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Japanische Küche

Das „Ichiban“ überzeugt mit neuem Konzept

Von Stefanie Gollasch

Japanisch für Einsteiger und Fortgeschrittene: Das „Ichiban“ am Friedrichswall bietet seit Kurzem Essen á la Carte zum Festpreis. Ob ausgefallen oder traditionell - der Gast kann sich hier ein abwechslungsreiches Mehrgängemenü nach eigenen Vorlieben zusammenstellen.
Freie Auswahl: Nong Nuch Rompudtal serviert im „Ichiban“ unter der Nord/LB.

Freie Auswahl: Nong Nuch Rompudtal serviert im „Ichiban“ unter der Nord/LB.

© Peters

Südstadt. An wenigen Stellen hat Hannover mehr urbanes Flair als am Aegi. Prägend ist die Nord/LB mit ihrem kühlen Charme, was auch auf die Gastronomie im Erdgeschoss des imposanten Kastens abstrahlt. Bis vor einigen Monaten bot hier das „Kabuki Soul“ Sushi und andere asiatische Gerichte. An der Kaiten-Bar, dem Wasserlauf mit schwimmenden Tellerchen, konnte man zum Schluss aber so manches Teil unzählige Runden drehen sehen, wodurch es nicht appetitlicher wurde. Kurz: Das anfangs interessante Konzept hatte sich überlebt, etwas Neues musste her.

Jetzt bietet das gleiche Team unter dem Namen „Ichiban“ ein neues System an: Für einen Festpreis darf man essen, so viel man will. Erfreulicherweise gibt es aber kein Büfett, sondern man speist à la carte. In mehreren Durchgängen darf man von der umfänglichen Karte bestellen, so viel man zu schaffen meint. Um übertriebener Gier vorzubeugen, mahnt das „Ichiban“, dass nicht verzehrte Gerichte mit einem „Strafbetrag“ auf der Rechnung landen. Klingt zunächst nicht sehr gastfreundlich, ist im Grunde aber eine gute Methode, Verschwendung zu vermeiden.

Beim ersten Besuch an einem Montagabend sind zu unserer Verblüffung alle Tische bis auf einen besetzt. Den entern wir und merken erst später, dass die so bequem wirkenden Riesenpolsterbänke wohl für Sitzriesen gedacht sind. Für uns normal Große wird der Tisch so fast zur Kinnstütze, und man muss sich schon ordentlich gerade machen, um eine halbwegs normale Esshaltung einzunehmen. Sogleich taucht ein freundlicher Kellner auf und erklärt uns das Prinzip: Karte studieren, dann auf der Bestellkarte die gewünschten Gerichte ankreuzen. Abends gibt es maximal fünf Durchgänge mit je fünf Speisen, pro Person kostet das schlanke 19,50 Euro. Das Angebot reicht von Sushi aller denkbaren Arten über Suppen, Salate, Reis und Nudeln bis hin zu Fisch, Lamm, Rind, Schwein und Huhn vom Tepanyaki-Grill. Wir starten mit einigen Sushi, einem Algensalat und hübsch kleinen Frühlingsrollen. Von der recht gut sortierten Weinkarte bestellen wir je ein Glas Chardonnay (4 Euro für 0,2 Liter), der gut gekühlt serviert wird. Für eine 0,7-Liter-Flasche Wasser werden 4,50 Euro berechnet.

Die Speisen wirken alle frisch zubereitet: Die Frühlingsröllchen sind knusprig und schön unfettig, die Sushi schmecken meeresfrisch. Meine Begleiterin lobt auch den Seetangsalat als sehr authentisch, bei einem späteren Durchgang bestellen wir ihn gleich noch mal. Alles wird auf ansprechendem grünem Geschirr serviert, zu dem die länglichen Tellerchen passen, von denen wir essen. Und für Freunde eingelegten Ingwers herrscht auch kein Mangel: Die Beigabe steht zur beliebigen Dosierung in Gläschen auf dem Tisch.

In der zweiten Runde setzen wir auf warme Speisen und werden auch nicht enttäuscht. Eine angenehm kleine Portion gebratene Nudeln passt gut zum Lamm vom Grill, das sehr zart ist und erstaunlich gut mit der Teriyakisoße harmoniert, mit der es gewürzt ist. Aber auch die knusprige Entenbrust und der Spieß mit kleinen Rinderfiletstückchen findet unseren Beifall. Dazu haben wir gegrilltes Gemüse bestellt, das schön knackig-würzig zubereitet wurde.

Mittlerweile leert sich das Lokal zusehends, am Ende unserer dritten Runde, die wir zu einem Best-of-Durchgang machen, sind wir schon fast die Einzigen. Dennoch hätten wir gern Nachtisch und kreuzen „Dessert“ auf der Bestellkarte an. Serviert wird dann süßlich abgeschmeckter Reis mit Vanille- und Schokoladensoße – einziger Schwachpunkt eines ansonsten rundum gelungenen Essens.

Der zweite Test findet an einem Dienstagmittag statt. Wir haben mit jeder Menge hungriger Banker an den Tischen gerechnet, aber das Restaurant ist nur mäßig belebt. Mittags gibt es nur drei Bestelldurchgänge, jedoch mit je acht Speisen, und zudem kostet der „Lunch“ nur 11,90 Euro pro Person. Die Auswahl ist reduziert, reicht aber dennoch für ein abwechslungsreiches, üppiges Mehrgängemenü.

Meine experimentierfreudige Begleiterin bestellt sich einen Genmaicha-Tee (2,10 Euro), der sein Aroma unter anderem durch eine Art Popcorn erhält. Offenbar keine allzu bekannte japanische Spezialität, auch die Kellnerin muss erst nachfragen, was da in der Tasse schwimmt. Geschmacklich sei das aber durchaus annehmbar, urteilt meine Mitstreiterin, und dann geht’s ans Werk. Vorweg isst sie eine Brühe mit Gemüse und Huhn, die erst mit Sojasoße Pep bekommt. Meine Misosuppe hingegen ist perfekt, könnte für meinen Geschmack höchstens ein bisschen wärmer sein. Anschließend probieren wir wiederum alles, was an Sushi geboten wird, und sind erneut hochzufrieden mit der Qualität. Bei den warmen Speisen, die wir danach bestellen, gibt es auch nichts zu beanstanden – bis auf die Ente, die ein bisschen wirkt wie der Rest vom Fest. Dafür freuen wir uns beide über den Lachs vom Grill, der einen Moment kürzer hätte gebraten werden dürfen, geschmacklich aber sehr gut ist.

Auf Nachtisch verzichten wir dieses Mal wohlweislich, meine Begleiterin belohnt sich für ihre mutige Tee-Bestellung mit einem Cappuccino (2,20 Euro). Danach kehren wir sehr gut gesättigt, aber nicht übervoll an unsere Schreibtische zurück. Und fragen uns, wo bloß all die Banker zu Mittag essen. Vielleicht reicht in solchen Krisenzeiten dafür einfach die Zeit nicht ...

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