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Wo man an der Nase herumgeführt wird

Holzminden Wo man an der Nase herumgeführt wird

Wenn es um Düfte und Aromen geht, gibt es europaweit nur ein Zentrum. Das liegt an Ferdinand Tiemann und Wilhelm Haarmann. Die beiden Chemiker haben 1874 den Geschmack der teuren Vanilleschote aus dem Rindensaft von Fichten künstlich hergestellt – in Holzminden.

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Fachwerkhaus in Holzminden

Quelle: Karin Blüher

Heute steht der Firmenname Symrise für Produkte, die Menschen riechen, schmecken oder fühlen können.

Das darf man bei einem Besuch in der Weserstadt unweit vom Solling getrost wörtlich nehmen. Denn Gäste werden beim Bummel durch die alten Straßen regelrecht an der Nase herumgeführt. 15 Stelen stehen auf der Route eines Duftspaziergangs, der an allerlei Historischem vorbeiführt. Sie vermitteln Wissenswertes über das gerade geschnupperte Aroma und über die Sehenswürdigkeit in direkter Nachbarschaft.

Für dieses Besucherleitsystem der besonderen Art bietet die Stadtinformation, Obere Straße 30, Telefon (0 55 31) 93 64 23, www.holzminden.de, gegen eine kleine Gebühr eine ausführliche Broschüre samt Stadtplan an, sodass sich eigentlich niemand verlaufen kann. Zugleich erzählt das Heft die komplette Stadtgeschichte und die wichtige Rolle, die Wald und Weser hier einst spielten. Nicht minder interessant aber ist die Entwicklung der künstlichen Riech- und Geschmacksstoffe. Jeder Mensch kommt im Alltag damit in Berührung: beim Zähneputzen, beim Wäschewaschen, bei den Mahlzeiten. Und natürlich beim Auftragen von Parfüm. Die Stadt hat sogar einen eigenen „Duft“: An der ersten Station am Haarmannplatz kann man dabei an der kleinen silbernen Säule die typischen Bestandteile des Weserberglands erschnuppern, die es in kleinen Fläschchen sogar zu kaufen gibt.

Aber vorher sollte man auch den anderen Gerüchen auf die Spur kommen. Natürlich muss es an der nahen Fachhochschule nach Vanillin riechen, weil auch dort gelehrt und geforscht wird. Dem Gründer der Schule ist ein Denkmal gewidmet. Dann geht es in die Altstadt. Vorbei am Reichspräsidentenhaus mit Glockenspiel und dem Duft von Zitrusfrüchten ist das Tillyhaus Etappenziel. Vielleicht hat der Feldherr hier wirklich eine Nacht verbracht. Den Duft von Kamille hat er auf seinen Feldzügen bestimmt oft erlebt.

Nach einem kleinen Stück entlang der Weser zweigt die Route durch die gleichnamige Straße ab zur Lutherkirche. Natürlich kommt hier der Impuls aus der Bibel: Es riecht nach Salböl. Und zum Duft von Äpfeln macht man flüchtige Bekanntschaft mit einem weiteren berühmten Holzmindener: Der Dichter Wilhelm Raabe verbrachte Kinderjahre im „Goldenen Winkel“. Ein Stück weiter, am Niederen Tor, steht ein Brunnen mit der Figur aus einem seiner berühmten Romane: „Bleib in den Stiefeln, Mensch, so lange als möglich“, sagt Klaus Eckenbrecher.

Pfefferminze am Rathaus und Weihrauch am Torhaus Katzensprung setzen den sinnlichen Rundgang fort, bis schließlich Fichtennadel am Severinschen Haus und Patchouliöl am Marktplatz fast ein wenig betörend wirken. Dabei gibt es an manchen Tagen hier noch weit mehr Gerüche, wenn Markt ist. Bei dem bunten Treiben übersieht man dann fast den rastenden Ackerbürger aus Bronze oder das beeindruckende Relief aus gleichem Werkstoff, das Holzminden aus der Vogelperspektive darstellt.

In der Oberen Straße wird endgültig der Beweis angetreten, dass wohlriechende Düfte selbst Abgasen den Garaus machen. Bis vor ein paar Jahren quälte sich der Durchgangsverkehr hier hindurch, nun plätschert hier ein siebenteiliger Brunnen. Jede Fontäne entspricht einem Wochentag, jedem Wasserstrahl ist ein eigener Geruch zugeordnet. Von Vanille bis Zimt reicht die Palette. Wem es nun genug in der Nase gekitzelt hat, der kann sich gleich auf eine weitere Entdeckungsreise begeben. Künstler haben vor Jahren bei einem Symposion bemerkenswerte Spuren hinterlassen. Sie befinden sich im Park hinter der Fachhochschule.

Bernd Althammer

öffentliche Verkehrsmittel Mit der Bahn über Kreiensen nach Holzminden.
mit dem Auto Über B 3 und B 64. Parkplätze unter anderem am Weserufer.
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