Viel mehr können die Säugetiere an Land auch gar nicht machen. Mit ihrer doch recht plumpen Körperform und den Schwanzflossen sind die bis zu 150 Kilogramm schweren Tiere zu Lande keine Bewegungskünstler. Wer ihnen zu nahe kommt, wird erleben, dass die rundlichen Tiere schnellstmöglich gen Wasser rutschen. Diese Fortbewegungsweise, die auch „robben“ genannt wird, sieht dabei weder elegant noch effektiv aus.
Sobald der Seehund aber das Wasser erreicht, zeigt er seine Fähigkeiten. Wenn es um die Fischjagd geht, gleiten die Tiere bis zu 35 Stundenkilometer schnell durchs Wasser. Ihr durchschnittliches Tempo liegt bei acht bis zehn Stundenkilometern - genug, um auch Gegenströmungen zu meistern. Weil die Säuger pro Tag rund fünf Kilogramm Fische oder Krebse brauchen, schwimmen sie bei Flut oft schon morgens zur Jagd und sind dann gleich mehrere Tage lang auf Beutezug. Schließlich will die umfangreiche Speckschicht gepflegt sein. „Im vergangenen Jahr gab es 2407 Seehunde an der niedersächsischen Küste“, sagt Eva Baumgärtner, Mitarbeiterin der Seehundstation Friedrichskoog.
Ab Ende Juli wird sich in der Seehundkolonie gepaart, und im Herbst sind dann fast alle Weibchen trächtig. Im Sommer darauf gebären die Seehundweibchen nach elf Monaten Tragzeit auf einer trockenen Sandbank einen Welpen, der mithilfe der Seehundmilch (45 Prozent Fettgehalt!) zu einem properen Kerlchen heranwächst. Ist die Mutter außer Sicht, fangen die Kleinen schnell an zu heulen. Ein herzzerreißender Gesang, der auch menschliches Mitgefühl weckt. Allerdings: Die meisten Mütter sind nur kurz mal weg und kümmern sich dann wieder um ihren Nachwuchs.
„Die Geburten fallen mit der Hauptsaison des Tourismus zusammen, und das wird vielen Jungtieren zum Verhängnis“, erklärt Baumgärtner. Tiefliegende Flugzeuge, Schiffe, die zu nah an die Sandbank fahren, und auch Menschen, die sich den Tieren nähern, würden für die Heuler eine Gefahr darstellen. Deswegen sollten sich Wattwanderer lieber nicht in die Familienangelegenheiten einmischen. Denn riecht der Heuler nach Mensch, ist er für seine Mutter fremd und wird vernachlässigt.
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