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Ein Schloss für alle Fälle Hinter Schloss und Riegel

Hausbesuch Hinter Schloss und Riegel

Nicht jeder Schlossbewohner lebt auf großem Fuß. Die Insassen der Justizvollzugsanstalt Braunschweig in der Außenstelle Gifhorn könnten davon ein Lied singen, wenn ihnen nach Singen zumute wäre.

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Speisen wie Herzog Franz

Justizvollzugsanstalt hinter Schlossmauern mit vergittertem Blick uf die Schlosswiese

Quelle: Heinrich Thies

Denn die 31 Gefangenen hier sind zwar in einem Schloss untergebracht, ihre engen Zellen aber haben mit feudalen Gemächern nichts gemein – und in der Regel müssen sie den Raum auch noch mit einem Mitbewohner teilen. Jede Zelle ist mit zwei übereinanderstehenden Pritschen ausgestattet.

Doch es wäre falsch, sich das Schlossgefängnis als düsteren Kerker vorzustellen. Seit zwanzig Jahren wird hinter den Mauern offener Vollzug praktiziert. Die Zellen stehen 24 Stunden offen, und die Gefangenen können sich innerhalb ihres abgeriegelten Trakts frei bewegen, wenn sie nicht sogar tagsüber den Knast als Freigänger verlassen dürfen.

Als das „königlich hannoversche Justizgefängnis“ 1852 in Betrieb genommen wurde, konnten die Häftlinge von solcher Freizügigkeit nur träumen. In einem Kellerraum ist an der Wand immer noch ein Eisenring angebracht, an dem die Gefangenen in früheren Zeiten vermutlich dauerhaft gefesselt waren. Heute ist es trotz der Doppelzellen für Strafgefangene fast so etwas wie ein Privileg, im Gifhorner Schloss interniert zu sein. Manche haben bereits anderswo einen Großteil ihrer Haftstrafe verbüßt, bevor sie hierherkommen, um sich auf ihre Entlassung vorzubereiten. Andere sitzen lediglich eine Geldstrafe ab.

Zum Beispiel Björn G. aus Wolfsburg. Der 28-Jährige wurde mehrfach beim Schwarzfahren erwischt und zu einer Strafe von 700 Euro verurteilt. „Ich bin arbeitslos und habe das Geld nicht“, sagt der gelernte Elektroinstallateur, „bevor ich mich in Schulden stürze, gehe ich lieber in den Knast.“ Die 700 Euro bescherten ihm zwei Monate „Zwangsurlaub“. Doch Björn G. sieht’s gelassen. „Wenn man arbeitet, geht die Zeit gut rum.“

Die meisten Gefangenen schrauben Baumarktartikel zusammen. Ein gelernter Bankkaufmann, der wegen Steuerhinterziehung und etlicher Betrugsdelikte eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt, darf dieser Arbeit ausnahmsweise auf seiner Zelle nachgehen. Da der 55-Jährige seine Doppelzelle als Einzelzelle bewohnt, ist Platz für den Karton mit Schrauben. Der Gefangene, der zuvor bereits längere Zeit in der JVA Braunschweig einsaß und als „vollzugserfahren“ gilt, weiß das Schlossgefängnis auch baulich zu schätzen. „Das sieht hier nicht so nach Knast aus, zumindest von außen betrachtet“, sagt er. „Besucher haben nicht das Gefühl, ein Gefängnis zu betreten – man geht in ein schönes, altes Gebäude.“

Auch seiner Adresse muss sich der frühere Bankkaufmann nicht mehr schämen: „Schlossplatz 5“ – das klingt durchaus nobel. Wer achtet da auf die drei Buchstaben „JVA“?

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