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Rumänische Küche

Ein Stück Rumänien in Hannover - das „Banat“

Von Thorsten Fuchs

Das „Banat“ entführt seine Gäste auf eine kulinarische Entdeckungsreise nach Rumänien. Ende vergangenen Jahres hat das Restaurant in der Herschelstraße eröffnet.
Typisch rumänisch: Andrea Dragos serviert im „Banat“ in Hannover Mitte Kohlrouladen mit Polenta.

Typisch rumänisch: Andrea Dragos serviert im „Banat“ in Hannover Mitte Kohlrouladen mit Polenta.

© Peters

Hannover Mitte. Es ist schwer zu glauben, aber genau so einen Ort hatte Josif Ion gesucht. Der lange, flache Bau liegt am hinteren Ende der Herschelstraße, neben dem Bahndamm und einer Autowaschstraße. Es brauchte Phantasie, um hier etwas Neues anzufangen. Aber Ion sah die Vorteile: Keine Nachbarn, die sich über Livemusik beschweren könnten. Viel Platz für eine Bar, Tanzfläche, einen üppigen Speisesaal. Zentrale Lage, wenn auch nicht in der edelsten Ecke. „Besser ging es nicht“, sagt Ion.

Acht Monate lang hat der Umbau der früheren Teppichverkaufshalle gedauert. Auch jetzt würde man hinter der schlichten Fassade das festliche Innere nicht vermuten: Mächtige gläserne Kronleuchter, wallende rote Vorhänge mit goldenen Troddeln, schwarze Lederstühle mit hohen Lehnen prägen den Raum. Das „Banat“ wirkt feierlich – und auf schwer fassbare Art auch sehr osteuropäisch. Doch so soll es ja auch sein. Es gibt jeden Abend Livemusik, regelmäßig will Ion hier Stars aus Rumänien auftreten lassen (am 9. März übrigens zum ersten Mal). Das ist es, was das „Banat“ sein soll: ein Stück Rumänien in Hannover.

Ion lebt sei 1979 in Deutschland. Als Schweißer und Wäscher arbeitete er hier, bevor er in seinen Beruf als Hotelkaufmann zurückkehrte und sich Ende 2011 mit der Eröffnung des „Banat“ einen Traum erfüllte. Von seinen beiden jungen Köchen stammt der eine aus Ions alter Heimat, dem Banat, jener früher auch sehr von schwäbischen Auswanderern geprägten Region. Der andere kommt aus Bukarest und hat bislang das Innenministerium bekocht. Man kann hier also auf sozusagen amtliche rumänische Küche hoffen.

Ich hatte bislang, um ehrlich zu sein, noch keinerlei Berührung mit der rumänischen Küche – weswegen ich bei unserem Erstbesuch nach dem Rumänischsten frage, was sich auf der Karte findet. Die aufmerksame Kellnerin bringt daraufhin „Sarmale“ (8,50 Euro). Das sind Kohlrouladen mit einer Besonderheit: Die Kohlblätter sind sauer eingelegt, die Füllung besteht aus Schweinehack mit etwas Reis. Dazu gibt es cremige Polenta – Maisgrieß ist in der rumänischen Küche eine feste Größe – und Schmand: Dank der säuerlichen Note eine interessante und probierenswerte Verwandte des deutschen Klassikers.

Mein weniger wagemutiger Begleiter ordert Lammrücken – und erhält ein großes, wunderbar zartes Stück mit gebratenen Kartoffelhälften, für das 12,50 Euro ein sehr fairer Preis ist (zumal es mittags noch eine Suppe dazu gibt, in unserem Falle eine klare Rindfleischsuppe mit einigen stattlichen Stücken Fleisch).

Im „Banat“ gibt es geschmacklich beide Seiten: Die eine liegt, wie der Lammrücken, recht nah beim Gewohnten; manchmal wird die Aufgeschlossenheit hier aber auch auf die Probe gestellt – so ist es uns jedenfalls bei unserem Zweitbesuch an einem Sonnabendabend gegangen.

An rumänischen Rotweinen bietet die Karte neben der vielleicht unvermeidlichen halbtrockenen „Schwarzen Mädchentraube“ einen trockenen „Val Duna“-Merlot (Glas 3,20 Euro) – der den Ruf der rumänischen Weine aber leider nicht mehren wird. Gruß aus der Küche ist ein mit Zwiebeln gewürztes, ansonsten leider etwas farbloses Auberginenmus.

Vorspeisen scheint der Rumäne nicht sehr zugetan zu sein: Auf der Karte fehlen sie, weswegen wir uns dann direkt den Hauptgerichten zuwenden. Das Boeuf Stroganoff (13,50 Euro) von der Tageskarte ist zartestes Rindfleisch in einer tomatigen Soße mit viel saurer Sahne, begleitet von Kartoffelstampf: tadellos.

Gericht zwei hingegen führt uns an die Grenzen unserer Lammliebe. „Pastrama“ (11 Euro) war eine Empfehlung des Chefs: Ein nach seiner Auskunft zwei Tage mit diversen Gewürzen in Olivenöl eingelegtes Stück, dann in kleinen Stücken gebratenes Lammfleisch. Es schmeckte: unfassbar streng. Rätselhaft salzig. Eine Zumutung für unsere mitteleuropäische Milde gewohnten Geschmacksnerven. Nach der Hälfte gaben wir auf.

Ich wusste nicht, dass man aus Lamm so etwas markant Scharfes hervorbringen kann. Mit den gefälligen, namensverwandten Ostküsten-Pastrami-Sandwiches in den USA hatte dieses Lamm jedenfalls nichts zu tun. Aber welchen Sinn hätten Restaurants fremder Länder auch, wenn nicht den, uns von Zeit zu Zeit etwas Neues vorzuführen?

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