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Zwischen Siebenquellen und Stausee

Lügde Zwischen Siebenquellen und Stausee

Mindestens einmal war Karl der Große da. Es gilt als sicher, dass er im Jahre 784 mit seinem Gefolge in der „Villa Liuhidi“ Station machte, vielleicht die Kilianskirche gründete und möglicherweise auch die heute so bezeichnete Herlingsburg belagerte, die bereits in der vorrömischen Eisenzeit existierte.

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Eine Villa voller Märchen

Bemerkenswertes Zeugnis aus romanischer Zeit: St. Kilian in Lügde.

Quelle: Bernd Althammer

Schon damals ließ man – stets am ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond – brennende Osterräder hinab zur Emmer rollen. Ob der Kaiser bei seinen Kriegszügen gegen die Sachsen jemals die landschaftliche Schönheit der Gegend wahrnahm, ist nicht überliefert.

Dabei reizt die stille Gegend zwischen der kleinen Stadt Lügde und dem nahen Schiedersee zu einer abwechslungsreichen Wanderung. Im Tal des Eschenbachs gluckern gleich sieben Quellen, sodass die zur Stromgewinnung aufgestaute Emmer zu allen Jahreszeiten ein interessantes Panorama bietet. Im Sommer natürlich noch mehr, weil dann ein kleiner Ausflugsdampfer verkehrt, Surfer ihre Künste vorführen und Tretboote umherschippern. Aber auch jetzt im Winter hat der 14 Kilometer lange Rundkurs seinen Reiz, der nicht beschwerlich ist. Nur wenn die Waldarbeiter die frisch geschlagenen Stämme aus dem Unterholz ziehen, kann es hier und da zu Behinderungen kommen.

Im lauschigen Grund des Eschenbachs passiert das aber ganz bestimmt nicht, weil dort nur ein schmaler Pfad dem munteren Wasser folgt. Kopfweiden säumen das schmale Ufer; kleine hölzerne Übergänge und eine große steinerne Brücke ziehen das Interesse auf sich. Hier ist man auf dem mit X 6 markierten „Niedersachsenweg“, der sich so nennt, weil er vom Hermannsdenkmal über die westfälisch-niedersächsische Landesgrenze bis nach Hameln führt.

Auf den X 6 stößt man mitten in der bahnhofsnahen Altstadt und folgt ihm über die Emmerbrücke. Falls diese wegen Bauarbeiten gesperrt sein sollte, gibt es am südlichen Stadtende einen weiteren Übergang. An diesem orientieren sich auch die Autofahrer. Gleich hinter der Brücke zweigt nach rechts die Straße Unter den Klippen ab. Hier oder in der linken Seitenstraße An der Oelwiese wird ein Parkplatz gesucht. Durch die „Oelwiese“ führt die Wanderroute. Als Karte empfiehlt sich das Blatt „Naturpark Weserbergland“ der Landesvermeessung und Geobasisinformation Niedersachsen (LGN), das beim Herausgeber und im Buchhandel erhältlich ist.

Der X 6 streift auch die Siebenquellen. Eine Zeichnung vermittelt direkt am Weg einen Eindruck von dem Hanggelände, sodass man getrost das Naturschutzgebiet in Ruhe lassen kann. Nachdem der Schierenberg umrundet ist, erkennt man in Höhe der kleinen Landstraße die markante zweithöchste Erhebung des Weserberglands, den Köterberg, in der Ferne. Bald nach dem ehemaligen Gasthaus Hermannstal führt die Route hinauf in den Wald. Eine große Infotafel weist auf die Herlingsburg hin, deren Wälle das ganze Bergplateau umgeben, sodass Menschen und Tiere auf über sieben Hektar Fläche Schutz finden konnten. Quer über den Berg verlief einst die Grenze zwischen den Kleinstaaten Lippe und Waldeck-Pyrmont. Ein sorgfältig gepflegter Grenzstein von 1713 weist darauf hin.

Im Tal ist ein Stück dem X 2 in südlicher Richtung bis zum heutigen kleinen Luftkurort Glashütte zu folgen. Hier zwischen Wald und Wasser wurde schon um 1700 Glas produziert, doch nach gut hundert Betriebsjahren zogen die Glasmacher aus Rentabilitätsgründen fort. Es gibt einige Einkehrmöglichkeiten. Ansonsten marschiert man in Richtung Stausee, wo zumindest sonntags ab 11 Uhr und ab April dann wieder täglich die Moses-Hütte mit hübschem Blick auf den See zur Einkehr lockt. Es lohnt sich, jenseits der Staumauer dem Hinweis zum Wasserkraftwerk zu folgen. Hinter großen Scheiben produziert die Turbine in jeder Sekunde mindestens 25 Kilowatt Strom.

Zurück nach Lügde geht es auf dem mit X 8 beschilderten Emmerweg. Der Zugang erfolgt wenige Meter nordwestlich der Moses-Hütte von der Landstraße aus. Anfangs durch den Wald mit flüchtigen Ausblicken auf die Emmer, später jedoch durch das hügelige Land zieht sich die Route bis vor die kleine Stadt. Vor ihr ragt rechts die St.-Kilians-Kirche auf, deren Grundmauern aus der Zeit Karls stammen und die in ihrem heutigen Zustand auf die Zeit um 1200 zurückgeht. Der kleine Abstecher lohnt wegen der Reste von Wandmalereien und den würfelartigen Säulenkapitellen in dem dunklen Gotteshaus. Direkt vor dem niedrigen Portal steht ein kurioser Stein, der eine Gänsehaut auslösen könnte: Er wurde 1628 dem örtlichen Scharfrichter Matthias Kröcher aufs Grab gesetzt.

Bernd Althammer

öffentliche Verkehrsmittel mit der S-Bahn bis Lügde
mit dem Auto über B 217 und B 83 bis Emmerthal, weiter über Bad Pyrmont, am Ortsende Richtung Blomberg, gleich hinter der Emmerbrücke nach rechts in die Straße Unter den Klippen abbiegen
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