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Dormero

Brasserie Dormero

Aus dem Maritim Stadthotel wurde das „Dormero“. Statt Messing und Plüsch dominieren nun klare Kanten und Farben. Doch das durchgestylte Lokal sucht noch nach seinem Stil.

Hildesheimer Straße 34-38 30169 Hannover 52.36446 9.74667
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Big Burger & Flow Food

Hassan Saidani serviert im „Dormero“-Restaurant.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Südstadt. Wenn weniger wirklich mehr ist, dann ist hier ganz schön viel. Aus dem Maritim Stadthotel wurde das „Dormero“. Statt Messing und Plüsch im Siebziger-Jahre-Stil dominieren jetzt an der Hildesheimer Straße klare Kanten und Farben: viel Grau auch gerne mit Beton-Charme, Weiß und knallrote Akzente. Das sieht ein bisschen aus, als habe der Innenarchitekt ein Praktikum bei Stardesigner Philipp Starck gemacht. Alles wirkt sehr aufgeräumt, nur die Toiletten fallen aus dem Rahmen: Die Männertoilette ist finster, in der Frauentoilette können die Damen an den Waschbecken eine Peepshow für die Passanten auf der Straße veranstalten. Im Restaurant kommt noch dunkles Holz zum Farbenspiel. Man kann an hohen Tischen auf hohen Stühlen sitzen, es gibt aber auch ganz normale Sitzgelegenheiten. Allerdings sitzt man auf den Holzwandbänken etwas tief – und im Zielfeuer der Spotlampen.

Verblüffenderweise heißt das Restaurant mit der ambitionierteren Karte (nur abends geöffnet!) Brasserie, obwohl eine Braustube doch eigentlich eher ein einfacheres Haus ist. Weil bei unserem Besuch dort eine geschlossene Veranstaltung läuft, bleiben wir im normalen Restaurant, dessen Karte ebenfalls mediterran orientiert ist. Die Mittagskarte ist nur geringfügig kleiner – und keinesfalls billiger: Dies ist ein Platz für Business-Lunch, nicht für den Mittagstisch.

Der Service ist sehr bemüht, aber man merkt doch, dass das junge Team noch übt. Mal wird der Wein bei Tisch eingeschenkt, was stilvoll ist und noch mehr überzeugen würde, wenn die junge Dame den Eichstrich nicht bei drei von vier Fällen verfehlt hätte (der Rote war dann umso großzügiger bemessen). Beim zweiten Mal kommt das (gut gefüllte) Weinglas an den Tisch, dafür erreichen uns diesmal das Weißbrot und die drei Gewürzöle erst mit dem Essen.

Beim Erstbesuch klappte das besser. Wir starten bei „dreierlei Bruschette“ (5,90), von denen jeweils zwei auf einem länglichen Designerteller serviert werden: Die klassische Variante mit Tomate und Basilikum überzeugt am meisten, der Auberginenkavier ist arg süß und die Geflügelpaté nur Durchschnitt. Die Speisekarte vermerkt penibel jeden Zusatzstoff, weshalb man erfährt, dass die sehr sämige Tomatensuppe Farbstoff, Konservierungsstoffe und Antioxidationsmittel enthält, was dann doch überrascht und sich leicht vermeiden ließe, wenn man sich auf Tomaten beschränkte. 7,90 Euro sind übrigens ein stolzer Preis, den auch die dazu gereichte mittelprächtige Riesengarnele „auf Fenchelkonfit“ nicht rechtfertigt. Überzeugender sind die Papardelle mit Kabsfiletspitzen und Austernpilzen (13,90 Euro), bei denen auch der Thymian mit auf die Speisekartendefinition darf. Nicht aber die frittierten Orangen- und Zitronenscheiben als eher alberne Tellerdekoration. Bei den Saltimbocca à la Romana (immerhin 22,90 Euro) ist dem Koch ein klassischer Fehler unterlaufen: Wer da nicht bedenkt, wie salzig der Schinken ist, dem missrät die Sauce schnell – viel zu salzig!

Überzeugender geriet beim zweiten Besuch das geschmacksintensive Safranrisotto mit Garnelen (13,90 Euro) – eine Empfehlung von der Tageskarte. Dort macht man auch Werbung für die vorweihnachtlichen Gans-Aktivitäten, die Erinnerungen weckten. Vor etlichen Jahren musste ich im damaligen „Maritim“ die Kartoffelklöße zum Gansbraten rügen, die einer verblüffenden Kreuzung aus Kartoffelstampfmasse und einem Golfball glichen, und den Verdacht weckten, aus der Tüte zu stammen. Ein Jahr später revanchierte sich der Chefkoch mit „Wagner-Klößen“, die er dem Kritiker widmete. Sie waren besser.

Die kleinen Kartoffelklöße, die man jetzt im „Dormero“ zum Gänsebraten reicht, waren akzeptabel, könnten aber durchaus wieder Fertigwaren gewesen sein. Entscheidend war hier, dass das Stück Gänsebrust noch saftig war und die Haut stellenweise knusprig. Und dass auch das Gänsebein mundete. Die Sauce dazu war stark abgebunden, der Rotkohl vorweihnachtlich gewürzt. Alles in allem eine runde Sache, die auch den Preis (19,50 Euro) wert war.

Dazu trank ich ein Jever (0,5 l für 4,90 Euro). Es gibt übrigens vier Biere vom Fass, wenn sie denn da sind (das Radeberger war gerade ausgetrunken). Ambitioniert ist die Getränkekarte in vieler Hinsicht. Teetrinker haben ebenso die Auswahl wie Schaumweinfreunde (sieben prickelnde Tropfen zwischen Prosecco und Champagner werden glasweise angeboten). Von den offenen Weißweinen überzeugte uns der Pfälzer Weißburgunder vom Schloss Friedelsheim (0,2l für 7,20 Euro) mehr als der eher durchschnittliche Pinot Grigio (6 Euro). Wer da auf Wasser umsteigen will, findet die Ambition des Hauses auf der Rechnung wider: mit 6,30 Euro für eine Flasche Pellegrino dürfte das „Dormero“ in der hannoverschen Spitzenklasse gelandet sein. Ansonsten ist da noch Entfaltungsraum.

Preiskategorie: gehoben – um 20 Euro

Das Dormero Hotel in der Südstadt im Branchenführer

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