Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Ein aufgehender Stern am Braunschweiger Platz

Kostprobe im Jante Ein aufgehender Stern am Braunschweiger Platz

Seit der Eröffnung seines eigenen Lokals im August geben sich die Tony-Hohlfeld-Fans die Klinke in die Hand, der exotische kleine Bau am Braunschweiger Platz ist abends fast durchgehend ausgebucht.

Voriger Artikel
Szene-Safe für Sashimi-Fans
Nächster Artikel
Dorfgaststätte - neu gedacht

Mona Schrader (v. l.) , Lars Kösel und Tony Hohlfeld bewegen sich im Jante auf Sterneniveau – was Speisen, Service und Räumlichkeiten angeht.Fotos: Thomas (3)

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Wohl selten hat eine Restauranteröffnung in Hannover so viele Erwartungen geweckt wie die des Jante. Schließlich steht dort Tony Hohlfeld am Herd, der den Michelin-Stern der Olen Deele in Großburgwedel verteidigt und einen Ruf als exzellenter und innovativer Küchenchef zu verlieren hat. Seit der Eröffnung seines eigenen Lokals im August geben sich die Hohlfeld-Fans die Klinke in die Hand, der exotische kleine Bau am Braunschweiger Platz ist abends fast durchgehend ausgebucht.

Einblicke in das Jante am Braunschweiger Platz in Hannover.

Zur Bildergalerie

Mittags sind Spontanbesuche dennoch möglich - als wir tagsüber zum Erstbesuch erscheinen, sind noch einige Tische frei. Der Raum, der früher Le Monde und Saison hieß und in matten Brauntönen gehalten war, hat durch die Kombination von hellen Natur- und graustichigen Blautönen deutlich an Licht und Weite gewonnen. An den sehr stylishen Polstersesseln entzündete sich schon Kritik - aber wer sie zu geräumig findet, bekommt jetzt fürsorglich ein Kissen in den Rücken gestopft. Während wir an einem Zweiertisch Platz nehmen, taucht schon Mona Schrader auf. Die Sommeliere, Mitbetreiberin und Gastgeberin begrüßt uns herzlich und erläutert das Mittagsangebot, das auf einem zusammengerollten Blatt Papier nachzulesen ist. Das Drei-Gänge-Menü wechselt wöchentlich, kostet heute 29 Euro und erfüllt vor allem einen Zweck: Es macht neugierig auf das ganz große Kino, das im Jante abends stattfindet.

Vorweg serviert Küchenchef Hohlfeld persönlich selbst gebackenes Brot mit aufgeschlagener Butter. Das Brot hat ein kräftig-malziges Aroma, was zur Butter gut passt, jedoch zu stark dominiert, wenn man damit eine der köstlichen Soßen auftupft. Nach einem Auftakt mit knusprig geröstetem Schwarzbrotkrokant und einer kunstvollen kleinen Gurke-Mangold-Kräuter-Angelegenheit kommt als Hauptgang - Spiegelei mit Spinat. Das weckt zwar geschmacklich Kindheitserinnerungen, in der Perfektion der Zubereitung ist es aber Lichtjahre vom grünweißen Kinderteller entfernt.

Das Ei ruht auf einer Spinat-Kartoffel-Creme, Würze und Biss bekommt das Ensemble durch kräftig geräucherten Schinkenspeck von Fleischer Carsten Scheller aus Ronnenberg. Nach dem Dessert, einer fruchtig-cremigen Kombination, bei der die Banane für mich netterweise gegen Stachelbeeren getauscht wird, sind wir angenehm gesättigt, aber noch kampffähig für den Rest-Arbeitstag.

Knapp zwei Wochen später steht die große Abendshow auf dem Programm. Wir sind zu dritt - zwei Frauen und ein Hund, der aber, so wird versichert, herzlich willkommen sei. Das Lokal ist gut gefüllt, Paare, aber auch größere Runden verbringen hier ihren Freitagabend. Genau wie mittags sitzt man an stofflosen Holztischen und isst von rustikalem Keramikgeschirr in dunklen Tönen. Alles sehr harmonisch und ästhetisch, und auch das dunkel eloxierte Besteck passt gut dazu - aber im Nachhinein werden wir ein paar klitzekleine Minuspunkte notieren: für die steifen Kreppservietten, für die Schalen, in denen Hohlfelds Kreationen unschön ineinander rutschen, und für die weißen Handschuhe, mit denen die Servicekraft noch am Tisch am Besteck herumpoliert. Zugegebenermaßen Jammern auf ganz hohem Niveau, aber genau von diesen Sphären ist hier ja auch die Rede.

Während wir die Karte studieren, serviert uns Hohlfeld schon das erste Schmankerl: Auf einem Stein ist mit einem Tupfer Soße ein Chip befestigt, der von der Konsistenz her an chinesische Krabbenchips erinnert, jedoch zart nach Curry schmeckt. Ein wenig Chili und ein Scheibchen Banane (das ich diesmal stillschweigend akzeptiere) runden die Sache ab. Dann nimmt die freundliche junge Kellnerin unsere Bestellung auf: Fünf Gänge (69 Euro) für meine Begleiterin, sechs (79 Euro) für mich und jeweils die Weinreise dazu. Die mit 61 Euro zum Sechsgangmenü recht hochpreisig ausfällt, und beim sechsten 0,1-Liter-Glas ist es mir dann fast schon zu viel.

Mit viel Sachverstand und Verve

Wie schon zu „Ole Deele“-Zeiten präsentiert Mona Schrader jeden einzelnen Wein mit viel Sachverstand und Verve, und wir fragen uns, wie sie es schafft, das mehrmals jeden Abend so engagiert abzurufen. Noch viel faszinierender ist aber, wie der jeweilige Wein genau das Mosaiksteinchen liefert, das im Aromenkaleidoskop der Gerichte noch fehlt. Beim ersten Gang etwa, einer Komposition aus Gurkenröhrchen, Kartoffelcreme, Dill als Akzentgeber und noch diversen unmöglich zu repetierenden Winzigkeiten springt der Weißwein genau in die kleine Lücke zwischen der zarten Gurkennote, dem kräftigen Dill und der erdigen Kartoffel. Und in diesem Stil geht es weiter. Akt zwei bestreitet ein ausgelöster und perfekt gegarter Hummer, der auf einer Buttermilchsoße serviert wird. Klingt leicht befremdlich, aber die Küche hat es geschafft, von der Säure der Buttermilch nur eben so viel durchscheinen zu lassen, dass sie die nussige Süße des Schalentiers abfängt.

Wir sind jetzt schon hingerissen und schwelgen alsdann in Gang Nummer drei mit bissfesten und doch zarten Schwarzwurzeln. Das Lamm danach kommt gezupft daher - ein ironisches Zitat der Döner-Welt, das mit dem fiesen Original am Spieß indes so viel gemeinsam hat wie der Hummerschwanz mit Tiefkühlfischstäbchen. Butterzartes, aromatisch geschmortes Fleisch, dazu knackfrische grüne Erbsen auf einer erbsigen Creme, ein Hauch Minze für die Frische - ich schmelze dahin. Dann die Ente: ein Bruststück, mit Haut gegart, unfettig, geschmacksintensiv und in leicht asiatisch anmutender Begleitung von Lauch und Cashewkernen. Inzwischen stellt sich schon eine gewisse Sättigung ein, wenngleich das Menü insgesamt gut zu schaffen ist.

Lediglich beim Dessert teilt sich die Meinung an unserem Tisch. Meine Mittesterin lobt die Kombination aus Mandelcreme, einer Art Stroh aus Süßkartoffeln (oder waren es doch Möhren?) und einem kleinen Schokosorbet sehr. Für mich hingegen schmeckt das alles etwas zu sehr nach supergesunder, zuckerfreier Küche. Das Schlusshäppchen versöhnt mich dann sofort wieder. Der köstliche Mini-Krapfen ist verfeinert mit - einer Prise Senf.

Wieder blitzt die Ironie der Küche auf, die der ganzen Veranstaltung einen erfreulich unverkrampften, fröhlichen Touch gibt. Angesichts der Güte der Produkte und der Finesse der Küche scheint der Menüpreis nicht nur fair, sondern geradezu günstig. Vielleicht genau der Hebel, um dem hoffnungsvollen Neuzugang in Hannovers Gastro-Szene dauerhaften Erfolg zu bescheren.

Jante Marienstraße 116,

30171 Hannover

Telefon: (0511) 54555606

www.jante-restaurant.de

Geöffnet: Dienstag bis Sonnabend von 19 bis 22 Uhr (Küchenzeiten)

sowie Dienstag bis Freitag von 11.30 bis 14 Uhr.

Preiskategorie: gehoben

Von Stefanie Gollasch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Restauranttests

Lust auf ein gutes Restaurant in Ihrer Nähe, aber noch keine Idee welches es sein soll? Lassen Sie sich inspirieren: Hier finden Sie die HAZ-Restauranttests übersichtlich auf einer Karte.

Kostprobe im 11A

Das 11A am Küchengartenplatz in Linden kombiniert moderne Hausmannskost und Feinschmeckerküche. 

Eine Auswahl der schönsten Biergärten in der Region Hannover – mit Foto, Öffnungszeiten und Preisen.

Wann finden in Hannover die Wochenmärkte statt? Eine Übersicht mit allen Märkten in den Stadtteilen.