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Klassenzimmer mit Vergangenheit Prunk im Antichambre

Hausbesuch Prunk im Antichambre

Der Weg zum Schloss Wolfenbüttel führt über den einstigen Exerzierplatz und mündet in einem repräsentativen Triumphbogenportal. Wer’s sehr eilig hat, riskiert vielleicht einen schnellen Blick auf den kopfsteingepflasterten Schlosshof mit den schönen Arkadengängen.

Aber wer ein bisschen Zeit mitbringt, sollte dieses Schild beachten: „Besuchen Sie die prunkvollsten Räume des Hochbarock in Norddeutschland.“

Es lohnt sich, dieser Einladung ins Schlossmuseum zu folgen. Denn tatsächlich sind darin 14 Prunkräume zu besichtigen, die so lebensnah gestaltet sind, als würden Herzog Anton Ulrich und seine Frau Elisabeth Juliane noch immer darin Hof halten. Das Appartement des Herzogs beginnt mit dem Vorzimmer (Antichambre), in dem einst die Gesandten darauf warteten, vorgelassen zu werden und dabei schon mal einen ersten Eindruck von der Größe des Herzogs bekommen sollten. Die Stuckdecke, der kassettierte Holzfußboden und die mit grünem Seidendamast bespannten Wänden schaffen einen edlen Rahmen für die Ahnengalerie des Welfenhauses und manch kostbares Möbelstück.

Das anschließende Audienzzimmer ist ganz beherrscht vom Audienzstuhl, der durch ein Podest und einen roten Samtbaldachin hervorgehoben ist. Auf diesem Thron empfing der Herzog einst dreimal in der Woche ausländische Diplomaten. Nur die ranghöchsten Besucher bekamen Zutritt zum nächsten Raum, dem Paradeschlafzimmer. Das Bett war allerdings nur Dekoration, der Herzog pflegte auf einem davor stehenden Armsessel zu sitzen. Zum Schlafen, heißt es, nutzte er seine Privatgemächer – im Kabinett hingegen erledigte er seine Korrespondenz. Der Schreibtisch hier sieht immer noch aus, als habe der Herzog gerade im Schein der beiden Kerzen einen Brief geschrieben.

„Wir versuchen, das Schloss so lebendig wie möglich zu gestalten, Geschichte zum Anfassen zu präsentieren“, sagt Museumsleiter Hans-Henning Grote, der die Prunkräume in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt hat. Klapptafeln informieren über den Alltag am Hof des Wolfenbütteler Barockfürsten – zum Beispiel über die Speisen, die üblicherweise beim Mahl der fürstlichen Familie im „Venussaal“ aufgetischt wurden. Der Tisch ist nach wie vor gedeckt. An den Pasteten würde man sich jedoch die Zähne ausbeißen: Sie sind aus Plastik. Echt dagegen ist das Silbergeschirr, das bis etwa ins Jahr 1740 die fürstliche Tafel schmückte.

Im benachbarten Appartement der Herzogin ist der Tisch bereits mit Porzellan gedeckt – mit Teller und Tassen aus der Porzellanmanufaktur Fürstenberg, die 1747 auf Schloss Wolfenbüttel gegründet wurde. Auch sonst wartet das Herzoginnenappartement mit so manchem Luxus auf, ist reich mit Stuck und Deckengemälden geschmückt und mit Barockmöbeln, Wirkteppichen und Gemälden ausgestattet. Von besonderem Reichtum zeugt das Intarsienkabinett der Herzogin; Einlegearbeiten mit Elfenbein zieren die holzgetäfelten Wände.

So kann sich der Besucher bei einem Rundgang über die knarrenden Holzdielen der Prunkgemächer ein Bild vom Tagesablauf des Fürstenhofes machen – vom Frühstück bis zur Abendunterhaltung mit Tanz und Glücksspiel.

Wer viel Zeit mitbringt, sollte einen Besuch der benachbarten Herzog-August-Bibliothek nicht verpassen. Die musealen Räume in der Bibliotheca Augusta sind täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen; der Eintritt beträgt 3 Euro und gilt auch für das Lessinghaus, das allerdings nur samstags und sonntags zwischen 10 und 17 Uhr zu besichtigen ist.

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