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Südamerikanische Küche

„El Chileno“ - Kleines Restaurant ganz groß


Ungewöhnlich Gutes in ungewöhnlichem Ambiente: In einer ehemaligen Bothfelder Imbissbude serviert das „El Chileno“ ausgezeichnete Tapas und Hauptgerichte nach Rezepten aus Chile und Südamerika.
Azubi Florian Meihorst präsentiert im „El Chileno“ erlesene Tapas mit einem guten Tröpfchen.

Azubi Florian Meihorst präsentiert im „El Chileno“ erlesene Tapas mit einem guten Tröpfchen.

© Surrey

Bothfeld. Vom Äußeren her gehört das „El Chileno“ in Bothfeld zu den originellsten Restaurants in Hannover. Einst war es eine Imbissbude, die sich jetzt rot angestrichen mit einer verspielten Außenfassade und einem Vordach präsentiert. Die Küche, der Name sagt es schon, ist südamerikanisch. Hier hat Jaime Guzman, der Chef des „Chimu“ in der Langen Laube, eine Dependance aufgemacht, und er selbst ist auch nicht selten vor Ort zu sehen. Drinnen ist die Einrichtung rustikal im Cantina-Stil. Doch der Sprung vom Imbiss zum Restaurant hat die Örtlichkeit natürlich nicht größer werden lassen. Es gibt gerade 28 Tischplätze, die 20 im Außenbereich kann man für die nächsten Monate ja vergessen, sodass eine Reservierung dringend empfohlen wird. „Restaurancito“, kleines Restaurant, nennt sich das „El Chileno“ im Untertitel auch. Im kastilischen Spanisch müsste es „restaurantito“ heißen, aber das lateinamerikanische Spanisch ist eben in manchem anders.

Die Speisekarte ist kurz und wird von Tapas beherrscht, die Hauptgerichte treten demgegenüber in den Hintergrund. Das aber schadet nichts, denn es macht Spaß, sich durch viele Schälchen durchzufuttern. Eine Speisenfolge wird dabei nicht eingehalten, die Tapas kommen so aus der Küche, wie sie fertig werden. Nur auf Chile beschränkt ist das Angebot nicht: Nachos und Tacos gehören eigentlich nach Mexiko, und die Empanadas teilt sich das Land mit Argentinien.

Bei unserem ersten Besuch ließen wir die Tapas von gutem dunklen und lockeren Brot mit Knoblauchcreme begleiten. Wir begannen mit einer milden Meeresfrüchtesuppe mit viel Einlage (5 Euro). Es gab auch Ceviche (3,50 Euro), also durch Einlegen in Zitronensaft und mit Zwiebeln und Gewürzen „kalt gekochten“ Fisch: Er war gut durchgezogen. Die Empanadas (4 Euro) mit Fleisch- und Champignonfüllung waren leicht scharf und vor allem an den Rändern etwas trocken. Porotos granados (4 Euro), weiße Bohnen mit Kürbis und einer Chorizowurst sind – in mannigfaltiger Abwandlung – ein chilenisches Nationalgericht; sie kamen mit einer ausgezeichneten Sauce daher. Die vegetarischen Tacos (9,50 Euro) waren vom Teig her gut, das Gemüse frisch. Zwei Saucen gab es dazu: eine gelbe mit Curry (für Südamerika ungewöhnlich) und eine fade rote (auch für Südamerika bzw. Mexiko ungewöhnlich).

Getrunken haben wir von der nur vier chilenische Weine umfassenden Karte einen Cabernet Sauvignon (17,50 Euro) – beim zweiten Mal dann eine Cuvée namens Calicanto (25 Euro) –, und zum Absacken genehmigten wir uns einen Pisco (4 Euro), einen Tresterschnaps, von dem es mehrere Sorten gibt. Am besten lässt man sich beraten.

Mit einem Pisco begannen wir auch unseren zweiten Besuch, dieses Mal als Aperitif: Pisco sour (5,50 Euro), der Trester mit Zitronensaft und Zucker vermischt. Bei einem überbackenen Miesmuschelragout (3,60 Euro) – Chile ist ein Paradies für Freunde von Meeresfrüchten – waren die Muscheln klein gehackt, und das Gericht schmeckte angenehm scharf. Der lauwarme Tintenfisch (7 Euro) war etwas hart, während Huhn auf kreolische Art (4,50 Euro) mehr Beifall fand. Und ein Maisauflauf mit Hackfleisch und Rosinen (9,50 Euro), den wir als gemeinsames Hauptgericht dann noch aßen, ist ein weiteres chilenisches Nationalgericht. Der Geschmack ist etwas süßlich, aber apart.

Ekkehard Böhm

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