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Rückblick: Neustadt 2002 bis 2012 Stadtmarketing bringt Neustadt voran

10 Jahre neue Leine-Zeitung: Aus diesem Anlass blicken wir in die Vergangenheit und Zukunft der Städte im Westen der Region Hannover. Dirk von Werder beschäftigt sich mit der Entwicklung in Neustadt am Rübenberge.

Neustadt am Rübenberge 52.503585 9.45183
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Das Stadtmarketing hat viel bewegt, beispielsweise die indirekte Beleuchtung in der Fußgängerzone.

Quelle: Carola Faber

Neustadt. Vor zehn Jahren - da war doch...? Richtig: Gerhard Schröder Bundeskanzler, Johannes Rau der Präsident - und Deutschland unter dem Nationaltrainer Rudi Völler in Südkorea Vizeweltmeister der Fußballer geworden. So richtig weiß noch immer keiner, warum.

Völler, Schröder, auch Rau - kennt man noch, auch in Neustadt. Aber, wie wärs mit Dieter Häseler? Der war vor zehn Jahren Stadtdirektor; Verwaltungschef. Neben sich als ehrenamtliche Bürgermeisterin die SPD-Politikerin Karin Kirchmann. Im Februar 2004 wählt der Rat der Stadt Häseler ab. Er ist der letzte Stadtdirektor in der Geschichte Neustadts, Kirchmann die letzte ehrenamtliche Bürgermeisterin. Mit der Abwahl Häselers, dem die große Mehrheit der Ratsmitglieder nicht mehr zutraut, Neustadt auf erfolgreichen Kurs zu bringen, endet die Zweiteilung in der städtischen Führung. Im Juli 2004 wählt Neustadt einen hauptamtlichen Bürgermeister.

Die Wahl hat es in sich: CDU, SPD und FDP verständigen sich auf eine Finanzexpertin, die sie in Halle an der Saale gefunden haben, und die sie den Neustädtern als gemeinsame Kandidatin stimmgerecht servieren. Wer mag da an der Wahl zweifeln? Doch plötzlich gibt es zehn Bewerber - Neustädter, quer durch alle Berufe und Altersgruppen. Und gewählt wird ein Grüner - Uwe Sternbeck; hauchdünn.

Sternbeck ist noch immer Stadtoberhaupt; vor einem Jahr von 66 Prozent der wählenden Neustädter im Amt bestätigt. Ist so Vieles besser geworden seit 2004?

Häseler war an einer Verwaltungsreform gescheitert, an Neustadts Kassenlage und an etlichen Projekten, die unter ihm als Chef nicht wirklich vorangebracht wurden; zum Beispiel das Verkehrskonzept in der Innenstadt. Pläne dümpelten seit etlichen Jahren vor sich hin, und das einzige, was die Stadt in dieser Richtung tatsächlich gebaut hatte, war ein Bahnhofstunnel, der Probleme bereitete: Kosten überzogen, Verantwortungen nicht geregelt. Jahrelang stritten Stadt, Bahn und Unternehmen vor Gerichten dieser Republik.

Neustadt seitdem? Es dauerte, bis sich Rat und Verwaltung an die neuen Regeln gewöhnten - ein Bürgermeister als Verwaltungschef, der sich für seine Politik eine Mehrheit in der Bürgervertretung suchen muss. Das gelang nicht immer. CDU und FDP hatten mit der Niederlage von 2004 größere Probleme als die SPD, die sich allmählich Sternbeck annäherte. Die Christdemokraten, bis dato immer die selbsternannten Hüter städtischer Finanzen, drehten ab Sommer 2008 plötzlich auf. Eine Gruppe von mehr als 80 Kernstädtern, die im August gemeinsam der Partei beitrat, hatte genaue Vorstellungen, was für das Zentrum notwendig sei.

Sparsamkeit? War gestern. Jetzt wurde sogar zurückgenommen, was die Partei und ihre Ratsfraktion in den Jahren zuvor durchgesetzt hatte, um den städtischen Etat zu entlasten. Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung? Bringt nichts. Parkgebühren in der Innenstadt? Verzichtbar.

Ein hehres Ziel stand im politischen Raum: Neustadt soll die lebenswerteste Stadt der Region werden. Spötter sagten, koste es, was es wolle.

Die Stadt wurde lebenswerter, aber den einst angestrebten Superlativ mag auch kein Christdemokrat mehr aussprechen. Stück für Stück hat sich einiges getan, wurde als jüngstes Beispiel in einer Gemeinschaftsaktion von Stadtmarketingverein, Kaufmannschaft, Rat und Verwaltung der Bereich zwischen Schloss und Innenstadt schick gemacht.

Das Gewerbegebiet bietet viel - vor allem Einkaufsmöglichkeiten, die von den Neustädtern genutzt werden. Die Baugebiete im Westen des Zentrums sind in einer nie für möglich gehaltenen Geschwindigkeit erschlossen und bebaut worden. Kirche und Stadt haben eine Begegnungsstätte für Generationen geschaffen, zahlreiche neue Angebote außerdem für berufstätige Eltern mit Kleinkindern.

Und doch: Vieles blieb unerledigt, was 2002 als Zielvorgabe galt: das Verkehrskonzept in der Innenstadt zum Beispiel. Oder die Infrastrukturprobleme in den Dörfern, die zunehmen, gegen die schwer anzugehen ist. Auch sie waren 2002 längst erkennbar.

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