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So exotisch ist es im Kilimanjaro

Finkbeiners Kostprobe So exotisch ist es im Kilimanjaro

Finkbeiners Kostprobe: Eine Kultur lässt sich wunderbar auf dem Teller auskundschaften, sofern die Gerichte gut gemacht sind. Eine Ahnung von Westafrika bietet das Kilimanjaro – obwohl der namensgebende Berg in Ostafrika liegt.

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Hübsches Restaurant, ordentliches Essen, netter Service: Besitzer Karlo Danaly im Kilimanjaro in Linden.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Die blassgelbe Farbe und dickflüssige Konsistenz des Affenbrotbaumsafts erinnert uns an Bananennektar. Bitter und süß-säuerlich ist das Aroma, spannend und ganz eigen. Störend ist nur, dass das hausgemachte Getränk zwischen den Zähnen knirscht wie Sand. Wahrscheinlich wurde das Fruchtfleisch nach dem Pürieren und Verdünnen nicht durch ein Sieb passiert, aber was soll´s: Angeblich ist das Zeug gut gegen Stress, hilft dem Immunsystem auf, senkt den Blutzuckerspiegel und hebt die Laune. Da wollen wir mal nicht so sein, der Saft weckt nämlich unsere Geister und unsere Neugier auf die afrikanische Küche.

Restaurantkritiker Hannes Finkbeiner war zur Kostprobe im neuen Kilimanjaro in Linden.

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Wir sind im Kilimanjaro in Linden, wo „afrikanische Spezialitäten“ angeboten werden. Es ist das zweite „Kili“ in Hannover nach dem in der Knochenhauerstraße 23. Allerdings ist der Kontinent so riesig, dass die Angabe „afrikanisch“ dann doch eher als grobe Richtung zu verstehen ist. Eine Küche wird schließlich immer von Flora und Fauna, Politik, Wirtschaft und Geschichte eines Landes oder einer Region beeinflusst – man schaue im Vergleich nur einmal auf das zwergenhafte Europa. Die Speisekarte des Lokals schafft diesbezüglich dann doch etwas mehr Klarheit. Gerichte wie Thieboudienne, Yassa oder Maffé deuten auf Einflüsse aus Westafrika beziehungsweise dem Senegal hin – dass der namensgebende Kilimanjaro in Ostafrika liegt, ist eine andere Frage. Es wird viel gegrillt oder eingekocht, es gibt typische Produkte wie Fisch (Barsch, Garnelen) und Fleisch (Lamm, Huhn), es gibt Reis, Couscous oder Maniok.

Buletten wie Trüffel

Als Vorspeise probieren wir das Fingerfood mit Fleisch (7,20 Euro). Die kräftig gewürzten, murmelgroßen Buletten wirken fast wie kleine Trüffel, vor allem wegen der tiefschwarzen Farbe. Sie sind aber nicht verbrannt, sondern schmecken in Kombination mit dem fruchtigen, leicht scharfen Tomatenchutney ebenso köstlich wie die Fatayas – luftige, in Fett ausgebackene Teigtäschchen mit Fleischfüllung. Gut ist auch die knusprige Frühlingsrolle mit Huhn, die wir in fleischloser Variante auch beim vegetarischen Fingerfood verkosten. Wobei dieses Gericht im Vergleich etwas abfällt. Lediglich etwas gebackene Banane und Salat gehören noch zu der Vorspeise, die aber mit demselben Preis zu Buche schlägt.

Überhaupt hätten wir uns im Bereich der Vorspeisen etwas mehr Auswahl gewünscht. Es gibt lediglich zwei Suppen und drei Varianten von Fingerfood, dabei würden sich schon die einzelnen Komponenten dieser Gerichte als eigenständige Speisen prima im Tapas-Stil in der Mitte des Tisches machen. Einerseits. Anderseits sind den Vorspeisen zwar sehr stark ausländische Einflüsse anzumerken, die es in der senegalischen Küche gibt – aber ein bisschen aufregender, kreativer und authentischer ließe sich das sicher gestalten.Das macht gerade bei den Vorspeisen Sinn, wo der Gast oft noch etwas mutiger und experimentierfreudiger ist als bei den Hauptspeisen.

Der Reis: ein Genuss

Als erstes Hauptgericht probieren wir anschließend das senegalesische Nationalgericht Thieboudienne: Fisch mit Reis (14,60 Euro). Rückgrat der Kreation bildet Kohl, der mit seinem deutlichen Aroma das Gericht ganz wunderbar zusammenführt. Aber auch der rote Reis haut uns um, der ganz offensichtlich in einem Gewürzsud gekocht wurde und schon völlig ohne Soße ein Genuss ist. Da sieht man einmal wieder, wie toll eine so scheinbar simple Beilage schmecken kann. Der Barsch, der an der Gräte eingekocht wurde, ist für das Garverfahren noch recht saftig. Dazu gibt es eine curryähnliche, kräftige Soße mit allerlei Gewürzen und Zutaten. Nur die Karotten wurden leider sehr matschig gekocht.

Danach kommt gegrilltes Zebra-Steak mit Erdnusssoße und Attiéké (22,90 Euro) auf den Tisch. Attiéké ist ein Grieß, der aus fermentierten Maniokwurzeln hergestellt wirdund deswegen ein sehr eigenes Aroma mit leicht säuerlicher Note aufweist. Leider ist die traditionelle Beilage etwas trocken, schmeckt aber in Verbindung mit der ganz hervorragenden Erdnusssoße (mit Zwiebeln, Chili und Tomate) sehr gut. Nicht glücklich sind wir dann allerdings mit dem Zebra-Steak, das nicht wie Preis und Titulierung vermuten lassen aus dem Rücken, sondern aus der Hüfte geschnitten wurde – ein Fleischteil, das sich nur unter bestimmten Umständen zum Kurzbraten eignet. Kurz: Das Ding ist zäh. Aussehen und Geschmack erinnern an Rind.

Am Ende ist die Laune gut

Zum Abschluss essen wir noch einen ganz passablen Joghurt mit Couscous und Schokoladensoße (4,50 Euro). Als wir kurz darauf am Tresen stehen und unsere Rechnung (Zahlung ist nur in bar und nicht mit Karte möglich) begleichen, fällt unser Blick durch die Panoramascheiben des Kilimanjaro über die Falkenstraße auf eine gegenüberliegende Hauswand. „Liebe“ hat ein rührseliger Graffiti-Künstler an die Wand gesprüht.

Wir schauen uns noch einmal im Restaurant um und überlegen: Die hübsche Einrichtung, die knalligen Farben, das ordentliche Essen und der nette Service ... nein, „Liebe“ wär ein bisschen zu viel. Aber wir haben gute Laune, als wir das Restaurant verlassen. Das kann natürlich auch am Affenbrotbaumsaft liegen, aber das lässt sich bei unserem Job eh nicht so ganz trennen.

Fazit

Die Küche könnte noch mehr Akribie und Mut beweisen, bietet aber für Experimentierfreudige und Genussfreunde ein ordentliches Angebot.

Gesamtnote: 6/10 (Küche: 6, 
Ambiente: 7, Service: 6)

Kilimanjaro Linden
Falkenstr. 24, 30449 Hannover
Telefon: (01 73) 5 79 25 70
Mail: info@kilimanjaro-hannover.de
Geöffnet: montags bis freitags 11.30 bis 14.30 Uhr, 17 bis 23 Uhr; sonnabends 17 bis 23 Uhr; 
sonntags Ruhetag     

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