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Mr. X wahrt 
sein Geheimnis Irene Kampcyk: "Sind die echt?"

Menschen im Museum Irene Kampcyk: "Sind die echt?"

Museumspädagogin Irene Kampczyk erklärt schon Kindern, was es mit den Mumien auf sich hat

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Trockene Marterie: Von wegen! Dank Ta-Osiris und Mr. X lässt Irene Kampcyk das alte Ägypten für kleine Besucher lebendig werden.

Quelle: Jana Striewe

Ein Gang mit ihr durch dieses Haus ist ein Ausflug in eine andere Welt. In eine Welt, von der die Kinder mehrere Tausend Jahre und mehrere Tausend Kilometer entfernt sind. In eine Welt, die es nicht mehr gibt – und die hier doch ganz real ist. „Alles, was mit Ägypten zu tun hat, ist bei den Jungen und Mädchen der Renner“, sagt Irene Kampczyk. Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit zehn Jahren freiberuflich im Museum August Kestner. Als Museumspädagogin fertigt sie mit Kindern bei Workshops ägyptische Reliefs an, sie führt Schulklassen durch die Ausstellung und organisiert Kindergeburtstage.

Zwei Menschen sind ihr bei den Führungen gewissermaßen behilflich, die Kinder gedanklich ins ferne Ägypten mitzunehmen. Die beiden sind schon lange tot, aber als Zeitzeugen sind Ta-Osiris und Mr X höchst lebendig. „Die Mumien sind am Ende unseres Rundgangs der krönende Abschluss“, sagt Kampczyk. Naturgemäß nehme gerade bei jüngeren Kindern die Konzentration nach einer Dreiviertelstunde ab. „Doch schon, wenn wir zur Krokodil- und zur Katzenmumie kommen, wächst das Interesse – und im Mumienkabinett sind sie dann wieder hellwach.“ Die häufigste Frage bei fast jeder Führung: „Sind die echt?“

Mit einer Mischung aus Schauder, Neugier und Begeisterung erkunden die Jungen und Mädchen dann die dunklen Ecken der kleinen Abteilung – und sie tasten sich an die Sarkophage heran. „Viele haben in der Schule schon etwas von Pyramiden und Mumien gehört und möchten unbedingt mehr darüber erfahren“, sagt die Museumspädagogin. Anhand der Röntgenbilder erklärt sie den Kindern dann, dass Mr X vergleichsweise gute Zähne hatte, wie Mumien einbalsamiert wurden oder dass man ihre Eingeweide in Krügen einlagerte. Tränen oder Angstausbrüche hat es bei den Kindern noch nie gegeben – aber es kann bei den Führungen durchs Mumienkabinett schon relativ still werden.

Man könnte es pietätlos finden, Kindergeburtstage ausgerechnet in der Gesellschaft von Leichen zu feiern – doch es spricht auch viel dafür, gerade das zu tun: „Das Bedürfnis der Kinder, sich mit dem Sterben zu beschäftigen, ist groß“, sagt Kampczyk. Angesichts eines vor langer Zeit verblichenen Ägypters fällt es ihnen vergleichsweise leicht, über das oft tabuisierte Thema Tod nachzudenken – schließlich haben die Mädchen und Jungen zu Ta-Osiris oder Mr X mehr Distanz als etwa zu verstorbenen Verwandten.

Trotz alledem geht es bei Ta-Osiris und Mr X selten traurig zu, und manchmal gibt es auch etwas zu lachen. Wie damals, als die Museumspädagogin fragte, warum die meisten Menschen im Alten Ägypten wohl so jung gestorben seien. Die spontane Antwort eines Jungen: „Weil sie keine gesunden Fruchtzwerge zu essen hatten.“ Mumien sind eben alles andere als eine trockene Materie.

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