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Der Rote Franz und andere Mumien Der Schatz von Lengerich

Museumsnachbarn Der Schatz von Lengerich

Eigentlich hatte der Arbeiter nur Steine für den Bau der Straße von Freren nach Lengerich im Emsland gesucht.

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Goldene Zwiebelknopffibel: Oberkustodin Babette Ludowicei zeigt das wichtigste Stück aus dem "Schatz von Lengerich".

Quelle: Martin Steiner

Doch als er daranging, einen Findling zu Schotter zu machen, stieß er darunter auf eine Unmenge römischer Silbermünzen, bedeckt von einer Bronzeschale. Aufgeregt drehte der Mann zwei weitere Steine in der Nähe um – und wurde prompt auch dort fündig. Sein „Schatzfund von Lengerich“ aus dem Jahr 1847 ging in die Geschichte der niedersächsischen Archäologie ein.

Ehe ein aufmerksamer Pastor die antiken Kostbarkeiten sicherte, hatte der unbedarfte Finder bereits viele der mehr als 1100 Münzen verhökert oder verbummelt und einen kostbaren goldenen Halsschmuck sogar zum Einschmelzen gegeben. Dennoch ist das, was davon heute im Landesmuseum zu sehen ist, ganz in der Nähe des Roten Franz, beeindruckend: „Dieser Schatz ist eines unserer Highlights“, sagt Oberkustodin Babette Ludowici.

Zwei goldene Arm- und mehrere Fingerringe gehören dazu, verschiedene Münzen sowie filigran verzierte Anhängerchen. Im Landesmuseum sind zeitweise nur Repliken zu sehen, weil die Originale international als Leihgaben begehrt sind: Allein im vergangenen Jahr waren sie bei Präsentationen im Palazzo Grassi in Venedig und in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn zu sehen, dann ging es weiter zur großen „Varusschlacht“-Ausstellung nach Kalkriese.

Das wohl wichtigste Stück des Schatzes ist eine Fibel mit zwiebelförmigen Knöpfen. Aus einer Inschrift geht hervor, dass ein „Romanus“ das kunstvolle Stück einst hergestellt hat. Das Tragen solcher Fibeln war hohen römischen Militärs oder Beamten vorbehalten: „Sie gehörte wahrscheinlich einem Mann, der in der römischen Armee Karriere gemacht hat“, sagt Ludowici.

Zur römischen Kaiserzeit suchten Germanen dort ihr Glück als Söldner. Später brachten sie nicht nur den römischen „Way of Life“ mit in ihre Heimat, sondern auch wertvolle Artefakte. Der Schatz von Lengerich wurde um 350 n. Chr. verborgen – vielleicht wollte der Besitzer ihn vor Dieben verstecken, vielleicht war er als Opfer für die Götter gedacht. Sicher ist nur, dass der Besitzer ihn nie wieder gehoben hat.

Einen Romanautor könnte der Fund zu einem Historienschmöker inspirieren, in dem ein junger Germane in Rom Karriere macht, wohlhabend und hochdekoriert in seine Heimat zurückkehrt – und ermordet wird. Vielleicht mit einem Kehlenschnitt wie der Rote Franz, der ja immerhin auch im Emsland etwa zur selben Zeit lebte ...

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