In Fredersloh können Besucher den Töpfern bei der Arbeit zuschauen, wie hier Janne und Johannes Klett-Drechsel.
Schon im 13. Jahrhundert war Steinzeug aus dem Fredelsloher Raum buchstäblich in allen Händen. Belegfunde gibt es in vielen Hansestädten und im gesamten Ostseeraum. Zeitgleich galt der Ort als Zeichen kirchlicher Macht: Der Mainzer Erzbischof setzte mit der Gründung eines Stifts einen Gegenpol zu den Bistümern Paderborn im Westen und Hildesheim im Norden. In seinem Schutz ließen sich Bauern und Handwerker nieder. Die Töpfer fanden ihr Material in der nächsten Umgebung: Tonkuhlen, Wasser und Holz für den Brand.
Wer heute nach Fredelsloh kommt, kann den Töpfern immer noch über die Schulter schauen. Zum Beispiel Johannes Klett-Drechsel und Tochter Janne, die auch an Wochenenden nachmittags an ihrem Arbeitsplatz im Obergeschoss der 90 Jahre alten kleinen Fabrik anzutreffen sind. Früher wurden hier Ziegelsteine und Blumentöpfe gebrannt; heute entstehen unter geschickten Händen Geschirr und Vasen, Kunstobjekte und Kachelofenteile. Neuerdings widmet sich der Experte dem Brand nach mittelalterlichen Vorbildern in einem Töpferofen aus dem 14. Jahrhundert. Die Brennstelle ist inzwischen auf dem Hof des künftigen „Keramik.um“ nachgebaut worden. In einem alten Töpferhaus sollen vom kommenden Jahr an Lokal- und Handwerksgeschichte mit Kunst und Aktionen verwoben werden.
Einen Vorgeschmack will ein Mittelalterbrand vom 14. bis 18. Juli bieten, bei dem Steinzeug nach alter Art entsteht. Am ersten Tag wird der Ofen bestückt, der insgesamt 40 Stunden in Betrieb sein muss. Spielt das Wetter mit (weil der Wind nicht auf den Schornstein drücken darf), kann am Sonntag die Töpferware entnommen werden.
In Fredelsloh sind neben mehreren Töpfern, die sich unterschiedlichen Stilrichtungen verschrieben haben, auch Kerzenformerin, Korbmacher, Blaudrucker und Schmuckdesigner zu finden. Es gibt einen Antiquitätenhändler und eine Nostalgiescheune, deren Besitzer sich auch auf die Reparatur von Pendeluhren versteht. Welche der Kunsthandwerker an welchem Wochenende geöffnet haben, kann man bei der Tourist-Information, Deichstraße 2, Telefon (0 55 55) 3 05, www.toepferdorf-fredelsloh.de, erfahren. Dort sind Terminkalender, Ortsplan und ein Faltblatt mit Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten erhältlich.
Neu konzipiert wurde ein Wandervorschlag, mit dem sich ein Aufenthalt um kleine Touren zwischen vier und neun Kilometern ergänzen lässt. Dann kann der Rundgang durchs Dorf, der an der Stiftskirche St. Blasii und Mariae, dem Kapellenbrunnen und dem Töpferdenkmal „Schorse“ vorbeiführt, mit einem Ausflug in die Umgebung verbunden werden. Sehr reizvoll ist die nur eineinhalb Stunden dauernde Heinberg-Route zum Naturdenkmal „Dicke Eiche“ und auf den höchsten Punkt mit einem schönen Blick auf den Solling – bei gutem Wetter bis zum Harz.
| Öffentliche Verkehrsmittel | an Werktagen mit der Bahn bis Northeim und weiter mit den Linienbussen 225 und 222 über Moringen nach Fredelsloh. An Wochenenden ist die Anreise nur sehr eingeschränkt möglich. |
| Mit dem Auto | über die A 7 (Abfahrt Northeim-West), die B 241 bis Moringen, dort rechts abbiegen in Richtung Dassel/Fredelsloh. |
Bernd Althammer
Kommentare
Kultur und Shopping Werner Hartung – 14.07.10
Ich kenne Fredelsloh schon seit den 80´gern. Kultur und Shopping kann man dort wohl immer noch gut verbinden. Den Mittelalterbrand wollen wir uns nicht entgehen lassen. Hoffentlich spielt das Wetter mit. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenTöpferdorf Fredelsloh Ulrike Ramberg – 14.07.10
wir waren letzten Samstag in Fredelsloh! Immer eine Reise wert! Es gibt eine Menge zu bestaunen, und in der malerischen Umgebung läßt es sich bei einem kühlen Bier im Café auch gut aushalten. Jedenfalls haben wir jetzt einiges an neuem Geschirr und der neue alte Regulator vom Glockenborn tickt auch in Hannover richtig. In Fredelsloh waren wir jedenfalls nicht zum letzten Mal. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben