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Die Metallarbeiterin

Menschen im Museum Die Metallarbeiterin

Restauratorin Annabet Röllig pflegt Autos, Waffen – und die königlichen Kutschen.

Draußen mag es Dauerfrost geben oder Hitzewellen, Neuschnee oder Trockenheit. In diesem Raum spielt das alles keine Rolle. Konstant steht das Thermometer hier auf 20 Grad, es herrscht eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 55 Prozent. Wetterkapriolen macht man in der Kutschenhalle des Historischen Museums nicht mit. „Klimasprünge wären Gift“, sagt Restauratorin Annabet Röllig. Besonders kritisch ist es, wenn bei alten Exponaten Materialien mit verschiedenen Ausdehnungskoeffizienten kombiniert sind – wie bei den Kutschen: Diese bestehen aus Lederriemen und Metallapplikationen, aus Federn und Gemäldetafeln. „Und Holz arbeitet – und reißt bei Temperaturschwankungen schnell“, sagt Röllig.

Die 47-Jährige ist Fachfrau für Metall. Im Vorjahr hat sie die alten Gewehre des Museums zerlegt und nach Roststellen abgesucht, regelmäßig reinigt sie den
Hanomag „Garant“, Baujahr 1933. Oft hat sie mit den Dingen zu tun, die für die nächste Ausstellung gebraucht werden: „Wenn Zweiräder gezeigt werden, arbeite ich Mopeds auf, wenn es eine Pferde-Ausstellung gibt, Hufeisen.“

Meist ist sie dabei im Magazin: reinigen, dokumentieren, fotografieren, vermessen, neu verpacken. Die Kutschen sind einmal im Jahr dran: Behutsam werden sie gesäubert, mit Staubsauger, Federbesen und dünnem Pinsel – damit kein Spinnennetz den Glanz verdunkelt. Im größeren Stil musste der „Staatswagen Nr. 1“ zuletzt Anfang der Neunziger ausgebessert werden. Das Prachtstück war zu einer Ausstellung nach Berlin verliehen worden und beschädigt zurückgekehrt.

"Heute legen wir Wert darauf, dass die Spuren der Zeit erkennbar bleiben", sagt die Restauratorin. „Sie gehören zur Geschichte eines Exponats.“ Nach dieser Maxime ist sie auch bei dem kostbaren Sattel aus dem 17. Jahrhundert vorgegangen. Er ist ein Relikt aus jener Zeit, in der Reiten höfische Kunst war, Ross und Reiter eine Symbiose aus Stärke und Geist waren. Dieser kunstvoll bestickte Sattel war ein Präsentierstück. "Doch Leder ist ein organisches Material – er war über die Jahrhunderte ausgetrocknet", sagt Röllig.

Vorsichtig hat sie ihn befeuchtet und wieder in Form gebracht. Die Arbeit zog sich über Monate hin: In einem eigens gebauten Lagerkasten erhöhte sie langsam mit Wasserschälchen die Luftfeuchtigkeit. Mit Holzblöcken, Gewichten und Klemmen gab sie dem Sattel seine alte Gestalt zurück. Dass er alt ist, sieht man dem Sattel in seiner Vitrine schon an. "Aber Restaurieren", sagt Röllig, "heißt ja auch nicht Neumachen."

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