Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Inka Schube: "Ich vermisse die Grautöne"

Menschen im Museum Inka Schube: "Ich vermisse die Grautöne"

Inka Schube ist die Hohepriesterin der Fotokunst.

Voriger Artikel
Linse, Licht, Landschaft
Nächster Artikel
Fotografische Vorahnung - die Grafiken

Mit viel Herzblut: Inka Schube

Quelle: Martin Steiner

Offener Blick, nettes Lächeln, Siebziger-Jahre-Brillengestell: Inka Schube, seit 2001 als Leiterin des Bereichs Fotografie und Medien im Sprengel Museum tätig, passt nicht ins Klischee der trendverliebten Museumsfrau. Die Kunsthistorikerin verwaltet ihren Bereich mit fast altmodischen Tugenden: persönliches Engagement, Herzblut, Bemühen um Nachhaltigkeit. In den zurückliegenden Jahren hat sie unter anderem Ausstellungen zu Künstlern wie Sophie Calle, Thomas Ruff, Hans-Peter Feldmann, Boris Mikhailov und Helen Levitt zusammengestellt.

Wenn Schube in ihrem Büro sitzt und sich durch Computerdateien zu Künstlern wie Stephen Shore, William Eggleston oder Wolfgang Tillmans klickt, schwingt so etwas wie Dankbarkeit mit: über das Glück, den Beruf einer Museumskuratorin mit internationalen Kontakten ausüben zu können. Als sie studierte, bewegte sie sich in engeren Grenzen, in einer „Inselsituation“, wie sie sagt. Schube wuchs in der DDR auf, wurde 1961 in Burg bei Magdeburg geboren. Mit 18 Jahren zog es sie zum Studium an der Humboldt-Universität nach Ost-Berlin.

Schube gehörte in Berlin zur Prenzlauer-Berg-Bohème, hat dort bis heute eine Zweitwohnung. Allerdings ist ihr der schick gewordene Stadtteil inzwischen etwas fremd geworden. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie 1987 zur Rezeption der abstrakten Malerei in der DDR-Kunstgeschichtsschreibung. Ein gewagtes Thema: Abstraktion galt im Osten in Zeiten des Kalten Kriegs als bürgerlich dekadent. Noch in den Achtzigern war es schwierig, an Informationen über abstrakte westliche Kunst zu gelangen. Schube erinnert sich, dass sie eine Genehmigung des Universitätsrektors einholen musste und in Leipzig hoch oben in einem Turmzimmer der Bibliothek unter strenger Aufsicht Einblick in Werner Haftmanns Malereigeschichte nehmen durfte. Schube sieht sich als nicht „ostnostalgisch“. Allerdings vermisst sie im vereinten Deutschland die feinen Nuancen. „In der DDR gab es eine große Vorliebe für den Nuancenreichtum der Grautöne. Man wurde nach der Wende von großer Buntheit überrollt. Ich vermisse manchmal die Grautöne“, sagt sie.

Die Fotografie wurde für sie in den Wendejahren zu einem zentralen Thema. Ihr fiel auf, dass die Leute in Ost und West auf manche Bilder unterschiedlich blickten. Aufnahmen von den weltberühmten Schülern der Düsseldorfer Fotografen Bernd und Hilla Becher wie Thomas Ruff, Andreas Gursky oder Thomas Struth seien im Osten von vielen „total abgelehnt“ worden. Man habe die nüchternen Fotografien als Ausdruck sozialer Kälte angesehen. Umgekehrt sei im Westen die schwarz-weiße DDR-Fotokunst als Spiegel tiefster Ostdepression gelesen worden. „Während wir im Osten bei diesen Fotografien den Nuancenreichtum der Grautöne liebten“, sagt Schube fast versonnen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Fotografie im Sprengel Museum
Landschaften in der norddeutschen Tiefebene. Der hannoversche Fotograf Heinrich Riebesehl hat eine eigene Handschrift.

Raritäten unterm Dach: 
Im Sprengel Museum
 verbirgt sich auch
 ein hochkarätiges
 Fotomuseum.

mehr
Mehr aus Bedeutende Exponate