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Detmold

Freilichtmuseum als Familienalbum


Pferdewagen, Stall und Hof: Auf dem Gelände des Freilichtmuseums bei Detmold tauchen die Besucher in alte Zeiten ein. Besondere Attraktion ist das historische Fotostudio, in dem die Gäste selbst zum Fotografen werden können.

Detmold. Still liegt die Hofanlage im herbstlichen Licht. Das Tor ist weit geöffnet; die Schubkarre lehnt an der Wand; der Misthaufen dampft; im Bauerngarten wachsen Blumen. Es scheint, als wäre der Bauer gerade nur mit Pferd und Wagen aufs Feld gefahren: So realitätsnah offenbart sich das Ensemble dem Gast. Dabei gehört es zu einem Freilichtmuseum.

Nahe der Stadt Detmold stehen auf einem riesigen Areal mehr als hundert Gebäude. Die Häuser haben alle etwas gemeinsam: Sie befanden sich früher ganz woanders. Einige waren dem Verfall preisgegeben; andere sollten abgerissen werden. Manchmal hatte sein Eigentümer auch kein Interesse mehr an einer Nutzung. So gelangten Haus und Hof, Stall und Speicher, Kotten, Kapelle und drei Mühlen aus dem Münsterland oder dem Wesertal, aus der Senne oder dem Mühlenkreis Minden-Lübbecke nach Detmold. Morsche Einzelteile wurden ersetzt; Gefache neu ergänzt; Dächer eingedeckt. Vor allem aber erfolgte eine zeit- und stilgerechte Einrichtung.

Tafeln erläutern die Bedeutung der dörflichen Gebäude und separaten Hofanlagen. Für einen kleinen Obolus gibt es ausführlichere Beschreibungen der Häuser. Weil das Gelände weitläufig ist, zuckelt ein Kaltblüter-Shuttle genau 20 Minuten vom Eingangspavillon bis ins entfernte „Paderborner Dorf“ und nach einem festen Zeitplan wieder zurück.

Im vergangenen Jahr wurde ein historisches Fotostudio neu aufgebaut. Neben dem im Original erhaltenen Tageslichtatelier sind Sonderausstellungen zu sehen. Einen besonderen Reiz üben 20 Kamerastandorte aus, an denen Besucher selbst in die Rolle des Fotografen schlüpfen können. Beim Blick durch den Sucher erkennen sie die früheren Bewohner. So wird das ganze Museum zum Familienalbum.

Pferdefreunde sollten sich einer neuen Dauerausstellung widmen. Nach der Schau müssen Interessierte nur an eine der Koppeln treten: Das Museum selbst beteiligt sich an der Weiterzucht der Tiere.

Informationen gibt es unter Telefon (0 52 31) 70 60 oder unter www.lwl-freilichtmuseum-detmold.de im Internet.

Anreise mit der Bahn über Altenbeken oder Herford und weiter mit dem Bus. An Wochenenden gibt es nur eingeschränkte Verbindungen. Anfahrt mit dem Auto über die A 2 (Abfahrt Herford/Bad Salzuflen) und der Bundesstraße 239 nach Detmold. Dort der Beschilderung folgen.

Bernd Althammer

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