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Das „Haus am Meer“ besticht mit lauschiger Lage

Deutsche Küche Das „Haus am Meer“ besticht mit lauschiger Lage

Restaurant mit Meerwert: Für milde Sommerabende ist das „Haus am Meer“ in Steinhude der richtige Ort. Zum Sonnenuntergang und dem Plätschern der Wellen serviert die Küche solide Gerichte zu guten Preisen.

Uferstraße 1, 31515 Steinhude 52.460293 9.361838
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Im „Haus am Meer“ gibt es nicht nur Aal - aber auch, wie Restaurantleiter Stefan Schuster zeigt.

Quelle: Hagemann

Steinhude. In diesem herbstlichen Sommer 2011 muss man ja jeden lauen Abend feiern, als sei es der letzte. Da darf es dann ruhig auch mal ein bisschen aufwendiger sein – zum Beispiel mit einem Trip ans Steinhuder Meer. Dort am Ufer zu sitzen und der Sonne bei ihrem Untergang zuzusehen, ist schon ein feines Vergnügen. Aber wo sitzen, wo einkehren? Die Gastronomie zumindest im von Hannover aus schneller erreichbaren Steinhude versprüht noch das Flair der Achtziger. Außer ein paar hoffnungsvollen Ansätzen im Scheunenviertel ist das Angebot vor allem auf Tagestouristen jenseits der 60 abgestimmt. Aber warum sich auch krummlegen, wenn die Gäste wegen der Gegend kommen und nicht wegen des innovativen Essens …

Das „Haus am Meer“, ein großer Betrieb samt Tagungshotel direkt vor der Badeinsel, soll noch am Weitesten sein im Bemühen, mehr als Aal und Schnitzel anzubieten. Juniorchef Joachim Trautloff, seit rund zehn Jahren am Ruder des Familienbetriebs, steht im Ruf, in der Küche Beachtliches und Beachtenswertes zu vollbringen. Also ergreifen wir eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen man nach 18 Uhr noch ohne Wolldecke draußen sitzen kann, und fahren gen Nordwesten. Der Weg zur Außenterrasse führt uns zunächst durch das Hauptgebäude des Hauses am Meer, und dort drinnen erleben wir eine Überraschung. Die Einrichtung ist ein erstaunliches Sammelsurium von Möbeln aller Dekaden, unendlich viel Nippes und recht fragwürdigen Gemälden an den Wänden, die beispielsweise eine halbnackte Frau in lasziver Pose zeigen. Meine Begleiterin, immer bereit, das Gute in allem zu sehen, hält das für Ironie. Nun denn …

Über einen langen Plattenweg gehen wir gen Ufer, vorbei an einem Bassin mit Forellen (die wir dann natürlich nicht bestellen werden) und diversem Mobiliar, das auf der weitläufigen Außenfläche ganzen Busladungen von Gästen Platz bieten würde. Im Vergleich zu drinnen wirkt es hier ansehnlich und aufgeräumt, und unter einem der Pavillondächer zu sitzen hätte wohl auch seinen Reiz. Unser Ziel ist aber die Wasserkante mit Blick auf die Badeinsel, und zum Glück ergattern wir auch noch einen freien Tisch. Alsdann kümmert sich ein junger, beflissener Kellner um uns und nimmt unsere Bestellung auf. Meine Mittesterin nimmt vorweg eine Möhren-Chili-Suppe (4,70 Euro) und danach die Zanderschnitte „Madagaskar“ (17,80 Euro). Für mich soll es erst das geräucherte Forellenfilet (6,50 Euro) und dann das Rinderfilet mit Kräuterbutter (21,50 Euro) sein.

Schon bei den Vorspeisen zeigt sich, zu welchem Spagat die Küche hier imstande ist. Die Suppe ist cremig, würzig und bekommt Pep durch feine Chilifäden. Die Forelle hingegen ist zwar von guter Qualität; der mit zu viel Sahne vermischte Meerrettich dazu und die zwei Scheiben Toast mitsamt einem Minipäckchen Butter wirken aber recht lieblos. Während wir in die sinkende Sonne blinzeln und die Schönheit des Abends loben, kommen die Hauptgerichte: Unter „Madagaskar“ versteht man hier eine mit ein wenig Curry und reichlich grünem Pfeffer versetzte Soße zum Fisch, der aber auf den Punkt gegart ist. Der Reis dazu ist seltsam salzig, und der gemischte Salat wirkt ein wenig retro – die Beigabe von Sauerkonserven etwa kannten wir beide noch von unseren Großmüttern.

Das Rinderfilet ist ein kapitales Stück Fleisch, das bis auf wenige Stellen schön rosa gebraten ist und gut gewürzt obendrein. Auch das Gratin ist knusprig und würzig, so soll es sein. Die Gemüsebeilage indes fällt deutlich ab – zu weich gegarte Möhren und ein paar ebenfalls nicht mehr bissfeste Kohlröschen wirken denkbar uninspiriert.

Auch der Merlot aus dem Veneto (4,90 Euro für 0,2 Liter) trifft nicht ganz meinen Geschmack. Ein wenig flach und säuerlich und dem prallen Aroma des Rinderfilets mitnichten gewachsen. Aber dazu gibt es gratis den glühenden Himmel überm Meer und das leise Plätschern der Wellen, also wollen wir nicht klagen und tun es auch nicht.

Wie viel hier vom schönen Wetter abhängt, merken mein Begleiter und ich beim zweiten Besuch an einem eher kühlen, bedeckten Abend, einem typischen Sommerabend 2011 also. Ohne Jacke geht gar nichts, und so sind wir auch weniger geneigt, kleine Küchensünden zu verzeihen. Das Rumpsteak (19,70 Euro) auf dem Teller meines Mittesters etwa wirkt ein wenig unförmig und sehnig, und das Gemüse bietet die schon erwähnte schlaffe Mischung. Ich bin mit meiner Kombination aus Pfifferlingen und Fisch eigentlich ganz zufrieden. Die Pilze sind in einer leichten Sahnesoße zubereitet, die erstaunlich gut mit dem gebratenen Zander- und Lachsfilet harmoniert. Nur die Macairekartoffeln, die ich netterweise statt Salzkartoffeln bekommen habe, senken hier die Gesamtnote, weil sie mit großer Sicherheit aus der Tiefkühltruhe stammen.

Am Ende des zweiten Trips ans Meer steht also die Erkenntnis, dass man im gleichnamigen Haus zwar solide speisen kann, Höhenflüge aber eher nicht zu erwarten sind. Was schade ist, denn hier und da blitzt auf, dass Trautloff und sein Team zu mehr fähig wären. Und wer weiß, vielleicht würde es die Kundschaft sogar goutieren.

Das Restaurant „Haus am Meer“ in Steinhude im Branchenführer der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

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