan Heijnk im Interview mit der HAZ

Herr Heijnk, Sie sind Journalistik-Professor und Fachmann für Online-Journalismus und mobile Medien. Wie ist denn Ihr erster Eindruck vom „sonntag“?

Der „sonntag“gefällt mir gut. Das ist wirklich eine App geworden, die sich vorzeigen lässt.

Was hat Ihnen besonders gefallen?

Zwei Dinge finde ich besonders wichtig. Da ist erstens die Textqualität. Die Geschichten sind sehr gut geschrieben, das freut mich natürlich besonders. Der „sonntag“ sieht nicht nur nach Journalismus aus, sondern ist auch wirklich Journalismus. Zweitens wird das Vorhaben deutlich, die Möglichkeiten in den Erzählformen zu erproben, die ein App-Magazin bietet. Die Redaktion hat verstanden, welche Möglichkeiten dieses neue Medium bietet.

Welche neuen Möglichkeiten sind das denn?

Im Unterschied zum Internet ist ein App-Magazin wie der „sonntag“ etwas Abgeschlossenes, ein abgeschlossener Raum. Das bietet eine Übersichtlichkeit, die auf Webseiten oft verloren geht. Viele Webseiten, gerade Nachrichtenportale, sind ja von den Seitenzahlen her gar nicht mehr erfassbar. Da bekommt der Leser oft das Gefühl, gar nicht unbedingt alles Wichtige erfasst zu haben. Das kann bei einem App-Magazin nicht passieren.

Mit Printprodukten wie Zeitungen und Zeitschriften verglichen, bieten die Tablet-PCs natürlich alle Möglichkeiten, die auch das Internet bietet. Man kann nicht nur Schrift und Fotos einsetzen, sondern auch Audio, Video und Interaktivität. Die App verbindet also das Beste aus beiden Welten: Übersichtlichkeit und Multimodalität.

Was macht denn ein gutes App-Magazin aus?

Es ist schon durch Studien belegt, dass eine einfache Navigation unheimlich wichtig ist für das Lesegefühl. Das ist Redakteuren, die vom Print kommen, oft als Qualitätskriterium gar nicht so klar. Unterschiedslos zu allen anderen Medien zählt natürlich auch bei App-Magazinen die inhaltliche und formale Qualität. Das Magazin braucht auch einen einheitlichen Eindruck, ich muss als Leser erkennen, wer da zu mir spricht. Und die Redaktion muss professionell mit dem Thema Multimedia umgehen. Nicht alles, was man machen kann, ist tatsächlich auch gut. Man muss genau schauen, welche Darstellungsform zu welchem Thema passt.

Die Mediengruppe Madsack bringt ja mit dem „sonntag“ und anderen Apps nicht einfach nur neue Produkte heraus, sondern hat jetzt in Hannover auch den ersten Media Store eröffnet. Dort kann man auch gleich die Tablet-Computer kaufen und bekommt erklärt, wie die überhaupt funktionieren. Was halten Sie denn von diesem Ansatz?

Das ist ein wirklich neues Konzept. Bisher sind Menschen, die ohnehin technikaffin sind, die Erstnutzer von Tablet-Computern. Sie sind aber Multiplikatoren, andere schauen ihnen über die Schulter und sind begeistert von den Möglichkeiten des iPads und anderer Geräte. Wer also damit in Berührung kommt, tut das meist, weil er es irgendwo gesehen hat. Von daher ist es der schlüssige Weg, die möglichen Nutzer direkt anzusprechen. Außerdem haben wir bei unserer Studie festgestellt, dass Menschen, die noch nie ein iPad in der Hand hatten, anfangs einige Unsicherheiten im Umgang damit zeigen. Mit dem Media Store verfolgt Madsack also die genau richtige Linie, einen realweltlichen Kontakt herzustellen und dort zu erklären, wie das Tablet funktioniert. Damit schafft man ein breiteres Bewusstsein für diese Geräte und bietet unerfahrenen Nutzern die Möglichkeit, unkompliziert den Umgang mit den Tablets zu lernen.

Welche Bedeutung hat der Tablet-Markt in ein paar Jahren für die Zeitungsverlage?

Soweit man heute sagen kann, ist die Option, digital zu publizieren, für die Verlage substanziell. Das iPad wird auch von jungen Menschen zum Lesen genutzt, das ist also wirklich eine Absatzmöglichkeit für die Verlage. Vorausgesetzt, die Produkte für diese neuen Geräte sind gut gemacht.

Uwe Kreuzer

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