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Mr. X wahrt 
sein Geheimnis Klein aber glänzend

Museumsnachbarn Klein aber glänzend

Eigentlich gab es damals noch gar keine Münzen in Ägypten. Man bezahlte zur Zeit von Pharao Nektanebos II. im 4. Jahrhundert v. Chr. nicht mit Geld, sondern tauschte Waren direkt aus.

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"Münzen sind oft kleine Kunstwerke": Numismatikerin Simone Vogt

Quelle: Ralf Decker

Doch dann musste der Pharao sich gegen Einfälle der Perser erwehren, und dafür heuerte er griechische Söldner an, die es gewohnt waren, in klingender Münze bezahlt zu werden. Also ließ er ebensolche prägen – das erste Geld in Ägypten. Zwei dieser Münzen hütet heute das Museum August Kestner (MAK) in Hannover: „Sie gehören zu den Glanzstücken unserer Sammlung“, sagt Simone Vogt, seit 2007 die Numismatikerin des Hauses.

Die Münzkollektion des MAK umfasst etwa 120 000 Stücke, sie ist die größte Norddeutschlands. Römisch-republikanische Münzen zählen zu ihren Prunkstücken ebenso wie Münzen aus dem Deutschen Reich ab 1871. Zuletzt war eine Kabinettausstellung mit Münzen von Kaiser Augustus zu sehen.

„Münzen sind oft kleine Kunstwerke – und sie verraten auf sehr wenig Raum sehr viel über ihre Zeit“, sagt Vogt. Die Expertin versteht die Kunst, die kleinen Geldstücke zu lesen: Diese verraten viel über Metallverarbeitung und Handwerkstechnik, Gewichte, Götterwelt und Wirtschaftsleben einer Zeit – und über die Selbstdarstellung der Mächtigen, die sich auf ihnen verewigten. Im vergangenen Jahr erwarb das MAK eine Bronzemünze aus der Zeit zwischen 218 und 175 v. Chr., die ägyptische Götter zeigt: Osiris zwischen Isis und Nephthys. Geprägt wurde sie auf Malta – und zeugt so davon, wie sich Kulturen damals vermengten.

Und dennoch sind Münzen gewissermaßen das Gegenteil von Mumien: Für Laien wirken sie auf den ersten Blick unspektakulär. Zudem fristet die Münzsammlung des MAK bislang ein Schattendasein in einem abgelegenen Kabinett im Erdgeschoss; den Weg hierher finden nur Besucher, die sich gezielt für sie interessieren. „Langfristig wollen wir die Sammlung in die anderen Abteilungen integrieren, um ihr zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen“, sagt Vogt.

So könnte beispielsweise das Nektanebos-Geld bei den ägyptischen Exponaten landen. Oder der Silberbrakteat, den Heinrich der Löwe im 12. Jahrhundert herstellen ließ, in der Mittelalter-Abteilung. Solche „Hohlpfennige“ wurden von einer Seite in hauchdünnes Blech geschlagen. Dieser trägt die kryptische Inschrift „COOENNOORRVERRE SVVMM“. Frei übersetzt: „Ich bin die Münze Hannovers.“

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