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Werner Koch: "Die Sachen wurden für die Ewigkeit gebaut"

Menschen im Museum Werner Koch: "Die Sachen wurden für die Ewigkeit gebaut"

Werner Koch führt die Besucher durch die rund 1000 Exponate im Museum für Energiegeschichte(n).

Wenn Werner Koch etwas erklären kann, schlüpft er plötzlich in die Rolle eines sympathisch verrückten Professors, der Relikte der Energiegeschichte wie kleine Geheimnisse präsentiert. Aus dem ruhig akzentuiert sprechenden 54-Jährigen wird dann eine Mischung aus Daniel Düsentrieb und Emmett „Doc“ Brown, der Wissenschaftler aus „Zurück in die Zukunft“. „Gigantisch“, sagt Koch immer wieder, egal ob er einen Magnetspeicher in den Händen hält oder von alten Motorwagen erzählt. „Gigantisch!“

Koch führt bis zu dreimal am Tag durch die Ausstellung im Museum für Energiegeschichte(n) und liebt seine Arbeit. „Ich kann Kindern Töne zeigen“, sagt Koch begeistert, kniet sich vor eine Sammlung technischer Geräte und dreht solang an Reglern eines Oszillographen herum bis ein schrilles Pfeifen durch das Museum schallt und auf einem kleinen Monitor spitze Wellen über das Display jagen. „Ich erkläre den Besuchern auch, warum es kein Plus- und Minussymbol auf Steckdosen gibt und zeige Kindern, wie eine Drehscheibe am Telefon funktioniert“, sagt Koch und wirbelt zwischen alten Telefonen und Messgeräten herum. „Mit einem Spiegelgalvanometer von 1850 konnte man schon elektrische Ströme mit unwahrscheinlich hoher Auflösung messen – gigantisch, oder?“, raunt Koch. Und der Besucher zuckt anerkennend zusammen.

Vor 40 Jahren hat der 54-Jährige aus Springe den Beruf des Starkstromelektrikers gelernt und stellte damals noch mit Steigbügeln 34 Strommasten in Burgdorf auf. Seit 2003 arbeitet er für das Museum und repariert die alten Geräte, seine Schätze. „Das Beste, was einem im Leben passieren kann, ist doch, wenn man sein Hobby und seine Leidenschaft zum Beruf machen kann“, sagt Koch, der selbst unter einem alten Fernseher aus den fünfziger Jahren noch einen unscheinbaren DVD-Player bastelt, um passende original Werbespots zum Beispiel von Dr. Oetker im Fernsehen zeigen zu können.

Für Koch sind es aber nicht nur die technischen Ideen, die ihn an den Exponaten faszinieren. „Die Sachen wurden noch für die Ewigkeit gebaut“, sagt Koch anerkennend. Vieles von dem was heute produziert werde, sei nur für den schnellen Konsum gedacht und gehe schnell wieder kaputt. Und je länger Koch über Qualität und Fortschritt sinniert, desto nachdenklicher wirkt er. „Es ist doch komisch“, sagt er. „Die meisten Dinge wurden erfunden, um Arbeit zu erleichern und für mehr Freizeit zu sorgen.“ Trotzdem müssten die Menschen immer noch arbeiten. Schon komisch. Und doch könnte sich zumindest Koch derzeit nichts Schöneres vorstellen.

von Jan Sedelies

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