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Laatzen

Stippvisite in der Nachbarschaft

Von Bernd Haase

Vorbei an Schleuse und Kalihalde: Auch die 40 Kilometer nach Laatzen haben Radfahrern einiges zu bieten.
Park der Sinne in Laatzen

Im "Park der Sinne" in Laatzen lässt sich eine Menge entdecken, hören, fühlen und schmecken – nicht nur die allmählich erwachende Pflanzenwelt.

© Bernd Haase

Es soll Radfahrer geben, für die das Jahr nur von Ende März bis Anfang November dauert. Unsereins treibt seinen Drahtesel auch in den Wintermonaten an, was bei entsprechender Kleidung und mit Heißgetränken im Gepäck seine ganz eigenen Reize hat. Wenn aber die Natur erwacht wie jetzt im Frühjahr, sind die Reize um einiges höher als bei Temperaturen um den Gefrierpunkt – von den gefühlten Werten bei Sonnenschein einmal ganz abgesehen.

Doch gleich in welcher Jahreszeit man am Maschsee aufs Fahrrad steigt: Der Einzige, der sich bewegt, ist man selten. Vom Start weg liefern wir uns ein Rennen mit einem Drachenboot, dessen Ausgang offen bleibt, weil wir auf unserem Weg nach Laatzen in die Eilenriede abbiegen müssen. Dort blicken wir zwischen Bischofshol und Kirchrode in eine bizarre Szenerie: Zwischen den Bäumen steht nach vielen Regenfällen viel Wasser, Unterholz und Pflanzen ragen heraus. Wir kreieren den Begriff Eilenrieder Seenplatte.

Durch Anderten hindurch gelangen wir zur Hindenburgschleuse, wo wir zusehen, wie in der Schleusenkammer das Kanalschiff „Sczeczin“ langsam nach unten entschwindet. Drei Männer sind an Bord, hantieren mit Seilen und brüllen auf Polnisch Kommandos. Wir fragen sie, wo es hingeht, aber sie können uns nicht verstehen. Unser Weg führt den Kanal entlang Richtung Osten. Die Sonne scheint zur Rechten und taucht das Wasser in ein mildes Blaugrau. Ab und an treffen wir auf Spaziergänger, die meisten von ihnen mit Hund. Sonst haben wir die Piste für uns allein.

Als wir linker Hand die Sehnder Kalihalde erreichen – sie sieht gar nicht mehr aus wie ein schmutziger Schneeberg, weil sie begrünt wird –, verlassen wir den Kanal Richtung Bolzum. Am Billerbach hat die Feuerwehr eine Wettkampfbahn angelegt und dankenswerterweise klobige Holzbänke aufgestellt. Während wir so dasitzen, zischt plötzlich ein Eisvogel durch das Bild. Eine, höchstens zwei Sekunden lang haben wir ihn gesehen, aber jetzt wissen wir, warum man diesen Vogel auch den fliegenden Edelstein nennt. Ein Bolzumer, der vorbeispaziert, erzählt uns, dass der seltene Vogel hier heimisch ist.

Wir brechen wieder auf und fahren durch Bolzum, Wehmingen, Wirringen und Müllingen hindurch. Kaum jemand ist in den Dörfern zu sehen – wahrscheinlich sitzen die Bewohner beim Nachmittagskaffee in der guten Stube.

Der letzte Abschnitt unserer knapp 40 Kilometer langen Fahrt führt durch die Feldmark und überquert die Autobahn 7. Die Stadt hat uns wieder – auch wenn es nur das kleinere Laatzen ist.

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