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Bestes aus Niedersachsen - „Meiers Lebenslust“
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Deutsche Küche Bestes aus Niedersachsen - „Meiers Lebenslust“

Landlust mit Stadtluft: Anfang Juni hat am Aegi das Lokal „Meiers Lebenslust“ eröffnet. Gekocht wird hier regional und saisonal, dabei aber vor allem gut und erschwinglich.

Osterstraße 64, 30159 hannover 52.368583 9.740273
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Tapas schwarz-rot-gold im „Olea“

Ralph Klemke und Natascha Gaedeke servieren Niedersächsisches.

Quelle: Thomas

Hannover. An Erfahrung mangelt es ihnen nicht - und doch gehört Mut zu dem Schritt, den Christine Nardien und Ralph Klemke gewagt haben. Ihr gut laufendes Gasthaus in Isernhagen werden sie im September abgeben zugunsten eines Neustarts in Hannover, den sie bereits Anfang Juni gemacht haben. Und das in einer Immobilie, die dem vorherigen Betreiber am Ende wenig Glück brachte: Aus der „HBX-Brauerei“ am Aegi ist „Meiers Lebenslust“ geworden.Ein Lokal dieser Größe erfolgreich zu bespielen, ist keine leichte Aufgabe, aber Nardien und Klemke sind wohl Profi genug, um die Lage realistisch einzuschätzen und sich nicht gleich zu Anfang zu verheben.

Für den Gast wird das beispielsweise daran sichtbar, dass das Interieur des Lokals nur kosmetisch verändert, jedoch keine Unsumme investiert wurde. Aus dem Grundton Rot ist ein sattes Graugrün geworden, das Mobiliar bis hin zu den auffallenden modernen Lampenschirmen ist aber zunächst unverändert gelassen worden. Vielleicht gelingt es ja im Lauf der Zeit, die Furniertische entweder mit ein wenig Stoff zu verschönern oder gegen echte Holzmöbel auszutauschen. So strahlen die Oberflächen doch einen Hauch von Bahnhofsgaststättencharme aus.

Von der Auswahl auf der Karte lässt sich das indes nicht behaupten. Das Beste aus Niedersachsen haben die neuen Betreiber da versammelt. Bei unserem ersten Besuch an einem unfreundlichen Juliabend kehren wir gegen 21 Uhr bei „Meiers“ ein und haben relativ freie Platzwahl, um diese Zeit ist nur rund ein Viertel der Tische besetzt. Eine freundliche, angenehm professionell wirkende Kellnerin nimmt unsere Bestellung auf: das Filetgeschnetzelte mit Bandnudeln (13,80 Euro) für meine Begleiterin und ein Rumpsteak „Braumeister Art“ (19,30 Euro) für mich. Zu Letzterem bestelle ich noch eine Portion Sauce Béarnaise (2 Euro), was sich als Volltreffer erweist: Die cremige, perfekt abgeschmeckte Sauce ist ganz offensichtlich nicht aus der Tüte, sondern hausgemacht, wie die Kellnerin später auch bestätigt.

Das Steak selbst ist zart und wunschgemäß medium-rare gebraten, nicht zu blutig, aber auch nicht zu hellrosa. Die Bratkartoffeln dazu hat die Küche lehrbuchgemäß hinbekommen, knusprig, aber dennoch nicht trocken. Meine Mittesterin hadert ein wenig mit den etwas zu weichen Nudeln, ist mit dem Geschnetzelten aber sehr zufrieden. Durch Dunkelbier hat es eine pikant-süßliche Note bekommen. Das bleibt aber auch die einzige Bierbeigabe für uns, denn als Weintrinkerinnen haben wir das Gebraute weggelassen zugunsten von Gekeltertem. Die Weinkarte bietet eine kleine, feine Auswahl - schließlich sind wir eigentlich in einem Brauhaus. Aber für einen Wein wie den Monti Garbi (26,50 Euro), einen samtigen Valpolicella aus Venetien, würden wir jederzeit jedes Bier stehen lassen.

Zum krönenden Abschluss teilen wir uns dann noch die frischen Blaubeeren mit Zitronen-Thymian-Mousse (5,20 Euro). Während mir die Thymian-Note zu dezent ist, findet meine Mitstreiterin sie absolut in Ordnung. Darauf trinken wir noch einen letzten Schluck Rotwein und verlassen dann als beinahe letzte Gäste gegen Mitternacht das Lokal.

Die zweite Visite findet an einem Mittag statt, und sofort wird deutlich, dass sich die Adresse als Anlaufpunkt für ein schnelles, günstiges Mittagessen offenbar schon herumgesprochen hat. Die Gerichte auf der Mittagskarte wie etwa Schnitzel mit Spiegelei treffen nicht so ganz unseren Geschmack, und so bestellt mein Begleiter Sülze und Sauerfleisch (9,50 Euro) und ich das rosa gebratene Roastbeef (11,90 Euro). Zu beidem gibt es eine feine Remoulade und wiederum Bratkartoffeln. Die sind zwar erneut gut gemacht, haben aber etwas zu viel zu dunkel gebratenen Speck abbekommen. Das Roastbeef ist dafür butterzart und reichlich portioniert - ein Gericht, das zu Recht als „Brauhaus-Klassiker“ firmiert. Unsere geteilte Vorspeise, die Pfifferlingsbruschetta (7,90 Euro), hätte es da zum Sattwerden mitnichten gebraucht. Es wäre aber schade gewesen, darauf zu verzichten, denn die Kombination aus Pfifferlingen, Tomaten und Kräutern auf geröstetem Kartoffelbrot ist originell und schmackhaft. Und im Grunde symbolisch für die Küche von „Meiers“: regional und saisonal, dabei aber einfallsreich und erschwinglich - ein Konzept, das auch in einer Größenordnung wie der am Aegi funktionieren müsste.

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HAZ-Redakteur/in Stefanie Gollasch

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