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In Vollmondnächten spukt’s

Wasserschloss Hülsede In Vollmondnächten spukt’s

Prachtbau mit Plumpsklo: So manche Geschichte rankt um das Wasserschloss in Hülsede im Deister-Süntel-Tal – und so mancher Geist treibt hier sein Unwesen. Auf manchen Gängen des Weserrenaissance-Baus soll es spuken.

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Geheimnisvoll: Um das Hülseder Wasserschloss rankt sich so manche Geschichte.

Quelle: handout

Im Tal zwischen Deister und Süntel erhebt sich ein Schloss, um das sich manch geheimnisvolle Geschichte rankt. Besonders in hellen Vollmondnächten, so wird erzählt, ist es im Wasserschloss von Hülsede nicht geheuer. Dann soll bisweilen ein alter Herr auf den Gängen herumspuken, der schon vor mehr als vier Jahrhunderten das Zeitliche gesegnet hat: der einstige Schlossherr Jobst von Mengersen. Der alte Haudegen soll seine Mägde und Knechte rüde zur Arbeit angetrieben haben und gilt daher über seinen Tod hinaus als harter Hund.

Der gegenwärtige Schlossherr dagegen legt selbst Hand an, wenn es in seinem Gemäuer etwas zu tun gibt. Handwerker in größerer Zahl kann sich Hans-Wilhelm Bronsart von Schellendorf ebenso wenig leisten wie Knechte und Mägde. So kämpft der pensionierte Oberstleutnant persönlich gegen den Zahn der Zeit, der an dem Wasserschloss nagt, das 1970 seiner Frau Monika zufiel – einer Nachfahrin des Schlossgespenstes mit Namen von Mengersen. Seit 30 Jahren meißelt und hämmert, schmiedet und schweißt der gebürtige Ostpreuße, der bereits seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, um den Familienbesitz zu erhalten und möglichst noch schöner zu machen.

Mit Erfolg: Das „Spukschloss“ kann sich sehen lassen. Der Prachtbau aus der Zeit der Weserrenaissance hat sich seine historische Bausubstanz bewahrt und atmet den Geist vergangener Tage. Die wehrhaften Gebäude bilden ein Viereck und grenzen sich wie eine Trutzburg vom geschäftigen Treiben der Gegenwart ab. Obwohl das Wasserschloss mitten im Dorf liegt, meint man, in eine längst versunkene Welt einzutreten, wenn man von der Dorfstraße die Toreinfahrt passiert. Die unverputzten Sandsteinmauern spiegeln sich im Wasser des Schlossgrabens und bereichern so auf zweifache Weise den malerischen Schlosspark, in dem alte Kastanien und Buchen mit Linden und Tulpenbäumen flüstern.
Wer genau hinsieht, entdeckt auch die Schießscharten. Sie erinnern daran, dass die einstigen Schlossbewohner nicht nur romantischen Gefühlen nachhingen, sondern sich schlicht ihrer Haut zu wehren hatten. Und die Steinkästen hoch an den Schlossmauern verweisen auf Bedürfnisse profaner Art: Es handelt sich um Außenklos. Sie wurden so konstruiert, dass die Fäkalien direkt in den Schlossgraben plumpsten. Schlossherr Bronsart musste 3500 Kubikmeter Schlamm ausheben lassen, um die Graft von den stinkenden Hinterlassenschaften der Jahrhunderte zu befreien.

Das nötige Geld für all die kostspieligen Arbeiten erwirtschaftet die Familie nicht nur aus der angeschlossenen Landwirtschaft, sondern auch aus der Vermietung der Schlossräume für Firmenpräsentationen, Hochzeiten, Empfänge oder Geburtstage. An repräsentativen Räumlichkeiten fehlt es wahrlich nicht: Im Hochparterre etwa verbindet eine Halle mit großem Kamin den Grauen und den Roten Saal. Das Kreuzgewölbe mit den griechischen Säulen gibt diesen Sälen ein so hochherrschaftliches Gepräge, dass sich jeder Gastgeber wie ein kleiner König fühlen darf. Rustikaler nimmt sich im Vergleich dazu der 200 Quadratmeter große Rittersaal aus, der sich wie der kleine Rittersaal in der ersten Etage findet. Neben den historischen Plumpsklos sind hier auch alte Handwaschbecken zu besichtigen. Anders als in früheren Zeiten darf von hier aus allerdings kein Abwasser mehr in den Schlossgraben rieseln.

In der historischen Schlossküche dagegen wird immer noch gebrutzelt. Und in dem 3,50 Meter tiefen Backofen aus dem Jahre 1548 kann nach wie vor Brot gebacken werden wie in alten Zeiten. Wer ganz tief in die Vergangenheit hinabsteigen möchte, kann sich auch im Kellergewölbe verköstigen lassen. Die Chance, hinter einer der düsteren Säulen auf den Poltergeist des Hauses zu treffen, dürfte recht hoch sein.

Im Allgemeinen ist dieser Spuk durchaus werbewirksam. Es soll aber auch Gemüter geben, die aus Angst vor einer nächtlichen Begegnung lieber von einer Hochzeitsfeier im Schloss absehen. Der Hausherr dagegen hat seinen Frieden mit den Gespenstern geschlossen. „Ich habe das Gefühl, dass unsere Vorfahren uns hier beschützen“, sagt von Bronsart. Die geglückte Restaurierung scheint ihm recht zu geben.

Selbst die Scheunen hat der Oberstleutnant a. D. so hergerichtet, dass darin in großem Stil gefeiert oder für Autos oder andere Erzeugnisse der gehobenen Kategorie geworben werden kann. Tagesbesucher müssen sich mit der Außenansicht begnügen. Schlossbesichtigungen oder -führungen sind in der Regel nicht möglich; das Betreten des Schlosshofs indessen wird niemandem verwehrt. Ein Schild lädt sogar ausdrücklich dazu ein: „Eine Besichtigung im Bereich vor dem Schloss bis zum Torbogen des Innenhofes ist erlaubt“, steht darauf. Nicht wenige Busgesellschaften nutzen die Chance.

Schlossgeist Jobst von Mengersen allerdings lässt sich am hellichten Tage natürlich nicht blicken. Brautpaare, die in einem der Gästezimmer des Schlosses ihre Hochzeitsnacht verbringen, können indessen darauf hoffen, dass ihnen der bleiche Jobst im matten Licht des Vollmonds einen kurzen Besuch abstattet. Gefährlich scheint der Spuk aber nicht zu sein: Noch haben ihn alle überlebt.

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