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„Busch ist ein Steinbruch“

Menschen im Museum „Busch ist ein Steinbruch“

Für die Kunsthistorikerin Ruth Brunngraber-Malottke ist Wilhelm Busch zum Lebenswerk geworden.

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„Wer Busch heißt, muss auch Busch zeigen“: Ruth Brunngraber-Malottke in den Katakomben, wo das Museum teils Jahrhunderte alte Werke aufbewahrt.

Quelle: Nico Herzog

Eigentlich wollte Ruth Brunngraber-Malottke Archäologin werden. Und eigentlich wollte die gebürtige Hannoveranerin nach ihrem Studium der Kunstgeschichte und klassischen Archäologie in Göttingen und München nicht wieder nach Hannover zurück. Doch alles kam anders. Als sie 1982 gefragt wurde, ob sie im Wilhelm-Busch-Museum Führungen durch eine Ausstellung mit Handzeichnungen des Namenspatrons machen wollte, sagte sie zu – ohne zu ahnen, dass das Busch-Werk zu ihrem beruflichen Lebenswerk werden sollte.

Dass es dann zweifellos so kam, merkt man heute noch in jeder Sekunde, in der die 55-Jährige über Wilhelm Busch spricht. Es ist eine Mischung aus jahrzehntelanger Erfahrung, der daraus resultierenden tiefen Kenntnis und einer nicht versiegenden Begeisterung über das, was das malende, zeichnende, schreibende, dichtende Multitalent aus Wiedensahl immer noch an Unentdecktem zu bieten hat. „Busch ist ein Steinbruch“, sagt Brunngraber-Malottke – obwohl sie es doch eigentlich ist, die diesen Steinbruch in den vergangenen 25 Jahren aufgeräumt hat. Doch sie meint es anders: „Es gibt noch so vieles, was man von Busch zeigen und erforschen kann.“ Schließlich gehe das Schaffen des Künstlers weit über das hinaus, was man gemeinhin als erstes mit ihm verbinde: Max und Moritz und ihre Lausbubenstreiche.
Wer einen anderen Busch erleben will, dessen Gesamtwerk sich im Übrigen mehr an Erwachsene als an Kinder richtet, findet ihn in der ständigen Ausstellung in den oberen Etagen oder in der sogenannten Ensmann-Galerie im Erdgeschoss, und er findet ihn als Naturbeobachter und als detailverliebten Insektenzeichner. Ein bisschen Busch ist eben immer im Busch-Museum, oder wie die Expertin sagt: „Wer Busch-Museum heißt, muss auch Busch zeigen.“

All das, was nicht zu sehen ist, lagert in den Katakomben des Museums. In grauen Metallschränken in schmucklosen, neonbeleuchteten Depoträumen werden neben vielen anderen wertvollen, teils Jahrhunderte alten Blättern auch die Arbeiten des Künstlers gehortet, vom Gemälde bis zur Kladde, in denen Busch auf seinen Spaziergängen Ideen festhielt. Wenn Brunngraber-Malottke solche Schätze in den Händen hält, wirkt sie immer noch völlig fasziniert von der „beeindruckenden Komplexität des Künstlers“.

Andererseits kann sie sich genau so impulsiv aufregen – über schlechte Fälschungen. Von denen gibt es immer wieder welche. „Viele sind so tumb gemalt“, schimpft sie, als ob es der Ehre geböte, einen Künstler wie Busch wenigstens ordentlich zu fälschen. Es nützt allerdings nichts: Bei guten Fälschungen („viele sind noch nicht enttarnt“) ist Brunngraber-Malottke die letzte Instanz – und entlarvt jede Kopie. In all den Jahren hat sich ihr Blick für Busch so gefestigt, dass an ihr nach eigener Einschätzung keine Fälschung mehr vorbeikommt. Wenn es nach ihr ginge, auch kein echter Busch.

Und doch glaubte sie vor anderthalb Jahren zunächst an eine weitere Betrügerei, als sie von zehn Bleistiftzeichnungen erfuhr, die im Archiv eines Verlages in der oberpfälzischen Stadt Sulzbach-Rosenberg entdeckt worden waren. Doch als sie die Bildergeschichte „Der Kuchenteig“ vor Ort in Augenschein nahm, „wusste ich sofort: Die ist echt.“ Und damit eine Sensation, mit der nicht mal die Expertin gerechnet hatte: eine vollständige Bildergeschichte, wie eine Vorstudie zum sechsten Streich von Max und Moritz, die 145 Jahre unentdeckt geblieben war. „Da hatte ich wirklich Herzklopfen.“

Ein bisschen Busch schlummert auch in der Kunsthistorikerin, die trotz einer Halbtagsstelle zusätzlich noch die Pressearbeit für das Museum macht: Auch Ruth Brunngraber-Malottke beobachtet privat gern die Natur – und auch sie zeichnet.

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