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Menschen im Museum

Monika Lehmann: „Er ist mir ans Herz gewachsen“

Von Simon Benne

Monika Lehmann begleitete den Roten Franz auf seiner Welttournee.

Wenn sie über den Roten Franz spricht, liegt eine gewisse Wärme in ihrer Stimme: „Er ist mir richtig ans Herz gewachsen“, sagt Monika Lehmann ohne Ironie. Schließlich waren beide gemeinsam auf Dienstreise, haben zusammen mehr Kilometer zurückgelegt als manches alte Ehepaar. Mit der Ausstellung „Der Tempel im Moor“ ging der Rote Franz 2002 auf eine Art Welttournee. Etwa 1700 Jahre, nachdem er seine letzte Reise angetreten hatte, führte ihn sein Weg nach Los Angeles und Ottawa, nach Calgary, Manchester und ins niederländische Assen. Und die archäologische Restauratorin war immer dabei, sechs Jahre lang.

„Es war ein Privileg, mit ihm unterwegs sein zu dürfen“, sagt Lehmann. „Über ihn habe ich Freundschaften mit Kollegen in der ganzen Welt geschlossen.“ In jedem Land, sagt sie, gingen Menschen anders damit um, wenn Tote präsentiert werden: Während die Ausstellung in den USA mit Schockeffekten vermarktet wurde, gab es in Kanada oft Diskussionen darüber, ob man Leichen überhaupt ausstellen darf: „Dort herrschte in den Räumen eine größere Stille als in Europa“, sagt sie. Im kanadischen Gatineau führte ein Kurator, selbst Micmac-Indianer, mit Gebeten und Kräuterrauch sogar eine Art Reinigungszeremonie über den Moorleichen durch.

An allen Stationen war Lehmann beim Auf- und Abbauen der Ausstellungen dabei. Sie kontrollierte das Klima in Franzens Transportkiste, und sie war es auch, die ihn in die Vitrinen hob: „Er ist so leicht, dass man sich immer wieder wundert“, sagt sie. Der Rote Franz entspricht so gar nicht dem Klischee vom kräftigen Germanenkrieger. Am liebsten bettete die Restauratorin ihn ohne fremde Hilfe um: „Ich weiß genau, wo ich beim Anheben den Kopf unterstützen muss“, sagt sie.

Inzwischen arbeitet Lehmann beim Landesamt für Denkmalpflege, wo sie sich unter anderem um „Moora“ kümmert, die 2002 bei Uchte entdeckte Moorleiche. „Sie ist ebenso interessant, doch der Rote Franz ist mir über die Jahre viel vertrauter geworden“, sagt sie. Tatsächlich kennt sie alle seine Schwachstellen: „Die Haare zum Beispiel sind nur noch lose mit der Kopfhaut verbunden.“ Vor Reisebeginn hatte sie seine teils wackeligen Zähne mit Kleber fixiert. Einer anderen Moorleiche, dem „Mädchen von Yde“, war der letzte verbliebene Zahn auf einer Reise ausgefallen: „Zu allem Unglück hatte sie ihn auch noch gewissermaßen verschluckt“, sagt Lehmann. Als die Restauratorin 1983 ins Landesmuseum kam, waren Haut und Knochen des Roten Franz mit Drähten und Eisendübeln zusammengehalten worden. Sein vom Moor rot gefärbtes Haar war im lichtdurchfluteten Raum so ausgebleicht, dass sich die Herkunft seines Namens kaum noch erschloss: „Heute sind wir da konservatorisch weiter“, sagt sie.

Ganz ohne Bruch ging es allerdings auch bei der Welttournee des Roten Franz nicht ab. Der „Datenlogger“ in seiner klimatisierten Transportkiste verzeichnete bei einer unsanften Landung in Pittsburgh am 20. Mai 2005 eine Erschütterung. Anschließend war ein Stück von seinem Ellenbogen abgebrochen. Monika Lehmann reparierte den Schaden: „Ich war da für ihn auch eine Art Krankenschwester“, sagt sie lächelnd. Ein andermal war dem Roten Franz der fragile Penis abgefallen. Sie klebte ihn nach der Heimkehr in Hannover mit Spezialkleber wieder an. „Unterwegs wollte ich das nicht machen“, sagt sie. „Das war schließlich eine etwas aufwendigere Operation.“

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