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Deutsche Küche

Essen „wie bei Muttern“ im „Stephans Eck“


Hausmannskost zu kleinen Preisen: Der neue Inhaber des „Stephans Eck“ in der Südstadt setzt auf die gute deutsche Küche - hausgemacht und einfach lecker.
Gekonnt rustikal: Kellnerin Pia Schumacher serviert im „Stephans Eck“ Flammkuchen.

Gekonnt rustikal: Kellnerin Pia Schumacher serviert im „Stephans Eck“ Flammkuchen.

© Hagemann

Südstadt. Das zählte bis vor Kurzem zu den Konstanten in der Südstadt. Rund 20 Jahre lang stand Inhaber Peter Berger in dem Ecklokal hinter dem Tresen, man kannte sich, trank frisch gezapftes Bier, und es durfte ordentlich geraucht werden. Seit dem 1. Dezember nun hat Robert Notacker, der bereits den „Sportspub“ am Altenbekener Damm und das „AJ’s“ auf der Bult führte, das Wirtshaus am Stephansplatz übernommen, und mit dem neuen Inhaber sind ein Rauchverbot und einige Neuerungen eingezogen. Köchin Sylvia Rien, von ihren Kollegen einfach nur „Sille“ genannt, klopft in der Küche bisweilen nicht nur lautstark Schnitzel, sie hat auch die Inneneinrichtung aufgefrischt. Gegen rustikale Eichenmöbel und den alten Perserteppich auf den hellbraunen Bodenfliesen wirken nun gelb gestrichene Wände, zierliche Kerzenständer und moderne Weidenrutengestecke mutig an.

Die Speisekarte allerdings konzentriert sich auf das, was in Ecklokalen üblicherweise guter Standard ist: Es gibt Gulaschsuppe und Currywurst und mittags auch mal eher Gastromomieuntypisches wie Speckpfannkuchen mit Birne. In dieser Küche wird offenbar nicht mit Fertigware getrickst, stattdessen gibt es ehrliche Hausmannskost zum fairen Preis. Ich wähle beim ersten Besuch von der „Tageskarte“, einer aufstellbaren Kreidetafel draußen vor dem Lokal: Spätzleauflauf mit Hack und Röstzwiebeln (6,50 Euro), mein Begleiter versucht das „Schnitzel der anderen Art“ (10,90 Euro). Der Auftakt ist eine angenehme Überraschung: Die Schafskäsecreme (2,50 Euro) aus dem kleinen Angebot der Vorspeisen schmeckt frisch und pikant, und sollte sie nicht hausgemacht sein, dann dürfte sie von einem der Feinkosthändler auf dem Wochenmarkt stammen. Und weil die Portion, nicht aber das ofenwarme Brot reichlich ist, löffeln wir den Rest einfach pur.

Unser Gastgeber im „Stephans Eck“ ist ein Mann namens Alex, der auf spätere Nachfrage seinen Nachnamen nicht verraten will, uns aber bei beiden Besuchen herzlich umsorgt. Ob er auch mal selbst am Herd steht, können wir nicht ausmachen, falls ja, scheint er sich aufs Kochen ebenso gut zu verstehen wie auf den Job hinter der Theke. Das Schnitzel meines Mittesters ist gelungen, es schmeckt genau so, wie es auch am heimischen Herd zubereitet worden wäre. Das Fleisch ist nicht sehr dünn, dafür aber zart und saftig, frisch paniert und einfach in der Pfanne gebraten. Die schmackhafte Soße besteht aus Sahne und frischer Paprika, lediglich die Pommes frites sind ganz offensichtlich Fertigware. Mein Spätzleauflauf dagegen könnte auch gut ein Resteessen sein, geschmacklich kann man aber nichts gegen dieses Gericht aus Hackfleisch, Röstzwiebeln und Käse sagen. Es ist gut gewürzt und nicht zu schwer, und eben so, wie es die Karte versprochen hatte: „wie bei Muttern“. Der Nachtisch geht aufs Haus. Es ist ein feines Tiramisu, das als kleine Raffinesse ganze Mandeln enthält, die sich in der süßen Mascarponecreme sehr gut machen.

Beim zweiten Besuch hoffen wir, diesmal zu viert, auch auf den Mittagstisch, allerdings hält es das „Stephans Eck“ wie viele andere Lokale: Sonnabends und sonntags gibt es keine Mittagskarte, und auch die Öffnungszeit so früh am Tag hat sich scheinbar noch nicht herumgesprochen. Bis auf zwei Männer an der Theke haben wir die Gaststube wieder für uns allein.

Mein Mittester vom ersten Mal wählt erneut Schafskäsecreme und Schnitzel, wird von Alex allerdings vertröstet: Die Creme sei aus und müsse erst wieder frisch zubereitet werden, und das geht offenbar so schnell nicht. Meine anderen beiden Begleiter wählen Bratkartoffeln mit Champignons, Tomaten und gekochtem Schinken (6,50 Euro) von der Kleinigkeiten-Karte sowie Sülze (7,90 Euro). Ich entscheide mich für die Rinderroulade (12,90 Euro) mit Kartoffelstampf. Auch bei meiner Beilage muss Alex passen, er bietet stattdessen Bratkartoffeln an.

Etwa 20 Minuten später liegen auf allen vier Tellern Bratkartoffeln zu den jeweiligen Speisen, und Alex entschuldigt sich wortreich bei meinem Bekannten, der Schnitzel mit Pommes frites bestellt hatte. Die entsprechende Nachlieferung kommt jedoch prompt. Dabei sind die Bratkartoffeln wirklich gut: Sie schmecken ganz so, als verstünde der Koch sein Handwerk und hätte auch eine gusseiserne Pfanne parat. Die Kartoffelstücke sind knusprig und schön in Fett geschwenkt, triefen aber nicht, und auch der Speck ist ordentlich angebraten. Wer braucht da noch Pommes?

Unsere Mittesterin lobt die Variante mit frischen Champignons als Beigabe, die ebenfalls ein gutes Beispiel dafür ist, wie einfach und trotzdem wohlschmeckend ein Gastronomieessen ohne Fertigzutaten geraten kann. Auch an der Rinderroulade habe ich nichts auszusetzen: Das Fleisch ist zart, die offensichtlich hausgemachte Soße schön sämig, und der Rotkohl hält gekonnt die Balance zwischen süßlich und pikant. Wir sind rundum so satt und zufrieden, dass wir dieses Mal keinen Nachtisch brauchen. Aber wir versprechen Alex, bald mal wieder reinzuschauen.

Dany Schrader

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