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Jutta Rawer: Stolzes Mitglied der Theaterfamilie

Menschen im Museum Jutta Rawer: Stolzes Mitglied der Theaterfamilie

Jutta Rawer ordnet im Archiv des Theatermuseums die Fülle an Unterlagen – Programmhefte, Plakate und Fotografien.

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Liebt das Theater und die Ordnung: Jutta Rawer

Quelle: Nico Herzog

Jutta Rawers Arbeitsplatz ähnelt einem großen Heizungsraum, nur dass es im Kellerraum des Staatsschauspiels Hannover eher kühl ist. Wenn man die Metalltüren schließt, ist es zudem ganz still in dem Archivraum mit kahlen Betonwänden und langen Regalreihen. „Draußen könnte weiß Gott was passieren, man würde es hier drinnen nicht merken“, sagt die kleine Frau mit einem Hauch Alarm in der sanften Stimme. Dann lächelt sie mild und wickelt ihren Schal fester um den Hals.

Im Winter verbringt die Mitarbeiterin des Theatermuseums nur kurze Zeit im Archivraum – aufgrund der niedrigen Temperaturen. Im Sommer aber bleibt sie dort halbe Tage lang und sortiert, sichtet, ordnet. Vergilbte Programmhefte, Theaterzettel, Plakate, Fotografien sowie Akten von Schauspielern und Musikern finden sich fein säuberlich geordnet und beschriftet. Zwischen den Regalreihen stapeln sich noch gepackte Umzugskartons und Tüten. Eine uferlose Fülle – und wöchentlich kommen neue Unterlagen dazu: von Theaterfans gesammelte Programmhefte oder Dinge aus Künstlernachlässen.

Würde hier unten ein Stück aufgeführt – das Theater sucht ja gern unkonventionelle Orte –, dann müsste es ein Kafka-Stück sein. Oder ein Märchen mit blassen Buchhaltern und Gespenstern, die durch Mauern aus grauen Aktenordnern fliegen. Wenn Rawer allerdings mal Stressträume hat, dann nicht von Aktenbergen, sondern von Menschenmengen, die sich unbefugt im Theatermuseum befinden, und von Türen, die sich nicht schließen lassen.

Die geduldige Frau mit den hellen, verträumten Augen identifiziert sich mit dem Theater. Als die Oper Mitte der achtziger Jahre gezielt jüngeres und weibliches Personal suchte, bewarb sich die ausgebildete Sozialpädagogin dort. Als 30-Jährige fing Rawer beim Abendpersonal an, das Plätze anweist, Karten entwertet, die Saaltüren öffnet und schließt, Programmhefte verkauft oder die Garderobe abnimmt. Inzwischen ist sie seit einem Vierteljahrhundert beim Niedersächsischen Staatstheater tätig, seit 1994 im Theatermuseum, wo sie außer Archivarbeiten auch Aufsichtstätigkeiten übernimmt oder an der Kasse sitzt. Rawer ist stolz, zur Theaterfamilie dazuzugehören, auch wenn man als Hilfskraft gewiss nicht reich wird.

Rawer beschäftigt sich auch privat mit dem Theater. Sie ist eine passionierte Theater- und Operngängerin. „Ich bin schon als Jugendliche gemeinsam mit meiner Mutter Abonnentin gewesen.“ Zuletzt hat sie sich „Wolokolamsker Chaussee / Das Leben der Autos“ von Heiner Müller und Ilja Ehrenburg im Schauspielhaus angesehen. „Die Sprache hat mir sehr gefallen“, sagt sie leise. Ist sie auch privat eine Archivarin, sammelt sie Theaterkarten und Programmhefte? „Nicht wirklich“, sagt Jutta Rawer und blickt fragend, „aber vielleicht sollte ich das mehr machen.“

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