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Klassenzimmer mit Vergangenheit Das "Versailles der Welfen"

Das versunkene Salzdahlum Das "Versailles der Welfen"

Das sagenumwobene „Atlantis“ steht für Reiche, die im Nichts versanken. Auch im Braunschweigischen soll es ein Reich von ungeheurer Pracht gegeben haben, das nur noch in der Phantasie der Nachgeborenen existiert: Salzdahlum.

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Die Rekonstruktion zeigt den Blick aus dem Barockgarten auf die Westansicht des Schlosses und die U-förmig eingefasste Gartenterrasse.

Quelle: Schloss Wolfenbüttel

Aber dieses „Atlantis“ ist kein Phantasieprodukt, sondern historisch verbürgt. Seine Entstehung fällt in die Zeit des Herzogs Anton Ulrich. In seiner Prunksucht begnügte sich der Welfe nicht mit dem ererbten Schloss in Wolfenbüttel; er baute sich ein Lustschloss mit riesigem Barockgarten, das den kunstsinnigen Zwergstaaten-Fürsten auf eine Ebene mit Frankreichs König Ludwig XIV. heben sollte: Salzdahlum. Die von 1688 bis 1710 errichtete Schlossanlage am Rande Braunschweigs wird denn auch als „Versailles der Welfen“ gerühmt. Dass die Prunkbauten im Wesentlichen aus Fachwerk bestanden, sah man ihnen nicht an.

Das Herzstück Salzdahlums bildeten die Festräume im Corps de Logis. Ein zweigeschossiges Treppenhaus führte zu einem Festsaal mit rot marmorierten Säulen und einem Balkon, der einen Blick auf den Garten erlaubte. Unterhalb des Corps de Logis befand sich eine Grotte mit künstlichem Wasserfall, die einem römisch-antiken Tempel nachempfunden war.

Wie im Stammhaus Wolfenbüttel ließ Anton Ulrich für sich und seine Gemahlin in Salzdahlum repräsentative Appartements errichten – für seine zahlreichen Kinder fand sich ausreichend edler Wohnraum im zweiten Stock. Vor allem nutzte Anton Ulrich sein „Versailles“, um seine riesige Kunstsammlung angemessen unterzubringen. Da ihm die „Große Galerie“ bald nicht mehr reichte, ließ er bis 1710 weitere Gebäude errichten. Auch ein Theater kam hinzu.
Soviel Prunk lockte berühmte Besucher an. Stolz begrüßte Anton Ulrich im Jahre 1713 den russischen Zaren Peter den Großen in Salzdahlum. 1733 feierte der spätere König von Preußen, Friedrich der Große, seine Hochzeit mit einer Großnichte Anton Ulrichs, mit Elisabeth Christine von Bevern. Zu dem Zeitpunkt war der Herzog allerdings lange tot. Anton Ulrich starb 1714, hinterließ etwa eine Millionen Taler Schulden – und ein Lustschloss, das enorme Kosten verursachte. In der Zeit der napoleonischen Besatzung ließ König Jerome von Westfalen, Napoleons Bruder, zwischen 1811 und 1813 das „Versailles der Welfen“ abreißen, den Barockgarten einebenen – die Gemäldesammlung wurde nach Frankreich verschleppt.

Heute erinnert im Schloss Wolfenbüttel ein Raum an das Lustschloss, das zum Luftschloss wurde. Per Computeranimation können sich Besucher in das Salzdahlum der Vergangenheit versetzen (die DVD ist für 10 Euro zu erwerben). Teile der gewordenen Kunstsammlung Anton Ulrichs sind im Herzog Anton-Ulrich Museum in Braunschweig zu bewundern.

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Hausbesuch

Der Weg zum Schloss Wolfenbüttel führt über den einstigen Exerzierplatz und mündet in einem repräsentativen Triumphbogenportal. Wer’s sehr eilig hat, riskiert vielleicht einen schnellen Blick auf den kopfsteingepflasterten Schlosshof mit den schönen Arkadengängen.

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