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Wo Goethe fromme Verse notierte

Lügde Wo Goethe fromme Verse notierte

Als Karl der Große hier im Jahre 784 sein Winterlager aufschlug, verbrachte er auch das Weihnachtsfest am Ufer der Emmer. Genau an dieser Stelle direkt vor den Toren der Altstadt von Lügde steht heute die romanische Kilianskirche.

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Vom großen Stadtbrand verschont geblieben: Lügdes älteste Häuser in der Mühlenstraße.

Quelle: Bernd Althammer

Wer diese und andere sehenswerte Kleinodien aufsuchen will, sollte sich für den Bummel mit einem Faltblatt wappnen, das beim Lügde-Marketing, Am Markt 1, Telefon (052 81) 77 08 70, www.touristinformationluegde.de, bereitgehalten wird.

Ein Osterrad, das als Denkmal an der Einmündung der Bahnhofstraße in die Mittlere Straße steht, erinnert an den seit mehr als 2000 Jahren praktizierten heidnischen Brauch der vom Berg hinabgestoßenen Feuerräder. Gleich gegenüber ragt das ehemalige Franziskanerkloster empor, das schon als Viehstall, Strohlager und Krankenhaus diente, bis es Kirche und Kulturzentrum wurde. Nun folgt man der Mühlenstraße zu den ältesten Häusern der Stadt, deren Dielentore allerlei fromme Inschriften aufweisen wie zum Beispiel diese von 1612: „Wen Got wil erquicken, den kan nimant unterdrücken.“

Selbst Johann Wolfgang von Goethe hat sich schon an den frommen Versen erfreut, als er 1801 während einer Kur im nahen Bad Pyrmont für sein späteres Jahresheft notierte: „Gott segne das Haus! Zweimal rannt ich heraus, denn zweimal ist’s abgebrannt. Komm ich zum dritten Mal gerannt, da segne Gott meinen Lauf. Ich bau’s wahrlich nicht wieder auf.“ In der Tat hat Feuer den Lügdern mehrfach übel mitgespielt, zuletzt 1797, als 231 Häuser in Schutt und Asche sanken – und nur einige Fachwerkgebäude in der Mühlenstraße davon verschont blieben. An der Brückenstraße lockt gleich rechts die Überquerung der Emmer. Eine riesige Baustelle dominiert momentan das Tal, weil die Stadt die lang ersehnte Ortsumgehung erhält. Nur ein paar Meter entfernt führt sie künftig am alten Feuerwehrhaus und dem Wehrturm vorbei. Hier wurden früher Ganoven eingekerkert.

Ein hübscher Weg führt nun am Wall entlang. Das war die alte Stadtmauer, die bis heute einen wichtigen Zweck als Hochwasserschutz erfüllt. Sonst hätte Lügde wohl schon oft die Fluten der Emmer zu spüren bekommen.

Das Heimatmuseum samt angegliedertem Café ist außer Silvester und Neujahr dienstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Hier lässt sich nachempfinden, wie hiesige Ackerbürger einst lebten. Eine Rübenpresse ist da zu sehen und auch der „Manteltopf“, in dem die Wäsche sowie im Winter Rüben und Schlachtewurst gekocht wurden. Sogar eine Waschmaschine gab es – mit einem Wassermotor.

Vom Museum ist es nicht weit zur Kilianskirche. Sie ist wegen der Reste von Wandmalereien und der würfelartigen Säulenkapitelle eine bauhistorische Attraktion. Vor dem Eingang erinnert ein Stein an den hier 1628 beigesetzten örtlichen Scharfrichter Matthias Kröcher.

Nun könnte man dem östlichen Wall folgen oder aber durch die Vordere Straße sich der Stadtmitte nähern. Da steht unterwegs das kleine Gigas-Denkmal für den größten Sohn Lügdes: Der Mathematiker und Arzt fertigte zu Beginn des 17. Jahrhunderts den „Kölner Atlas“ und Schaukarten von Bistümern an.

Die Ortsmitte markiert die hoch aufragende katholische Stadtkirche St. Marien. Sie ist erst gut hundert Jahre alt, weil der kleine Vorgängerbau nach Stadtbrand und Feuchteschäden abgerissen werden musste.

Erst im April beginnen wieder vom Museum aus die regelmäßigen Stadtführungen an jedem Sonnabend um 15 Uhr. Wer sich aber mit wenigstens fünf Personen bei der Tourist-Information anmeldet, bekommt einen individuellen Termin. Origineller ist indes der Rundgang mit Nachtwächter Werner Friese, Telefon (052 81) 771 20. Er zeigt nicht nur Altstadt und Museum, sondern klettert mit seinen Gästen sogar in den Wehrturm.

von Bernd Althammer

öffentliche Verkehrsmittel mit S5 an allen Tagen im Stundentakt bis Lügde
mit dem Auto über B 217 und B 83 bis Emmerthal, weiter über Bad Pyrmont, Parkplätze am Bahnhof oder direkt in der Stadtmitte am Markt
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