Deshalb kennen die meisten Menschen diesen Fisch wohl nur gebraten - beispielsweise mit Butter und Speckwürfeln. Doch es lohnt sich, auch das Leben dieses Wattbewohners zu würdigen.
Als typischer Vertreter der Plattfische sind die Tiere gerade mal einen oder zwei Zentimeter dick. Im Watt liegen sie am liebsten flach auf dem Grund. Deshalb ist es praktisch, dass beide Augen im Laufe der Evolution auf die Oberseite gewandert sind. Das gibt dem Fisch zwar ein ungewöhnliches Aussehen, trotzdem ist die Scholle im Täuschen und Tarnen ein wahrer Meister. Die Haut auf ihrer Oberseite ist mit einer Vielzahl von Farbpigmentzellen ausgestattet, den Chromatophoren. Und deren Größe kann der Fisch variieren, je nachdem ob er lieber hellen Sand oder dunklen Kies darstellen möchte. Zudem gräbt er sich gerne so tief ein, dass nur noch die Augen herausschauen.
Wenn die Scholle sich nicht gerade verstecken will, fällt sie durch ihre charakteristischen orangeroten Flecken auf der grauen Oberseite auf. Außerdem ist sie gerade in der Laichzeit überaus gesellig. So gibt es im Winter stets ein Treffen mit den Verwandten an den Laichplätzen vor der Ostküste von Großbritannien und im Ärmelkanal. Man trifft sich, paart sich, und jedes Weibchen gibt bis zu 600 000 befruchtete Eier ins Wasser ab. Die werden mit der Strömung in alle Richtungen verdriftet, während die Fischlarven heranwachsen. Im Gegensatz zu ihren Eltern sind diese übrigens noch völlig symmetrisch. Erst nach ein bis zwei Monaten wandert das rechte Auge auf die linke Körperseite.
Im Wattenmeer hat der mit der Strömung gewanderte Nachwuchs dann seine Kinderstube erreicht. Zwei bis drei Jahre lang verbleiben die Jungfische dort und wachsen bis auf 25 bis 40 Zentimetern Durchmesser heran. Wegen der starken Befischung gelingt es vielen Exemplaren heute jedoch nicht mehr, ihre volle Größe zu erreichen - während es früher auch mal sehr alte Schollen gab, die fast einen Meter lang wurden. Vor einigen Jahrzehnten waren auch die Priele im Watt noch voller junger Plattfische. Die Küstenbewohner nutzten diesen Umstand, indem sie die Tiere im flachen Wasser mit dem Fuß festhielten und einfingen. „Fische-Treten“ nannte sich die ungewöhnliche Jagdmethode.
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