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Gespensterfreies Märchenschloss Auf der Pilgerroute

Hausbesuch Auf der Pilgerroute

Beim Rundgang durch die Hämelschenburg wird das fromme Leben vergangener Jahrhunderte greifbar.

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"Das Leben ist nicht komfortabel"

Hämelschenburg? Der Name geht zurück auf den Ursprungsnamen Hemersenburg. Dies wiederum hieß so viel wie „Herrmann sin Burg“. Denn Herrmann von Everstein war der Erste, der sich Anfang des 15. Jahrhunderts im Emmerthal eine Befestigungsanlage bauen ließ – unter anderem um vorbeiziehende Kaufleute von einer sicheren Burg aus ausplündern zu können.

Aber das ist lange her. Zwischenzeitlich wurden Reisende auf der Hämelschenburg großzügig versorgt. Die Burg lag nämlich einst auf der Pilgerroute, die von Norden in den spanischen Zielort Santiago de Compostela führte. Immer noch sind in der Eingangshalle die beiden Jakobsmuscheln zu besichtigen, die in die Sandsteinwand modelliert wurden, um eine pilgerfreundliche Durchreiche hervorzuheben, die sich dazwischen befindet. Heute steuern Pilger die Hämelschenburg an, die sich auf der neuen Pilgerroute zwischen Loccum und Volkenroda bewegen.

In der Eingangshalle nehmen im Übrigen Schlossführungen ihren Ausgang. Die Errichter des stattlichen Dreiflügelbaus begrüßen die Besucher hier mit ernstem Blick von alten Gemälden: Jürgen von Klencke und seine Frau Anna von Holle. Die Truhe unter den Porträts soll dem Söldnerführer einst als Kriegskasse gedient haben. Das ausgestellte Richtschwert deutet darauf hin, dass der Schlossherr seinerzeit zugleich oberster Gerichtsherr war und somit auch Todesurteile vollstrecken konnte.

Zivileren Zwecken diente im angrenzenden Raum ein Wäscheschrank, in dem schon Anna von Holle vor mehr als 400 Jahren ihre Kleider verstaute. Daneben steht das eher schmale Ehebett der Schlosserbauer im Renaissancestil. Das dahinterliegende Wohnzimmer ist indessen im Stil der Biedermeierzeit möbliert. In weiteren historischen Räumen sind Kamine und Kachelöfen, goldgerahmte Spiegel und Barockmöbel zu bestaunen. Der frühere Tanz- und Ballsaal, der „Charlottensaal“, wird noch genutzt: Für standesamtliche Trauungen ist er zu mieten – einschließlich eines Steinweg-Flügels, dem auch Nichtklavierspieler wohlklingende Weisen entlocken können. Es handelt sich nämlich um ein Phonola, das mit Walzen betrieben wird – ein funktionsfähiger Vorläufer des Kassettenrekorders aus dem Jahre 1870.

Nach der Trauung kann sich die Hochzeitsgesellschaft im historischen Speisesaal verwöhnen lassen. „Sup di vull, fret di dick, hol din Mul von Politik“ steht auf einem Spruchschirm über der langen Tafel – eine Ermahnung aus der Zeit des Nationalsozialismus. Im gleichen Raum dokumentiert ein Kaminaufsatz die Gottesfurcht der Bauherren: Jürgen von Klencke kniet hier mit seiner Gemahlin unterhalb eines Kruzifixes; noch darunter sind die Figuren seiner 14 Kinder zu sehen, von denen eines gestohlen wurde.

Wer sich dafür interessiert, wie in früheren Zeiten weniger fromme Menschen im Schloss untergebracht wurden, sollte sich den Kerker im Keller zeigen lassen – ein düsteres Verlies mit nach wie vor gruftigen Ausdünstungen. Auch die historische Waschküche im Untergeschoss lässt den Luxus der höher gelegenen Räume vermissen. Doch so ein Schlossbesuch lehrt eben, dass das Wohlleben der Hochwohlgeborenen seine Schattenseiten hatte.

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Nachgefragt bei Lippold von Klencke, Besitzer und Bewohner der Hämelschenburg.

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