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Bio-Essen für Gestresste: "Fixgerichte" als Naturkost-Trend

Agrar Bio-Essen für Gestresste: "Fixgerichte" als Naturkost-Trend

Bio auf dem Teller ist gefragt. Der Trend hat längst die Mitte der Gesellschaft erreicht. Wer heute Bio kauft, will nicht mehr unbedingt die Welt verändern - und schon gar nicht stundenlang Gemüse schnippeln.

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Selbst in der Frischfleischtheke gibt es im Biosupermarkt bereits Convenience Food.

Quelle: Daniel Karmann

Nürnberg. Es war eines der "Sakramente" der einstigen Bio-Bewegung: Auf den Tisch kommen nur frische, unverarbeitete Lebensmittel, dabei möglichst noch aus eigenem Anbau - zeitaufwendiges Gemüse-Schnippeln inklusive.

Die Nachkommen der Bioladen-Gründer scheinen das - gemessen an den neuen Trends - entspannter zu sehen. Ob 3-Korn-Puffer oder Buchweizensuppe: Für Ernährungsbewusste mit wenig Zeit gibt es inzwischen auch Bio aus der Tüte. "Fixgericht" nennt das die Branche. Schließlich sollten die Tütensuppen mit Trockenzutaten aus biologischem Anbau nicht unbedingt mit den Fertiggerichten und normalen Instant-Suppen der Elterngeneration verwechselt werden.

Der neue Trend sei "Ready to Eat" - Convenience Food (bequemes Essen) für Ernährungsbewusste - erklärt Petra Wolf von der Nürnberger Messe, die vom heutigen Mittwoch an die internationale Naturkostmesse Biofach ausrichtet. "Es muss heute eben schnell gehen, denn gekocht wird ja oft nur noch am Wochenende."

Die Buchweizensuppe aus der Tüte gehört dabei mit 25 Minuten Zubereitungszeit bereits zu den zeitlich aufwendigeren Bio-Fixgerichten. Der "Quinoa-Cup Orientalisch" stehe, so das Firmenversprechen, dagegen schon nach sechs Minuten auf dem Tisch.

Viele Hersteller packen in die Fixgerichte gleich die "Supergrains" (Supergetreide) mit rein - eine weitere Entwicklung auf der diesjährigen Biofach. "Supergrains", so erklärt das Naturkost-Kundenmagazin "Schrot und Korn", seien "Körner, die mehr können als herkömmliche Getreide".

Sie enthielten Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren, sättigende Kohlenhydrate, viel hochwertiges Eiweiß - "dazu Powerstoffe wie Kalium, Magnesium, Eisen und B-Vitamine". Ein "Supergrain" ist beispielsweise Quinoa. Der Samen wird aus Südamerika importiert - und harmoniert damit eigentlich nicht mit einem weiteren neuen Bio-Trend: dem Wunsch der Verbraucher nach Produkten aus der Region ohne lange Transportwege.

Die Widersprüchlichkeit macht deutlich: Rund 40 Jahre nach der Gründung der ersten "Körner-Läden" steckt die Naturkost-Szene im Umbruch. Dabei spielt nach Einschätzung von Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundes Naturkost Naturwaren (BNN), auch der Generationswechsel eine Rolle.

Konfrontiert mit der Konkurrenz normaler Supermärkte müssten sich die Nachfolger der Naturkostladen-Gründer neu aufstellen. Ob Bistro mit Bio-Mittagstisch, einer gepflegten Biowein-Auswahl oder einem Lieferservice - "je nach Lage des Ladens müssen die Betreiber ihren eigenen Weg finden", betont Röder.

Viele Naturkostläden gleichen inzwischen kleineren Supermärkten. Von den 93 im Vorjahr neu eröffneten Naturkostläden in Deutschland seien mehr als die Hälfte über 400 Quadratmeter groß. 3,04 Milliarden Euro Umsatz haben 2015 alle Naturkostläden zusammen erwirtschaftet - 11,4 Prozent mehr als 2014.

Rund 84 Prozent der Betreiber erwarten auch für dieses Jahr steigende Umsätze, wie eine Umfrage der Nürnberger Messe ergab. Dafür wollen sie stärker als bisher auf den Online-Handel setzen. Auffällig bei der Umfrage: Als größte Herausforderung sehen es die Teilnehmer, auch künftig zuverlässig mit Bio-Erzeugnissen beliefert zu werden.

Tatsächlich hält die inländische Erzeugung von Bio-Lebensmitteln mit der steigenden Nachfrage nicht Schritt - und das seit Jahren. "In Süddeutschland gibt es zu wenig Bio-Schweinefleisch. Importe aus Irland schließen die Lücke", berichtet BNN-Chefin Röder.

An der Seite von Felix Prinz zu Löwenstein, dem Vorstandschef des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), kämpft sie für eine stärkere Unterstützung der Landwirte, die ihren Hof auf Bio umstellen wollen. Infolge des niedrigen Milchpreises möchten beispielsweise wieder mehr Bauern auf Bio-Erzeugung umsatteln, doch sie stoßen auf wachsende Hindernisse. Das Saarland etwa, so zu Löwenstein, stelle dafür kaum noch Mittel zur Verfügung.

dpa

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