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Links und rechts der Mauer

Museumsnachbarn Links und rechts der Mauer

Loriot ist in guter Gesellschaft. Wie ein Grüßonkel thront der Abgeadlerte über der Tür, und das passt nicht nur räumlich.

Auch zeitlich ist die 1963 entstandene Zeichnung „Bonn für Anfänger“ eines der Frühwerke in der Ausstellung „Zeitenwende“, die das Wilhelm-Busch-Museum gerade in seinen Sammlungsräumen zeigt.

20 Jahre nach der Wende geben die 90 Arbeiten einen etwas anderen Blick frei auf das, was sich auf beiden Seiten der Mauer abspielte. Die Zeichnungen aus der DDR-Zeit sind offizielle, von der Staatsführung abgesegnete Karikaturen von Künstlern wie Peter Bauer, Rainer Ehrt, Andreas J. Mueller oder Klaus Vonderwerth. Sie nehmen vornehmlich den Lebensalltag in der DDR aufs Korn, aber sie zeigen auch die subtilen Formen der Regimekritik. Ende der Achtziger befreite sich auch die Karikatur in der zerfallenden DDR langsam, aber stetig. Als der Leipziger Andreas J. Mueller 1990 seinem Ostauto das programmatische Zigarettenlogo verpasste, hatte er den Westen schon lange getestet. Der „Vorsitzende der Sektion Karikatur und Pressezeichnung des Verbandes Bildender Künstler DDR-Süd“ hatte sich zwei Jahre zuvor in den Westen abgesetzt. Er kehrte 1995 wieder in seine Geburtsstadt zurück und gründete die Leipziger Biennale der Satirischen Zeichnung.

In der politischen Karikatur der Bundesrepublik galt dagegen immer schon „Feuer frei!“. Und immer gern genommen: Helmut Kohl. Dem „Großen Kanzler der deutschen Einheit“ setzt Walter Hanel ein Denkmal, auf dem Kohl nackt in graziler Tänzerhaltung posiert, während auf seinem massigen Körper geduldig die Geier warten. Selbst in Österreich avancierte Kohl zum Topmotiv: Erich Sokol ließ 1990 den Fleischberg Helmut in einem Hauch von Nichts über der maroden DDR schweben und aus einem schwarz-rot-goldenen Füllhorn die Geldbündel herniederregnen.

So unterschiedliche Künstler wie Horst Haitzinger, Hans Traxler, Gerhard Glück, Marie Marcks und F. K. Waechter kommen in der Schau zu Wort und Bild und zeigen, aus wie vielen verschiedenen Blickwinkeln man an das deutsche oder deutsch-deutsche Thema herangehen kann – und das dabei der Nonsens, forciert durch Waechter, Robert Gernhardt und den Rest der Neuen Frankfurter Schule, eine immer größere Rolle spielte.

Auch darüber wacht im Wilhelm-Busch-Museum Loriot.

Die Ausstellung „Zeitenwende – Karikaturen aus Ost und West“ ist bis zum 21. Februar 2010 in den Sammlungsräumen zu sehen.

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