Die Tour nach Hameln ist von respektabler Länge, dafür aber auch voll von idyllischen Ansichten und Ausblicken. Schon die kleine Brücke noch in der Leinemasch nach gerade einmal knapp viereinhalb Kilometern ist dazu angetan, um uns zu einer ersten Pause zu bewegen. Gräser säumen hier die Ufer der Weiher, als wären wir mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte, und lediglich das Wissen um die noch zu fahrende Distanz lässt uns diesen zauberhaften Ort schon nach kurzem Anhalten wieder verlassen.
Als nächster Ort auf der Strecke beweist uns Hemmingen, dass es auch ein ganz anderes Gesicht hat als die meisten vom Durchfahren des Ortes mit dem Auto kennen. Auf schmalen, nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglichen Wegen geht es durch den alten Ortskern und an der Kapelle aus dem 16. Jahrhundert vorbei. Hinter Arnum bietet sich der Blick auf den Gehrdener Berg und dahinter – im Dunst, aber mit den schemenhaften Andeutungen umso größer – auf den Deister.
Es muss am Radfahren und dem damit verbundenen besonderen Gespür für Steigungen liegen, dass uns auch der Süllberg mit dem so malerisch an seinen Rand getupften Lüdersen höher erscheint als jene 198 Meter, die ihm die Karte zuspricht.
In Bennigsen, dem nächsten Ort knapp fünf Kilometer weiter, führt der Weg um ein Gut, dessen Ursprünge im 14. Jahrhundert liegen; es ist ein gediegenes Ensemble mit Wassergraben, alter Mühle und Brückchen, auf dem Gutsherr Roderic von Bennigsen Jahr für Jahr ein Musikfestival mit Orchestern wie dem der Mailänder Scala veranstaltet. Für den Rest des Jahres ist dies jedoch ein stiller Ort, sodass wir weiterfahren und uns nach der Fahrt über den Dahberg, einen Ausläufer des Deisters, reif fühlen für eine Pause, die sich bei gutem Wetter noch auf einer Bank mit weitem Ausblick auf dieser Anhöhe verbringen, sonst aber auch bis ins nahe gelegene Springe verschieben lässt.
Hinter Springe führt der Weg durch die Deisterpforte zwischen Deister und Kleinem Deister in Richtung der Domäne Dahle erneut bergauf, bietet dafür allerdings auch einen immer weiteren Blick auf die nächsten Erhebungen, auf Süntel, Nesselberg und Ith, und so stellt sich beim Dahinrollen allmählich das Gefühl ein, in einer anderen Landschaft anzukommen und schon ein gutes Stück Strecke geschafft zu haben. Der ausgeschilderte Weg Richtung Hameln führt nun immer parallel zur Bundesstraße 217, meidet aber zu große Nähe und gönnt sich Abstecher wie den zum Schloss Hasperde, das inzwischen als „Seniorendomizil“ dient. Erst auf den letzten Kilometern vor Hameln gibt es keine Alternative zur Fahrt entlang der Hauptstraße, die nun jedoch auch beständig bergab führt und uns mühelos dem Ziel entgegenrollen lässt – vorbei an noch einer Sehenswürdigkeit, dem jüdischen Friedhof, bevor nach 57 Kilometern das historische Zentrum der Rattenfängerstadt erreicht ist.
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