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Glaubenskrieg um einen Kirchenbau
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Rückblick: Wunstorf 2002 bis 2012 Glaubenskrieg um einen Kirchenbau

In Wunstorf ist in den vergangenen zehn Jahren viel Geld investiert worden: In Gewerbegebiete, Firmenansiedlungen und auch den Fliegerhorst.

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Heiß diskutiert: Da der Kirchenkreis größer wurde und die Verwaltung in Wunstorf mehr Platz benötigte, sollte ein moderner Anbau her. Kritiker fürchteten um die Aussicht auf den Stiftshügel mit seinen historischen Gebäuden.

Quelle: Frank Oheim

Wunstorf. 10 Jahre neue Leine-Zeitung: Aus diesem Anlass blicken wir in die Vergangenheit und Zukunft der Städte im Westen der Region Hannover. Albert Tugendheim analysiert, was sich in Wunstorf getan hat.

Die Leine-Zeitung war gerade zum zweiten Mal in ihrem neuen frischen Stil erschienen, als sie unter der Überschrift „Brache erwacht zu neuem Leben“ über das ehemalige Gelände des Zementwerkes südlich des Bahnhofes berichtete. Dort sollten Unternehmen ansiedeln, erste Baugenehmigungen wurden vorbereitet und Kommentator Bernd Riedel freute sich: Endlich geht es los. Zehn Jahre später ist zu besichtigen, dass viel losgegangen ist. Zwar ist die damals avisierte Diskothek nie gebaut worden, aber Fitnessstudio, Fachmärkte, Bowlingbahn, Autohandel und Bürogebäude sind entstanden und ziehen Leben auf das Gelände, das zuvor 14 Jahre brach gelegen hatte.

Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Anlass, über Ansiedlungen von Gewerbe zu berichtet. Geradezu spektakulär war vor zwei Jahren der Bau der ersten Halle des Unternehmens Syncreon im Gewerbegebiet Süd. In Rekordzeit wurde dort eine Logistikhalle modernster Prägung aus dem Boden gestampft. Ein Foto aus dem Inneren der Halle ist nie erschienen, das verbietet das Unternehmen. Die Macher wollen nicht, dass die Konkurrenz ihnen in die Karten schaut. Der Kampf um die Gunst des Automobilriesen Audi ist hart. Für Audi werden von Wunstorf aus (inzwischen aus zwei Hallen) Autoteile nach Fernost verschickt. Auch auf dem Gelände nahe des Funkturm ist ein kleines Gewerbegebiet entstanden. Inzwischen sind Gewerbefläche kleineren Zuschnittes knapp geworden.

Gebaut wurde aber auch am südlichen Rande der Kernstadt reichlich, die Stadtplanung geht bei der Ausweisung neuer Gewerbegebiete umsichtig vor. Es wird nicht hier und dort ungeregelt Bauland ausgewiesen. Dass Planer und Politiker damit richtig liegen, zeigt sich: Die Grundstücke im Süden finden leicht Käufer und das, obwohl in den vergangenen Jahren der Trend zu beobachten ist, dass es Unternehmen wieder in die Großstadt zieht. Die zuletzt ausgewiesenen Baugebiete in den Ortsteilen, sind weniger begehrt und schwieriger zu vermarkten.

Bauprojekte haben in den vergangenen Jahren aber gelegentlich für heftigen Streit in der Stadt gesorgt. Die evangelische Kirche war daran ursächlich beteiligt. Weil die Verwaltungen mehrerer Kirchenkreise aus Gründen der Kostenersparnis zusammengelegt wurden, musste für die Zentralverwaltung - sie wurde nach Wunstorf gelegt - mehr Büroraum geschaffen werden. Die Kirche entschloss sich zu einem modernen Anbau an das historische Haus am Stift. Sie entfachte damit fast einen Glaubenskrieg um die Frage, wie eng und wo darf Alt neben Neu stehen. Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt und die neuen Mitarbeiter in ihrem Bau längst gut untergebracht.

Ganz viel Aufregung und viel Berichtsstoff in der Leine-Zeitung gab es in den vergangenen Jahren in der Schulpolitik. Im Fokus dabei stand vor allem das Schulzentrum an der Aue und das Gymnasium in Steinhude. Das Gymnasium wurde zu Schuljahresbeginn 2007 eröffnet und leistet gute Arbeit. Grund für die Eröffnung waren der hohen Schülerzahlen am Hölty-Gymnasium.

Als wenig später die Landesregierung wieder die Zulassung von integrierten Gesamtschulen (IGS) erlaubte, machten die Wunstorfer Eltern mächtig Druck: Sie wollten eine IGS. Die CDU war zunächst dagegen - bis die evangelische Landeskirche ins Spiel kam und sich als Träger der IGS anbot - mit dem Versprechen noch viel bessere Lernbedingungen als an staatlichen Schulen zu schaffen. Seit zwei Jahren gibt es die IGS, seit einem Jahr ist sie in kirchlicher Trägerschaft. In Steinhude geht seither die Angst um, dass es mit dem neuen Gymnasium schon bald wieder vorbei sein könnte - sinkende Schülerzahlen machen eine weiterführende Schule auf Dauer überflüssig.

Ganz und gar nicht überflüssig: der Fliegerhorst Wunstorf. Er hat sich in den vergangenen Jahren in eine Mega-Baustelle verwandelt. Mehr als 400 Millionen Euro werden verbaut, um den Platz tauglich zu machen für das Nachfolgemodell der Transall. Der Airbus A400M hat vor einigen Wochen erstmals den Boden seines künftigen Standortes berührt. Ein Ereignis, über das nicht nur die Leine-Zeitung berichtete, sondern das europaweit Beachtung fand.

Zumindest im gesamten norddeutschen Raum erregte ein Streit die Gemüter, der sich um die Hinterlassenschaften früherer industrieller Produktion aus Wunstorf drehte: Die Asbesthalde an der Adolf-Oesterheld-Straße in Luthe. Der große mit Buschwerk und Bäumen bewachsene Hügel sollte weg, eine große Wunstorfer Spedition benötigt den Platz. Aber daraus wurde nichts. Hannover-Lahe, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern: Niemand wollte den Rest der früheren Fulguritproduktion, überall stellten sich Bürgerinitiativen quer. Nun muss die Halde dort gesichert werden, wo sie liegt, in Luthe.

In einer anderen Angelegenheit hat das Querstellen nichts genutzt: Die Umweltverbände NABU und BUND scheiterten mit dem Versuch, die Erweiterung der Abraumhalde von K+S in Bokeloh zu verhindern. Zum Glück für die mehr als 700 Beschäftigten des Salzbergwerkes, sie haben zumindest für die nächsten Jahre ihre Jobs sicher. Ob das noch so ist, wenn die neue Leine-Zeitung 20 Jahre wird, ist fraglich. Das Salzvorkommen reicht nicht mehr so lange. Nachrichten aus Wunstorf werden nicht so schnell versiegen wie das Salz.

Natürlich war auch das Steinhuder Meer immer wieder Gegenstand von Berichten in den vergangenen zehn Jahren. In der Tourismuspolitik hat sich etwas getan, die Steinhuder Meer Tourismus Gesellschaft kümmert sich um Werbung und Vermarktung. Und das nicht auf Steinhude begrenzt. Genauso wachsen sie Anrainergemeinden auf diesem Gebiet zusammen.

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HAZ-Redakteur/in Albert Tugendheim