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Singende Autos und Lampen im Grammophon-Museum

Algermissen Singende Autos und Lampen im Grammophon-Museum

MP3-Player und Co. sollen heute möglichst klein sein. Grammophone gab es früher dagegen sogar in der Form von Autos, und auch Lampen, die Musik machen, waren nicht unbekannt. Im kleinen Museum von Helmut Ruthemann lassen sich die nostalgischen Tonträger bewundern.

Leidenschaftliche Sammler seien oft erst glücklich, so heißt es, wenn sie ihre Schätze einem größeren Publikum zeigen und kompetent erklären könnten. Wenn das stimmt, dann muss Helmut Ruthemann sehr glücklich sein. Denn in den vergangenen acht Jahren konnte er sein Grammophon-Museum im Rottenweg 8 in Groß Lobke unweit von Algermissen (Kreis Hildesheim) rund 7500 Besuchern näherbringen. Untergebracht sind die 240 Exponate in einem kleinen, aber feinen Häuschen, in dem er und seine Frau auf zwei Etagen alle Grammophone nebst Zubehör aufgestellt und liebevoll dekoriert haben. Geöffnet ist von April bis September jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr; der Eintritt ist frei,

Der wenige Strom, der hier verbraucht wird, muss ein paar Lampen und Deckenstrahlern angelastet werden, die die Geräte ins rechte Licht setzen. 95 Prozent dieser schönen Plattenspieler funktionieren mechanisch. Jungen Leuten, die erstaunlich oft das Museum besuchen, macht Ruthemann ab und zu mal klar, wie abhängig sie dagegen vom Strom sind mit ihren MP3-Playern. Selbst sein ältestes Trichtergrammophon – von 1895 – macht nach mehr als einem Jahrhundert noch einwandfrei Musik und ist, wie alle anderen Geräte, voll funktionsfähig.

In der ersten Etage gibt es zwei Räume mit sogenannten Tonmöbeln, überwiegend aus edlem Holz, meist imposant anzusehen und einst nicht gerade etwas für Arbeiterstuben. Es gibt auch ein Kinderzimmer mit Grammophonen in verschiedenen ungewöhnlichen Formen, vom Auto bis zur Minimusiktruhe. In den unteren Räumen stehen auf langen Regalen, neben- und übereinander, kleine und große Trichter-Grammophone, darunter viele von dem Deutschen Emil Berliner Ende des vorletzten Jahrhunderts entwickelte Tonträger, aber auch einige aus den USA, England und Frankreich.

Oft schmunzeln lassen die Phonolamps: Grammophone, die leuchten, oder Lampen, die Musik machen. Besonders auffällig ist ein solches Leuchtobjekt von 1916, das fast zwei Meter hoch ist und einen schön geschnitzten Lampenschirm hat. Etwa aus der gleichen Zeit stammt die „Capitol Phonolamp“, eine mit rotem Stoff bespannte Lampe, die man sich gut in einem etwas anrüchigen Milieu der zwanziger Jahre vorstellen kann. Als Zubehör können beispielsweise in hübschen kleinen Döschen Grammophonnadeln zum Abspielen der Schellackplatten bewundert werden, von denen Ruthemann auch echte Raritäten hütet.

Wenn der Museumschef allerdings jungen Leuten mal Rudi Schurikes „Wenn bei Capri die rote Sonne ...“ oder Rosita Serranos „Roter Mohn, warum welkst du denn schon ...“ vorspielt, nennen die das „seelische Folter“ und rufen nach Amnesty International. Ganz anders die Reaktionen reiferer Damen, die bei diesen Tönen manchmal wehmütig seufzen und in Erinnerungen schwelgen.

Neben Wissenswertem zur Entwicklungsgeschichte der Grammophone von 1890 bis 1940 weiß Helmut Ruthemann während seiner Führungen auch allerlei Anekdoten einzuflechten. Deshalb kann solch ein Rundgang durch das Haus schon mal länger als zwei Stunden dauern. Gruppen sollten unter Telefon (0 51 26) 10 69 einen Termin vereinbaren.

Groß Lobke gehört zur Gemeinde Algermissen, die einen Abstecher lohnt. Es gibt dort, mitten im Ort in der Marktstraße 10, die katholische St.-Matthäus-Kirche mit einem sehenswerten Barockaltar aus dem frühen 18. Jahrhundert. Ebenso sehenswert sind das Gestühl mit den geschnitzten Wangen unddie 20 Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert auf dem Dorffriedhof.

Mit S-Bahn 3 bis Algermissen (verkehrt etwa jede Stunde), weiter mit Bus 23 (15 Minuten Fahrzeit). Mit dem Auto auf der B 65 bis Sehnde, im Ort der Ausschilderung nach Groß Lobke folgen.

Monika Ukermann

Rottenweg 8, algermissen 52.26887 10.00806
Rottenweg 8, algermissen
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