22°/ 9° heiter

Navigation:
Hinweis nicht mehr anzeigen
Mehr aus Garbsen

Rückblick: Garbsen 2002 bis 2012 3000 neue Arbeitsplätze und eine Universität

Zweimal grüne Wiese, einmal Verfall: Bei drei großen Themen, die die Garbsener in den vergangenen Jahren bewegt haben, hat sich bis heute nichts Sichtbares getan.

Garbsen 52.43615 9.604972
Garbsen Mehr Infos

Derzeit Garbsens Aushängeschild: Das 2004 eröffnete Produktionstechnische Zentrum (PZH) ist der erste Baustein des künftigen Maschinenbau-Campus, der von Hannover nach Garbsen umsiedeln wird.

Quelle: Christian Burkert

Garbsen. 10 Jahre neue Leine-Zeitung: Aus diesem Anlass blicken wir in die Vergangenheit und Zukunft der Städte im Westen der Region Hannover. Sven Sokoll blickt auf die Entwicklung in Garbsen.

Für Neue Mitte und Maschinenbau-Campus sind noch immer keine Bagger angerollt, und die Durststrecke des Planetencenters hält an. Die letzten Monate haben alle diese Projekte zwar wieder auf eine Spur mit recht positiven Aussichten gesetzt, doch noch bleibt alles Zukunftsmusik.

Voran ist es in Garbsen in der vergangenen Dekade dennoch gegangen. Die Stadt ist auf ihrem Weg weiter gekommen, mehr Arbeitsplätze zu bieten. Paradebeispiel ist der Online-Dienstleister Netrada mit seinem zeitweise rasanten Wachstum. Im Gewerbegebiet am Heinrich-Nordhoff-Ring herrschte erst Flaute, dann erlebte die Stadt einen spektakulären Reinfall mit deutsch-russischen Geschäftsleuten, die das ganz große Ding versprachen. Schließlich aber setzte eine mehr als solide Entwicklung ein: Die Wirtschaftsförderung holte die Technologiefirmen Sonepar und W.H. Müller nach Garbsen, auch B+D Laserworking baute im Gewerbegebiet neu. Ebenso wie Sonepar hat B+D gerade noch erweitert. Das Fachmarktzentrum an der B6 hat manche schwierige Phase erlebt, etwa die Pleiten von Astroh-Küchen und Chalet-Möbel, mit Zugängen wie Kibek und Roller aber auch große Schritte nach vorn gemacht. Insgesamt hatte Garbsen Ende 2002 rund 11800 Arbeitsplätze zu bieten, 2011 sind es dann schon 14800 gewesen.

Über diese Entwicklung freut sich der Stadtkämmerer, der damals wie heute Heinz Landers heißt: Die wachsende Wirtschaft beschert der Stadt auch höhere Einnahmen. Das hat ihr dabei geholfen, ihre Schulden in dem Zeitraum erheblich abzubauen: Waren es Ende 2002 noch mehr als 41 Millionen Euro, steht Garbsen heute nur noch mit 17 Millionen Euro in der Kreide. Neues Selbstbewusstsein hat Garbsen auch der wachsende Universitätsstandort gegeben.

2004 eröffnete das Produktionstechnische Zentrum, ein einzigartiges Miteinander von sechs Universitätsinstituten und ausgegründeten Firmen. Seitdem war eigentlich klar, dass irgendwann auch der Rest der Maschinenbaufakultät nach Garbsen kommen würde - mittlerweile hat die Landesregierung das bestätigt.

Unter dem Eindruck dieser Entwicklung hat der Freundeskreis Garbsen seinen Ehrenring gestiftet, dessen Verleihungen seit 2004 regelmäßig viel Glanz auf Garbsen geworfen haben. Höhepunkt war, als sich zur Feier für VW-Chef Martin Winterkorn im Jahr 2009 sogar Ferdinand Piëch nach Garbsen aufmachte.

Vom Promifaktor her wurde das nur noch vom gemeinsamen Dinner getoppt, zu dem sich Kanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Dmitri Medwedew 2011 im Landhaus am See trafen. Ehren hat die Stadt aber auch eigenen Bürgern angetragen: Altbürgermeister Karl-Heinz Strehlke, Professor Heinz Haferkamp und Unternehmer Robert Hesse ernannte der Rat zu den ersten Garbsener Ehrenbürgern.

Politisch erlebte Garbsen das Ende der Ära von Bürgermeister Wolfgang Galler, der sich 2006 nach 20 Jahren in den Ruhestand verabschiedete. Um seine Nachfolge stritten vor allem Stadtbaurat Alexander Heuer (SPD) und Hartmut Büttner, den die CDU aus dem Bundestag zurück nach Garbsen geholt hatte. Heuer setzte sich in der Stichwahl äußert knapp durch. Im Rat formierte sich die bis heute aktive Allianz aus CDU, FDP und Grünen, die gegen Heuer und die SPD eine Mehrheit bilden konnte und das auch ausnutzte. Vor allem in der ersten Zeit nach der Wahl 2006 führte das zu einer harten Konfrontation zwischen den Fraktionen. Mittlerweile überwiegen wieder die sachlichen Töne.

Bildung und Betreuung haben in Garbsen wie überall in den vergangenen Jahren stark im Fokus gestanden. 2004 wurden die Orientierungsstufen abgeschafft, die Nacharbeiten sind bis heute noch nicht ganz abgeschlossen. Die Eröffnung der neuen Stadtbibliothek in der Stadtmitte hatte erst ermöglicht, die Büchereien in den Schulzentren in Berenbostel und am Planetenring zu schließen.

Mittlerweile können die Berenbosteler Schüler schon in einer neuen Mensa essen, während im Johannes-Kepler-Gymnasium erst jetzt die Umbauten beginnen, nach denen alle Gymnasiasten unter einem Dach lernen sollen. Dank des Ganztagschulprogramms war nebenan aber schon vorher ein neuer Aula-Mensa-Bau entstanden, der nicht nur das Schulleben, sondern auch das Kulturleben der ganzen Stadt bereichert hat.

In Sachen Krippenplätze ist Garbsen spät aus den Startlöchern gekommen und muss anderen Regionskommunen auf dem Weg zum Rechtsanspruch ab Sommer 2013 jetzt hinterhereilen. Allerdings sind in den vergangenen zehn Jahren nebenher auch noch zahlreiche neue Hortgruppen entstanden.

Viel getan, wenn auch noch nicht genug, hat sich im Stadtteil Auf der Horst, der seit 2006 über das Programm Soziale Stadt saniert wird. Die öffentlichen Bemühungen trafen mit dem Engagement der Wohnungsfirma Semmelhaack zusammen, die ihren Teil der Wohnblöcke modernisiert hat. Der andere große Wohnungsbestand hat Nachholbedarf, ist indes erst vor wenigen Wochen nach einigen Jahren von Finanzinvestoren von der hannoverschen Unternehmensgruppe Baum übernommen worden.

Auch weite Teile des Berenbosteler Kronsbergs leiden noch darunter, dass sich ihre Eigentümer nicht recht kümmern. Für den immer wieder bedrohten sozialen Frieden hat dort in den vergangenen Jahren das ökumenische Neuland-Projekt viel Pionierarbeit geleistet. Die Stadt hofft, dass auch dieses Quartier im nächsten Jahr Geld aus dem Soziale-Stadt-Programm bekommen wird.

Voriger Artikel Voriger Artikel
Mehr zum Artikel
Ausblick: Garbsen 2022
Noch ein Entwurf: Zwischen PZH und dem Ortsrand von Garbsen-Mitte entsteht in den nächsten Jahren der Maschinenbau-Campus der Uni.

Nur wenige Tage voneinander getrennt haben im März zwei Nachrichten Garbsen erreicht, die die Entwicklung der nächsten zehn Jahre erheblich beeinflussen dürften.

mehr

So bekommen Sie die Leine-Zeitung

Die Leine-Zeitung

Wenn Sie die Leine-Zeitung zusammen mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung oder der Neuen Presse abonnieren möchten, finden Sie hier aktuelle Abo-Angebote. Sie erhalten die Leine-Zeitung auch, wenn Sie die HAZ oder die NP in Garbsen, Neustadt am Rübenberge, Wunstorf oder Seelze am Kiosk kaufen. Oder Sie lesen das E-Paper auf dem PC oder auf dem iPad.