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Fotografische Vorahnung - die Grafiken

Museumsnachbarn Fotografische Vorahnung - die Grafiken

Die visuelle Vervielfältigungsmaschine des Mittelalters war die Radierung. Der Kupferstich kam parallel zum Buchdruck auf – im Zuge der Medienrevolution um 1500

Mit dem Aquatinta-Verfahren konnten ab Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals feine Hell-Dunkel-Abstufungen erzielt werden – durch kontrollierte chemische Ätzung mussten die Grafiker nicht mehr jeden Strich selber zeichnen. Sie ließen die Materialien für sich arbeiten. Das bot eine „Vorahnung fotografischer Verfahren“, sagt Kunsttheoretiker Beat Wyss. Für Künstler waren und sind nicht nur die jeweils aktuellen Verfahren der technischen Reproduktion interessant, sondern auch die historischen.

Wie die meisten Museen verfügt auch das Sprengel Museum über eine umfangreiche Sammlungen von Grafiken unterschiedlichster Techniken. Insgesamt befinden sich rund 40 000 Blätter von Künstlern wie Henri de Toulouse-Lautrec, Pablo Picasso, Henri Matisse, Paul Klee im Haus. Etwa die Hälfte gehört zur Sammlung des Schokoladefabrikanten Bernhard Sprengel, der seine Kunst vor 40 Jahren der Stadt schenkte. Während viele Sammler erst in den sechziger Jahren Grafiken kauften, interessierte sich Sprengel bereits in den fünfziger Jahren für Papierarbeiten. Er war an den Bilderfindungen der Künstler ebenso interessiert wie an der drucktechnischen Qualität und bemühte sich, von Künstlern wie Picasso, Klee oder Max Beckmann vollständige Grafikbestände zu bekommen.

Allein von Picasso finden sich mehr als 100 Papierarbeiten in der Sammlung, von Chagall sind es 400 Radierungen und Farblithografien. Von den „Brücke“-Künstlern befinden sich 260 Grafiken im Museum, von Nolde sogar 450 Blätter, und immerhin 60 vom „Blauen Reiter“. Besonders rar und kostbar sind Grafiken, die von Künstlern handkoloriert und mit Anmerkungen versehen wurden und fast wie Originale gehandelt werden. Von Max Ernst erwarb Sprengel die komplette „Maximiliana“-Mappe und Probedrucke, die der Künstler teils handschriftlich mit Korrekturanmerkungen versehen hat. Beckmanns „Apokalypse“ findet sich im Bestand der Sammlung zweifach, schwarz-weiß und handkoloriert. Picasso versah die Mappe „Minotauromachie“ für Sprengel sogar mit persönlicher Widmung.

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Fotografie im Sprengel Museum
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Im Sprengel Museum
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