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So schmeckt es im Central-Hotel "Kaiserhof"

Finkbeiners Kostprobe So schmeckt es im Central-Hotel "Kaiserhof"

HAZ-Feinschmecker Hannes Finkbeiner war zu Besuch im Central-Hotel "Kaiserhof". Die Erwartungen bei dem familiengeführten Central-Hotel Kaiserhof waren hoch. Doch der Besuch zum „High Tea“ enttäuscht.

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Central-Hotel Kaiserhof

Quelle: Villegas

Hannover. Großbritannien ist nicht unbedingt für seine schillernde Küchenkultur berühmt. Wirklich schön ist aber ein gut gemachter Afternoon Tea, der ja schließlich auch über die Landesgrenzen hinaus berühmt ist. Im Central-Hotel Kaiserhof am Ernst-August-Platz wird sogar die Variante eines Full Afternoon Tea (in der Werbung des Hauses fälschlicherweise als „High Tea“ tituliert) angeboten: Eine Auszeit mit einem Kännchen Tee sowie süßen und deftigen Snacks, um die Zeit zu einem späten Abendessen zu überbrücken. Eine tolle Offerte: Warum auch nicht dem mäßig sommerlichen Wetter konsequent den Rücken kehren und es sich eine Weile in einem Café gut gehen lassen?

Unsere Erwartungen sind jedenfalls hoch. Nicht nur wegen des guten Rufs des Kaiserhofs. Eine Vorbestellung ist erforderlich, der Preis von 22,50 Euro pro Person (26,50 Euro inklusive einem Glas Sekt) und die selbstbewusste Werbung auf der Internetseite des Hauses versprechen Genuss. Dann wird es allerdings schon beim Empfang etwas holprig. Wir werden von der ersten zur zweiten zur dritten Servicekraft durchgereicht, die dann einen kurzen Blick auf die Reservationsliste wirft und uns zu unserem Tisch bringt. Dann passiert erst einmal nichts.

Teekarte aus Holz

Obwohl. Das ist gelogen. Wir bekommen eine Teekarte gebracht. „Eine“ Teekarte ist übrigens wörtlich zu nehmen. Der höfliche Restaurantmitarbeiter weist uns darauf hin, dass das Haus über nur eine Teekarte verfüge. Gut. Zugegeben. Die eine Teekarte ist immerhin aus Holz, die Teesorten sind in Plexiglaskästchen zu bestaunen. Das ist eine ganz nette Aufmachung, aber ein paar mehr der Accessoires sollten beim Teeanbieter Ronnefeldt zu haben sein. Wir gedulden uns nun gute zehn Minuten bis zur Bestellung. Ist ja auch Sonntag. Viel zu tun. Und im Gegensatz zu unserem zweiten Besuch ist diese Wartezeit sogar noch im Rahmen.
Störend empfinden wir vielmehr den Tee-Service, der (abgesehen von der hohen Güte des Tees selbst) nicht unseren Vorstellungen von der versprochenen „legendären Teekultur mit allem was dazu gehört“ entspricht. Aus dem Kännchen baumelt ein Beutel, aber ein Ablageschälchen bekommen wir nicht, weshalb wir das Utensil auf unserem Speisenteller ablegen müssen. Das ist der erste Kritikpunkt. Außerdem kommt der Tee aufgebrüht an den Tisch. Wann das Heißgetränk aufgegossen wurde, erfahren wir nicht („Gerade vorhin“). Auch eine Tee-Uhr gehört nicht zum Repertoire. Die Tassen sind zudem nicht vorgewärmt. Ein Fehler. Ganz einfach, da sich in kaltem Porzellan das feine Tee-Aroma nicht perfekt entfalten kann. Der Schuss Milch, der „selbstverständlich beim original englischen Afternoon Tea nicht fehlen“ darf, wie auf dem Internetauftritt zu lesen ist, ja, der fehlt, und der fehlt ebenso wie Kandiszucker, um den wir erst bitten müssen. Dabei gilt das feine Knacken des Kandis’ doch bei manchem Engländer als sinnliches Erlebnis schlechthin! Summa summarum wären das dann wahrscheinlich die Kritikpunkte zwei, drei, vier und fünf gewesen. Wir haben nicht genau mitgezählt.

„Hochwertige Fertigware“

Unschön sind auch die Speisen. Die Sandwichecken kommen direkt aus der Kühlung. Die Butter ist so kalt, dass sie sich im Mund talgig anfühlt. Die Zuwendung von dezentem Gewürz oder Soßen hat nur der gute gebeizte Lachs mit Honig-Senf-Dressing erfahren. Besonders das Roastbeef fühlt sich jedoch trocken im Mund an und schmeckt fad. Die kleinen Petit Fours (Mocca, Nougat und Himbeer) schmecken gut – und sind gut eingekauft, es ist nämlich hochwertige Fertigware. Dabei heißt es: „Ganz im Sinne der englischen Tradition genießen Sie bei uns selbst gemachte Süßspeisen aus unserer Kuchenmanufaktur!“

Einwandfrei fallen einzig die ofenfrischen Scones aus, ein feines Gebäck, das klassisch mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade gereicht wird. Doch diese Frische wird unserem zweiten Besuch (an einem Dienstag) zum Verhängnis. Zunächst warten wir aber auch an diesem Tag. Wir sitzen dabei an einem Tisch mit schmutzigem Tischläufer und schmutzigem Tischfuß, was das schöne Ambiente maßgeblich eintrübt und bei einer „Reservationspflicht“ gleich zweimal nicht zu verstehen ist. Nach 25 Minuten wird dann der Tee serviert. Nach gut 30 Minuten erkundigen wir uns nach den Speisen. Weitere zehn Minuten später werden wir darauf hingewiesen, dass es Probleme mit dem Gebäck gebe, es dauere nochmals zehn Minuten. Ob die anderen Snacks schon vorab serviert werden sollen, fragt der Mitarbeiter.

Wir lehnen das gut gemeinte Angebot ab und bitten explizit darum, nicht zu hetzen, sondern die Etagere mit Essen erst dann zu bringen, wenn die Küche sie als wirklich perfekt einstuft. Der Kellner nickt und bittet um Verzeihung. Als die Snacks nach insgesamt 50 Minuten auf den Tisch kommen, sind sie aber alles andere als ideal. Kaum brechen wir den ersten der beiden Scones auf, quillt roher Teig hervor. Beim zweiten dasselbe Spiel. Wir rufen wieder den Restaurantmitarbeiter, der von dem ganzen Debakel sichtlich betroffen ist. Er entschuldigt sich. Mehrmals. Wir bitten um die Rechnung, die der Mann nach kurzer Rücksprache auf´s Haus bucht. Das ist nett. Aber damit stellt sich der Betrieb sein Zeugnis auch irgendwie selbst aus.     

Fazit von Hannes Finkbeiner

„Wir zelebrieren den klassischen English Afternoon Tea“ steht auf dem Internetauftritt des Hotels geschrieben. Das können wir trotz zweier Besuche nicht bestätigen.

Gesamtnote: 4/10
(Ambiente: 5, Service: 4, Küche: 3)

Ernst-August-Platz 4
30159 Hannover
Telefon: (05 11) 3 68 30
E-Mail: mail@centralhotel.de
Internet: www.centralhotel.de
Öffnungszeiten: „High Tea“ 
täglich von 15 bis 18 Uhr     

von Hannes Finkbeiner 

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