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Schloss Dankern

Tradition und Freizeitpark

Von Heinrich Thies

Neues auf altem Gelände: Das emsländische Schloss Dankern umgibt ein riesiger Freizeitpark für Familien mit Kindern.
Schloss Dankern

Vielseitig: Ob Führung durchs barocke Tor oder der Freizeitpark, für jeden ist etwas dabei.

© www.schloss-dankern.de

Kinderlärm schallt über den Schlossgraben. Das Flöten der Amseln wird übertönt von Diskomusik. Auf dem großen Balkon auf der Rückseite von Schloss Dankern treffen Klangwelten unterschiedlicher Art aufeinander. Das abendliche Vogelkonzert im angrenzenden Schlosspark mischt sich an diesem lauen Frühlingsabend mit dem fröhlichen Tosen eines Rummelplatzes. Von majestätischer Entrücktheit kann auf diesem Balkon zwischen barocken Putten und ehrwürdigem Steingeländer keine Rede sein. Der Sound der Jetztzeit umweht das alte Gemäuer.

Empfindliche Schlossbewohner könnten sich dadurch gestört fühlen. Friedhelm Freiherr von Landsberg-Velen aber sieht es gelassen. „Wenn die Leute nicht durch den Park toben würden, könnte ich es mir nicht leisten, hier zu leben“, sagt der 55 Jahre alte Schlossherr mit einem feinen Lächeln. „Sie haben dafür bezahlt, dass sie hier sind – und sie helfen mir damit, das alles hier zu erhalten.“

Der Baron, wie der Vater von drei erwachsenen Kindern von seinen Mitarbeitern genannt wird, ist Herr über Schloss Dankern – einem gut 300 Jahre alten Wasserschloss im emsländischen Haren, acht Kilometer vor der niederländischen Grenze. Der Erhalt der barocken Dreiflügel-anlage mit dem Englischen Garten und den benachbarten Gutsgebäuden verschlingt ein Vermögen. Ein Kraftakt, wie ihn der steinerne Herkules verkörpert, der im Schlossgarten die Weltkugel stemmt.

Die Familie hat daher bereits 1970 damit begonnen, den Schlosspark in einen Freizeitpark zu verwandeln, um das nötige Geld dafür zusammenzubekommen. 730 Ferienhäuser mit 4400 Betten verteilen sich mittlerweile auf dem 200 Hektar großen Gelände. Schloss Dankern ist damit die größte geschlossene Freizeitanlage Deutschlands. Ein Schloss mit Spaßbad, Hochseilgarten, Schlittschuhbahn, Autoscooter, Kletterburg, Kartbahn und weiteren Attraktionen – überdacht und unter freiem Himmel. Tradition und Riesenrutsche sind auf diesem weitläufigen Gelände zwischen Geestrücken und Moor eine eigentümliche Verbindung eingegangen. Der Schlossherr führt die Regie, aber Familien mit Kindern geben den Ton an.

Jeden Dienstag öffnet der Baron sein Haus auch für Schlossführungen, sogar ein Gottesdienst findet dann morgens in der Schlosskapelle statt. In der übrigen Zeit trennt der Wassergraben das Schloss vom umliegenden Freizeitpark. Wer es darauf anlegt, kann aber trotzdem die Brücke passieren. Das große weiße Tor steht immer offen. Und manch einer, der hier Ferien macht, dürfte sich der Grenzüberschreitung gar nicht bewusst sein.

Das bewaldete Gelände indes bietet auch außerhalb der Schlossinsel ausreichend Möglichkeiten, um dem Rummel zu entfliehen. Zwischen den Buchen-, Erlen- und Eichenhainen findet sich immer ein ruhiges Plätzchen, und wer mag, kann am großen See entlangspazieren, der im Sommer zum Baden und Bootfahren lädt und einen Sandstrand von drei Kilometern Länge zu bieten hat. Sogar eine Wasserskianlage findet sich an dem 40 Hektar großen Gewässer.

Unmittelbar neben dem See ist der Familienfriedhof der Schlossbesitzerfamilie angelegt. Hier wurde erst vor wenigen Wochen der Vater des derzeitigen Schlossherrn beigesetzt. Manfred Freiherr von Landsberg-Velen, der am 13. Februar im Alter von 86 Jahren gestorben ist, legte 1970 den Grundstein zum Freizeitpark. „Das Schloss stand damals vor dem Verfall, es war klar, dass es so nicht weitergehen konnte“, erzählt der Sohn. Angeregt durch einen Bekannten aus den Niederlanden habe sein Vater damit begonnen, die ersten 184 Ferienhäuser zu bauen. Holzhütten im Moor? Die Skepsis war groß. „Wenn der Baron sein Geld versenken will, dann soll er“, kommentierte der damalige Regierungspräsident.

Doch der Mut wurde belohnt: Der Ferienpark wuchs von Jahr zu Jahr. 1987 wurde auf Schloss Dankern in einer riesigen Halle der erste Indoor-Spielplatz Deutschlands eröffnet. Zudem beeindruckt der Freizeitpark dadurch, dass die Gebäude des früheren Gutshofs eine neue Nutzung erfahren: Der Kuhstall wurde zur Kegelbahn, die Kornkammer zur Rezeption, das Gesindehaus zum Kino.

Mittlerweile stehen 1200 Ferienhäuser auf dem Schlossgelände – 450 davon im Besitz von Dauernutzern. Hinzu kommt ein großer Abstellplatz für Wohnmobile. Der Ferienpark spricht besonders Familien mit nicht so prall gefüllten Geldbörsen an. Die Häuser, die bis zu sechs Personen Platz bieten, kosten in der Vorsaison zwischen 300 und 450 Euro pro Woche und in der Hauptsaison zwischen 700 und 1000 Euro. Die meisten Freizeitangebote sind inklusive – Spaßbad ebenso wie Spieleland. Sogar Fahrräder werden kostenlos verliehen. Und wer nicht selbst kochen will, kann auch zu moderaten Preisen essen gehen – etwa in der „Deele“, einem neugebauten Backsteintempel mit Gewölbedecke und angeschlossenen Terrassen. Wer dagegen feudalen Wellness-Urlaub bevorzugt, ist hier falsch. Schloss Dankern ist ganz auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen eingestellt.

Der Schlosscharakter indessen prägt auch die moderne Freizeitwelt. Die Disko zum Beispiel heißt nicht zufällig „1680“. Der Name weist auf das Baujahr von Schloss Dankern hin, und die Innenausstattung ist einem herrschaftlichen Gewölbekeller nachempfunden. Selbst die Kletterburg „Drago“ auf dem riesigen Spielplatz atmet Geschichte: Am Eingang der Festung prangen die Familienwappen des Schlossherren und seiner Frau Caroline, die dem Adelsgeschlecht des Hauses Kayserling entstammt.

Vom Fenster ihrer Schlosswohnung können die beiden sogar einen Blick auf die Kletterburg mit ihren Wappen werfen. Nur der Schlossgraben trennt die Familie vom großen Spielplatz. „Ich finde es gut, dass wir dadurch etwas Abstand haben“, sagt Landsberg-Velen. „Mehr Abstand muss aber auch nicht sein.“

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