Celle, die Stadt des prächtigen Fachwerks im Nordosten, gehört zu den attraktivsten Zielen im Radradius von Hannover, und die Strecke dorthin muss sich deshalb auf mehr als 50 Kilometern sehr bemühen, um mit dem Reiz des Endpunkts mithalten zu können.
Mit spektakulären Gegensätzen kann sie dabei nicht aufwarten, wohl aber mit stillem Reiz, den vor allem der langsame Übergang zwischen den verschiedenen Landschaftstypen ausmacht.
Wir verlassen Hannover vom Maschsee aus durch die Eilenriede, passieren Weidetorkreisel und Telemax als letzte hektische Stadtbastion und durchqueren dann die Ausläufer des Altwarmbüchener Moores. Birken, Moorgräser und vollgelaufene Kuhlen markieren hier den feuchten Boden, und dass man hier heute die Wege mit zahlreichen Spaziergängern und Walkern teilt, zeigt, wie sehr sich die Bedeutung dieser Gegend gewandelt hat.
Früher galt sie als ödes, abgelegenes Gebiet, in dem die Bauern Torf stachen und in das man ansonsten jene abschob, die in der Stadt keinen Platz haben sollten. 1938 zwangen die Nationalsozialisten Sinti und Roma hier in ein Lager, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Flüchtlinge aus dem Osten am Rand des Moors angesiedelt. Die Idylle verrät heute nichts mehr von all dem. Spätestens mit der Anlage des Sees 1980 entstand hier ein beliebtes Ausflugsziel der Städter.
Den dabei gewonnenen Sand brauchte man für den Bau der Autobahn Richtung Celle. Wir fahren parallel dazu und gelangen dabei nach der Brücke über die andere Autobahn, die das Moor schneidet, die A 7, allmählich in eine andere Landschaft, wie die kleinen Kiefernwälder nun signalisieren.
Der Boden hier in der Burgdorfer Gegend ist sandig und trocken und bietet dem Spargel gute Bedingungen; jetzt im Frühjahr sind die Felder nicht zu übersehen. Den nächsten Übergang der Landschaften markiert Engensen, ein Dorf, das sich trotz der Zuzügler aus der Stadt und ihrer Neubauten mit einigen Höfen aus rotem Backstein viel Ursprünglichkeit bewahrt hat.
Hinter Engensen wechselt erneut die Landschaft, Birken und Gräser säumen wieder die Strecke und zeigen die Nähe zu einem der wichtigsten Wassergewinnungsgebiete der Gegend an, dem Fuhrberger Wald. Was in Hannover aus dem Hahn fließt, kommt überwiegend von hier.
Der Wechsel von Wald und Feldern wirkt hier noch einmal wie eine freundliche Aufmunterung, trotz der allmählich stattlichen Kilometerzahl nicht nachzulassen, bevor wir auf schnurgeraden Wegen durch schweres Weideland unserem Ziel Celle immer näher rücken.
Auf der Bahnstrecke, an dem die letzten Kilometer entlangführen, rauschen die ICEs nach Hamburg oder Hannover vorbei, bevor wir Wietzenbruch und damit einen Stadtteil Celles erreichen. Der Name verweist auf ein altes, moorähnliches Feuchtgebiet; inzwischen ist Wietzenbruch aber vor allem ein beliebtes Neubau- und Wohngebiet der Celler – und ein Hort der Moderne vor dem historischen Stadtkern.
HAZ.de Anmeldung
