Dabei bilden sie erst eine Kette, dann einen Haufen und schließlich eine regelrechte Muschelbank, auf der nicht selten 2000 Tiere vereint sind. Dort sitzen diese dann fest verankert und filtern mit ihren Kiemen winzige, nahrhafte Planktonpartikel aus dem Meerwasser.
Beim Zusammenbacken hilft den Muscheln ein Sekret aus ihren Fußdrüsen, dessen Geheimnis Bionik-Ingenieure in aller Welt gerne vollständig entschlüsseln und in der Industrie einsetzen würden. Denn die sogenannten Byssusfäden aus einem speziellem Eiweiß sind sowohl extrem fest als auch schön elastisch. Einmal verklebt, hält das Proteingemisch die Muschelschalen zuverlässig am Platz - und zwar auch auf feuchtem oder nassem Untergrund.
Die so entstandene Muschelbank bietet auch allerhand anderen Tieren ein Zuhause, beispielsweise den Schnurwürmern, die sich im angeschwemmten Sediment zwischen den Schalen wohlfühlen, oder den Seepocken, winzigen sesshaften Krebschen mit Kalkschale, die sich einfach als weißer Kegel auf der Miesmuschelschale niederlassen. Auch der Blasentang als Felsbewohner freut sich, wenn er mit seiner Haftplatte festen Untergrund findet. Schnell entsteht so ein ganz eigenes Biotop. Gerne richten auch Fische oder Krebse hier ihre Kinderstube ein, weil der Nachwuchs in dem geschützten Raum sicherer ist als im offenen Watt.
Gefährdet wird das Biotop Miesmuschelbank allerdings seit geraumer Zeit durch die pazifische Auster. Diese dem Menschen wohlschmeckende Speisemuschel wurde seit den sechziger Jahren in Holland und seit den achtziger Jahren auch in der Nordsee zu Zuchtzwecken eingebürgert. Dabei entkamen jedoch immer wieder Larven, die sich auch außerhalb der Kulturbehälter wohlfühlten und sich reichlich vermehrten. Als Lieblingsort haben die fremden Austern dabei ausgerechnet die Muschelbänke gewählt, wo sie durch ihr schnelleres Wachstum die einheimischen Miesmuscheln verdrängen.
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