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Durchlaucht lässt bitten Prunkvolles auf der Insel

Hausbesuch Prunkvolles auf der Insel

Wer von der Fußgängerzone in Bückeburg durch das große Schlosstor mit den beiden Drachen schreitet, bewegt sich auf eine Insel der Vergangenheit zu. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen.

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Geschichte des Schlosses

Einsicht: Das Schlosstor öffnet den Blick von der Fußgängerzone zum Park.

Quelle: Heinrich Thies

Denn die einstige Residenz des Fürstenhauses Schaumburg-Lippe liegt wirklich auf einer Insel. Ein breiter Wassergraben umgibt die Schlossanlage. Führungen haben hier etwas von einem Spaziergang durch die Jahrhunderte. Sie beginnen in der Regel auf dem kopfsteingepflasterten Innenhof des Schlosses. Die grauen Sandsteinmauern, die an allen vier Seiten aufsteigen, atmen den Geist der Renaissance-Zeit. Ob Giebel oder Treppenturm – alles ist klar strukturiert. Den besten Überblick gewinnt man vom Trompetergang, einem Balkonumlauf, der zwei Schlossflügel verbindet.

Vom Innenhof führt eine Tür in die Schlosskapelle. Die Düsternis dieses kleinen Bauwerks aus dem Spätmittelalter wird überstrahlt vom Glanz des Blattgoldes, das hier in verschwenderischer Fülle fast alles überzieht: die dreiteilige Kanzelwand, die dahinterstehende Orgel, den von zwei Engeln gestützten Abendmahltisch, die zahlreichen Engelsfiguren, die Holzschnitzereien, die Fürstenloge. Unter den Fliesen vor dem Altartisch setzte man 1799 bis 1922 die Herzen der fürstlichen Familie bei.

So überladen wie der Goldschmuck ist auch die Freskenmalerei, die das Deckengewölbe ziert. Der Manierismus, der das Ende der Renaissance begleitete, war hier in jeder Hinsicht stilprägend. 1604 soll mit der Ausschmückung der Kapelle begonnen worden sein. Sehr viel später entstand der Große Festsaal, der sich über zwei Stockwerke erstreckt, neun Meter hoch und 24 Meter lang ist und den Höhepunkt einer jeder Schlossführung bildet. Erst 1893 begannen die Bauarbeiten, sodass auch die Errungenschaften der Moderne genutzt werden konnten. Der Kronleuchter strahlt auch ohne Kerzen; der ganze Festsaal wurde von Anfang an mithilfe der Elektrizität beleuchtet und beheizt. Die rosafarbenen Säulen aus Stuckmarmor, die stuckverzierten Balkone und Fensterbögen, das Deckengemälde und der Kamin mit dem Spiegelaufsatz vermitteln dagegen Rokoko-Flair. Experten sprechen von Neorokoko oder Historismus.

An den Festsaal schließt sich der „Gelbe Saal“ an, der mit dem Spottnamen „Kuppelhalle“ bedacht wurde, weil hier die alten Damen nach dem Festbankett zusammensaßen und die Prinzessinnen verkuppelten. Die Herren zogen sich in den angrenzenden Rauchsalon zurück – selbstverständlich im Smoking.
Nach einem Rundgang durch den neuen Gebäudeteil, der erst Ende des 19. Jahrhunderts entstand, kehrt man in den alten Renaissance-Trakt zurück, der 1564 fertiggestellt wurde. Dort im Gobelinsaal sind Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten zu besichtigen: zum Beispiel sechs Brüsseler Wandteppiche aus der Zeit der Renaissance, Renaissance-Stühle, Gemälde von Cranach, de Witt und Tischbein sowie Porzellan und Glas anderer alter Meister.

Wer es noch prunkvoller liebt, sollte keinesfalls den „Goldenen Saal“ übergehen. Ganz besondere Pracht vermittelt die sogenannte Götterpforte. Die mythischen Figuren des vergoldeten Schnitzwerks sind seltsam verdreht und verschraubt und voller Anspielungen und Symbolik – ein Werk des Manierismus, der wie die Kapelle auch diesen Saal prägt. Alles glitzert und strahlt zwischen den roten Seidentapeten, alles zeugt von ungeheurem Reichtum und dem Bemühen, ihn auch zur Schau zu stellen. Die goldene Kassettendecke lastet mit ihren Arabesken und antiken Motiven so schwer über dem Besucher, dass er sich fast erdrückt fühlt von all dem Luxus.

Wer nach dem Rundgang durch die Prunkgemächer frische Luft benötigt, sollte zur Erholung durch den Schlosspark spazieren. Die kunstvolle Grün- anlage wurde von 1728 an zunächst im französischen Stil gestaltet und später nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten weiterentwickelt. Zwischen Blutbuchen, Blumenbeeten und Buchsbaumhecken, Eibenpyramiden, Sumpfzypressen und Springbrunnen findet sich auch das Mausoleum der Fürstenfamilie. Das monumentale Familiengrab aus blendend weißem Kalkstein entstand von 1911 bis 1916. 18 Familienmitglieder des Hauses Schaumburg-Lippe sind seither in der Gruft mit der größten Goldmosaikkuppel Europas zur letzten Ruhe gebettet worden.

Mehr dem Leben zugewandt ist das Park-Café, das von November bis März am Wochenende und in der übrigen Zeit von dienstags bis sonntags geöffnet ist.

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Information

Das Schloss Bückeburg ist täglich geöffnet: von Oktober bis 30. März zwischen 9.30 und 17 Uhr, von April bis Ende September zwischen 9.30 und 18 Uhr.

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