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Ein Zugang zur Unterwelt

Langenfeld Ein Zugang zur Unterwelt

Genau 46 Meter surrt ein Fahrstuhl im Süntel quer durch 15 Millionen Jahre Erdgeschichte. Was sich tief unten verbirgt, ist noch viel älter. Durch kalkhaltiges Fossilgestein hat sich Wasser einen Weg gesucht und ein faszinierendes Schauspiel hinterlassen: Kleine Zapfen hängen von der Decke, gelblich und weißlich schimmernde Erhebungen wirken wie Podeste.

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In der Schillathöhle bei Langenfeld im Süntel.

Quelle: Bernd Althammer

Wenigstens 20 Höhlen gibt es in dieser Region; eine davon darf besichtigt werden: die Schillathöhle bei Langenfeld. Hier wird erklärt, wie der Meeresboden von einst auf den Berg kam.

Dass die Höhle überhaupt entdeckt wurde, ist dem Straßenbau zu verdanken. Dort wird das hier gewonnene harte Korallenoolith-Gestein verarbeitet. Deshalb kratzen Baggerschaufeln immer größere Löcher in die Hänge – und legen manchmal Eingänge zu unterirdischen Kavernen frei. Dann untersuchen Höhlenforscher die Unterwelt, die sich vor ihnen auftut.

Doch jedes Betreten der großen und häufiger kleinen Höhlen richtet Schäden an: Licht, Fußtritte, jede Veränderung von Luftfeuchte und Temperatur zerstören schnell das in Abertausenden von Jahren Gewachsene. „Tropfsteine“ etwa dehnen sich in hundert Jahren gerade mal fünf Millimeter aus – als von der Decke hängende Stalaktiten oder als sich vom Boden allmählich „erhebende“ Stalagmiten. Da entstehen mitunter ulkige Gebilde. Wo mehr Wasser sickert, werden Steine regelrecht ausgewaschen.

Gemeinsam mit den Forschern haben sich die Behörden entschieden, eine besonders geeignete Höhle dem Publikum zu öffnen: die 1992 entdeckte Schillathöhle. Dafür ist das weit bedeutendere Naturwunder im benachbarten Riesenberg sorgfältig wieder verschlossen worden. Nur einmal im Jahr dürfen Wissenschaftler das Reich der versinterten Säulen, Figuren und Kalkvorhänge weiter erforschen. Aber bei einer früheren Exkursion haben sie Profifotografen mitgenommen, die mit Stereokameras atemberaubende Bilder entstehen ließen. Diese werden auch Besuchern der Schillathöhle gezeigt: Mit Spezialbrillen auf der Nase können sie die kleine Diaschau am Ende eines Rundgangs verfolgen. Bis dahin haben sie bereits selbst Stalaktiten und Stalagmiten, eine große Sammlung Fossilien und Mineralien und eine kleine Landschaft mit Pflanzen und Dinosauriermodellen betrachten können.

Faltblätter verlocken zudem zu oberirdischen Erkundungstouren: Nur zwei Kilometer entfernt liegt Niedersachsens höchster natürlicher Wasserfall an der Höllenmühle. Fünf Kilometer sind es zur Blutbachquelle, die ihren Namen einer hier im Jahr 782 tobenden Schlacht verdankt. Auf acht Kilometern erstreckt sich ein Rundkurs durch den romantischen Schneegrund; dabei sind Blicke auf den Wasserfall und von den hoch aufragenden Schrabsteinen inbegriffen. Wer ein bisschen mehr Zeit und Ausdauer hat, kann 13 Kilometer schaffen – vorbei an Baxmannbaude und hinauf zum Hohenstein, über das Dachtelfeld mit seinen Süntelbuchen und mit einem Stopp an der Blutbachquelle. Die Tourist-Information Hessisch Oldendorf, Marktplatz 13, Tel. (0 51 52) 78 21 64, www.hessisch-oldendorf.de, ist mit geeigneten Unterlagen behilflich. Die meisten Wege sind zudem beschildert.

Die behindertengerecht gestaltete Schillathöhle kann an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr besucht werden. Zusätzliche Öffnungszeiten in Ferien sind unter www.schillathoehle.de zu erfahren. 75 Minuten dauert die Führung einschließlich Diaschau. Manchmal ist der Andrang sehr groß, so dass Wartezeiten eingeplant werden sollten. Gruppen ab zehn Personen können sich auch zu anderen Terminen anmelden. Auch Kindergeburtstagsfeiern werden tief unten im Süntel ausgerichtet. Während der Öffnungszeiten betreiben Landfrauen ein kleines Café im Huthaus. Weitere Einkehrmöglichkeiten gibt es sonntags an der Baxmannbaude sowie an Wochenenden in Langenfeld.

Bernd Althammer

öffentliche Verkehrsmittel mit der Bahn über Hessisch Oldendorf, weiter mit dem Bus
mit dem Auto über die A 2 bis Lauenau, weiter über Pohle und Hattendorf nach Langenfeld, Parkplätze hinter dem Ortsausgang auf der linken Seite, von dort wenige Schritte zum Huthaus
weitere Infos Anrufsammeltaxi an Wochenenden, Auskünfte unter (05151) 788988
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