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Der Geist des Tropeano

Kostprobe Der Geist des Tropeano

Es gibt Italiener, und es gibt Biagio Tropeano. Der Gastronom nimmt mit seinem Restaurant zweifellos eine Sonderrolle in Hannover ein. Nicht nur, weil es abseits der üblichen, stark frequentierten Stadtviertel liegt - wer bei Tropeano essen will und nicht selbst in Kirchrode wohnt, muss sich schon gezielt auf den Weg machen zu dem schmucken Fachwerkbau mitten im Wohnviertel.

Kleiner Hillen 4, 30559 Hannover 52.35864 9.82558
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So muss Kneipe!

„Mit Liebe und Leidenschaft“: Biagio Tropeano im Weinkeller seines Restaurants in Kirchrode.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Aber auch das Selbstverständnis des Mailänders hebt sich ab von vielen Durchschnittswirten. Im Gespräch mit ihm kann man viel erfahren vom „Geist des Tropeano“, von der Idee, alte Rezepte zu bewahren und zu modernisieren und von „der Liebe und der Leidenschaft“ eines Gastgebers, der seit Jahren daran arbeitet, den Hannoveranern die Cucina Italiana jenseits von Bolognese und Carbonara zu demonstrieren. Seit 2005 konzentriert er sich auf das Tropeano Di-Vino - wie das Restaurant korrekt heißt - und legt die Latte damit selbst recht hoch. Denn der Name deutet ja nicht nur auf den reichhaltigen Weinkeller hin, divino heißt auch göttlich.

Die Begeisterung Tropeanos für seine Mission wirkt durchaus glaubwürdig, und doch ist an einem lauschigen Sommerabend im August 2015 wenig Leidenschaft in seinem Restaurant zu spüren. Es prickelt nicht gerade bei unserem Besuch, etwa so wenig wie der Aperol Spritz (7,50 Euro), den wir uns als erfrischenden Einstieg gewünscht hatten. Der Chef selbst tritt den ganzen Abend über gar nicht in Erscheinung, und auch die Weinberatung ist zwar sachkundig, aber trotzdem kein himmlisches Vergnügen.

Das Restaurant

Tropeano 
DI-Vino
Kleiner Hillen 4,

Telefon: (05 11) 3 53 31  38

www.restaurant-tropeano.de

Geöffnet: 
dienstags bis sonntags
 12–15 Uhr (Küche bis 14.30 Uhr)
18–24 Uhr (Küche bis 22.30 Uhr)
 15.30–17.30 Uhr
Kaffee- und Kuchen-Lounge
montags Ruhetag
Preiskategorie: gehoben

Wir wünschen uns zwei Gläser Weißwein, haben aber den Eindruck, dass der Kellner gern eine ganze Flasche öffnen möchte. Am Ende lassen wir uns überreden - schließlich will man sich ja auch etwas entspannen. Und wir müssten auch nur so viel zahlen, wie wir trinken, heißt es. Also probieren wir den Ficiligno von Baglio di Pianetto aus Sizilien, der mir gut schmeckt, meiner Begleitung aber weniger zusagt, was sie dem Kellner auch mitteilt. Trotzdem füllt er auch ihr Glas nach einiger Zeit ohne weiteren Kommentar. Wir fühlen uns überrumpelt, wollen uns aber noch immer nicht die Laune verderben lassen. Trotzdem wirken die 18 Euro, die für eine halbe Flasche schließlich auf der Rechnung auftauchen, zu hoch. Alles nur ein Missverständnis?

Beim zweiten Besuch beharren wir intensiver auf zwei einzelnen Gläsern, bekommen einen Barbera d’Asti und einen Primitivo, zahlen jeweils 6,50 Euro und sind zufrieden. Geht doch. Auch atmosphärisch läuft es besser. Der Chef selbst begrüßt uns per Handschlag, bietet seine Weinberatung an und präsentiert auch das wahrlich beeindruckende Käsebüfett - vom sanftmütigen Kräuterweichkäse bis zu einem süßlich-strengen, in Whisky und Malz gereiften Brocken (kleine Auswahl 6 Euro, große 10,50 Euro).

Die zwei Seiten des Tropeano also. Beim Essen dagegen ist die Sache weitgehend eindeutig. Die Gerichte, die Küchenchef Kai Bachmann zusammenstellt, sind fast durchweg von hoher Qualität. Ein Highlight: die Rotweintagliatelle mit Kaninchenragout und Pfifferlingen (16,80 Euro). Alle Zutaten ergänzen sich perfekt, kein Aroma geht unter. Auch die Steinpilzteigtaschen mit brauner Butter und schwarzem Trüffel (14,50 Euro) sind zu empfehlen, wenn die Portion auch sehr übersichtlich war.

Bachmann und Tropeano haben es sich außerdem zum Ziel gesetzt, die italienischen Regionen kulinarisch zu bereisen. Derzeit gibt es ein ligurisches Menü, das vier Gänge aus der Gegend rund um Genua bietet und seinen Preis von 42 Euro absolut wert ist. Mit zwei gut gratinierten Muscheln beginnt die Reise, der dazu gereichte Salat ist allerdings etwas schlapp (übrigens genauso wie der, der den herrlich zarten und pikanten, mit Thymian gewürzten Spanferkelbäckchen für 16,50 Euro von der Vorspeisenkarte beiliegt). Typisch für Ligurien sind die kurzen, gedrechselten Trofie, eine Nudelsorte, die häufig mit Pesto serviert wird. Bei Tropeano gibt es sie mit einer intensiven Soße aus Oliven, Pecorino, angetrockneten Tomaten und Pinienkernen, die hervorragend von frittiertem Rucola ergänzt wird. Auch bei der Kaninchenkeule mit Kartoffeln und Artischocken sowie dem gratinierten Weinbergpfirsich mit Amarettoeis bleiben keine Wünsche offen.

Abseits der stark frequentierten Stadtviertel bietet der Italiener "Tropeano Di-Vino" in Kirchrode eine gehobene italienische Küche an.

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Überhaupt sollte ein Besuch bei Tropeano auf keinen Fall ohne Nachtisch enden. Auf der reichhaltigen Dessertvariation (12 Euro) liegt eine Köstlichkeit neben der anderen. Was herausragt? Vielleicht die Schokoladenterrine, vielleicht das Eis mit karamelisierten Haselnüssen.

Besondere Sorgfalt verwendet die Küche auch auf die Zusammenstellung der Carpaccios, für die es eine eigene Karte gibt. Das gelingt zum Teil hervorragend: Die überraschende Kombination aus Rindfleisch, Tintenfisch und Trüffelcroutons (13,50 Euro) erweist sich als Volltreffer. Beim Carpaccio aus Hummer und Kalb mit Zitrusfrüchten, Ziegenkäsecreme und Fenchelpesto (18 Euro) schießt die Küche allerdings über das Ziel hinaus. Fleisch und Fisch gehen regelrecht unter, manchmal ist weniger eben doch mehr.

 Mein Fazit: Alles hat zwei Seiten – 
auch das Tropeano.

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