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„Bianco Nero“ - der etwas andere Italiener
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Italienische Küche „Bianco Nero“ - der etwas andere Italiener

Keine Pizza. Nicht die kleinste Margherita, keine Frutti di Mare, nichts. Was dann doch mal mutig ist für einen Italiener, der ein gemischtes Stadtteilpublikum neu für sich erkochen muss, und schon insofern gehört Giovanni Cadoni natürlich unsere ganze Sympathie.

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Wirt Giovanni Cadoni traut sich was – und wird damit in Bothfeld hoffentlich Freunde finden.

Quelle: Körner

Hannover-Bothfeld. Auch wenn das Fehlen des Teigfladens bei Giovanni Cadoni nicht zuletzt damit zu tun hat, dass in der kleinen Küche des früheren Steakhauses der Platz für einen kraftvollen Ofen fehlt.

Cadoni hat zuvor elf Jahre im „Gallo Nero“ gearbeitet. Da hat er gesehen, wie es auch ohne Pizza geht. Im „Bianco Nero“, das er im März eröffnet hat, versucht er sich nicht ganz so exquisit, aber durchaus ambitioniert, was sich auch in der puristischen Einrichtung spiegelt. Auf uns wirkte die Atmosphäre in dem hohen Raum freilich etwas kühl, die verspielt verfremdeten Sonnenblumenbilder unterstreichen das nach unserem Empfinden eher noch. Aber das ist, natürlich, eine Frage des Geschmacks.

Man spürt, dass sich Cadoni mit dem „Bianco Nero“ abseits der allzu ausgelatschten italienischen Gastronomie-Pfade bewegen möchte. Es gibt hier einige ungewöhnliche Kreationen, die wir – so viel vorweg – durchweg gelungen fanden. Die Kakao-Ravioli mit Trüffelfüllung, eigentlich ein Hauptgericht, hat uns Cadoni auf Nachfrage auch sofort als Vorspeiseserviert (8 Euro). Nur Spielerei? Der Kakao dient hier vor allem dem optischen Effekt, sorgt dann aber auch für einen leicht bitteres Gegengewicht zum Trüffel, der seinen Einsatz rechtfertigt. Beim Vitello arancia (12 Euro) liegt das Kalbfleisch unter einer dezent-fruchtigen Orangensauce: eine schöne, leichte Variation des bekannteren, weit schwereren Verwandten, des Vitello tonnato.

Auch bei den Hauptgerichten erlebten wir keine Enttäuschung. Taglioni cinghi (12,50 Euro) sind frische, feine Bandnudeln in einem markanten Wildschweinragout. Beim Salmone Sovrana (19,50 Euro) liegt ein saftiges Lachsfilet auf einer schaumigen Prosecco-Senf-Sauce, in der sich der Wein gegen die Senfschärfe gut zu behaupten weiß. Beilagen sind oft die Sorgenkinder der hiesigen Italiener – Cadoni hingegen serviert Kartoffeln, Möhren, Brokkoli und Spinat behutsam gegart, gut gewürzt und kurz gebraten – Zeichen für eine sorgfältige, gewissenhafte Küche.

Auch beim Tiramisu (6 Euro) traut sich Cadoni etwas Eigenes: Eine leichte Version mit Orange und Sahne statt nur Mascarpone. Weniger begeistert sind wir hingegen vom Tronchetto (6 Euro): Biskuit unter einer übersüßten Schokosauce, die Sahne mit deutlichem H-Aroma.

Die Weinauswahl ist nicht groß, auf Cadonis Rat aber Verlass: Uns riet er zu einem fruchtigen Vermentino aus seiner Heimat Sardinien und einem weichen Cannonu (0,2 Liter 5,50 Euro), wie die Grenache-Traube auf Sardinien heißt.

Die guten Eindrücke fanden wir beim Zweitbesuch zur Mittagszeit bestätigt: Pasta alla Norma mit frisch gebratenen, röstnoten- und ölreichen Auberginen sowie Putenschnitzel in einer harmonischen Weißweinsauce mit den wiederum guten Beilagen und noch warmem, dichtem, hausgemachtem Brot. Scheint nur, als seien die Bothfelder noch zurückhaltend mit ihrem Neuzugang – was sie nach unserer Meinung nicht sein müssten.

Thorsten Fuchs

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